Werner Breitschwerdt wird 80

Werner Breitschwerdt wird 80
11.
September 2007
Stuttgart
  • Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG von 1983 bis 1987
  • Herausragender Ingenieur und Entwickler
  • Zahlreiche Fahrzeuge von Mercedes-Benz entstanden unter seinem maßgeblichen Einfluss
Stuttgart. Prof. Dr.-Ing. Werner Breitschwerdt feiert am 23. September 2007 seinen 80. Geburtstag. Der Ingenieur war von 1983 bis 1987 Vorstandsvorsitzender der damaligen Daimler-Benz AG. Davor war er seit 1953 in verschiedenen Positionen für das Unternehmen tätig, unter anderem als Vorstandsmitglied für den Bereich Entwicklung und Forschung. Verschiedene Fahrzeuge entstanden unter seinem maßgeblichen Einfluss, beispielsweise der Mercedes-Benz 190 (Baureihe W 201), mit dem die Marke 1982 sehr erfolgreich in die Kompaktklasse startete und der zugleich ein Grundstein für die Modelloffensive der 1990er Jahre war.
Werner Breitschwerdt wird am 23. September 1927 in Stuttgart geboren. Er studiert an der Technischen Hochschule Stuttgart Physik bis zum Vordiplom und legt 1952 die Diplomprüfung im Fach Elektrotechnik ab. Nach einer Assistententätigkeit an der Universität tritt Breitschwerdt im April 1953 in die Daimler-Benz AG ein und ist zunächst in Sindelfingen im Versuch Pkw-Aufbauten tätig. 1960 wird er Leiter des Serien-Konstruktionsbüros Pkw-Aufbauten, im Oktober 1963 Abteilungsleiter Pkw-Versuch. 1965 folgt die Ernennung zum Hauptabteilungsleiter im Versuch Pkw-Aufbauten, 1967 zum Abteilungsdirektor. Bereits 1971 wird Breitschwerdt zum stellvertretenden Direktor im Bereich Pkw-Aufbauten ernannt und damit Vertreter von Karl Wilfert, dem Leiter des Bereichs, den Breitschwerdt in dessen Nachfolge schließlich 1973 übernimmt. Im Jahr 1974 wird ihm auch die Leitung der Gesamtstilistik übertragen.
Anfang 1977 wird Breitschwerdt in den Vorstand der Daimler-Benz AG berufen. 1978 übernimmt er als Nachfolger des langjährigen Entwicklungschefs Hans Scherenberg das Ressort Entwicklung und Forschung. 1983 wird er im Alter von 56 Jahren nach dem plötzlichen Tod von Gerhard Prinz Vorstandsvorsitzender. Dieses Amt hat er knapp vier Jahre inne: Im September 1987 legt er den Vorstandsvorsitz aus persönlichen Gründen kurz vor seinem 60. Geburtstag nieder. Ein Jahr später wechselt er in den Aufsichtsrat der Daimler-Benz AG, wo er bis 1993 Sitz und Stimme hat.
In Breitschwerdts Zeit als Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG erhöht sich der Weltumsatz des Konzerns um mehr als 60 Prozent. Der Konzernjahresüberschuss steigt um fast 80 Prozent auf gut 1,7 Milliarden Mark für das Geschäftsjahr 1986. Allein in der Daimler-Benz AG entstehen in seiner Amtszeit rund 16 000 neue Arbeitsplätze.
In seinen zahlreichen Positionen prägt Breitschwerdt die Daimler-Benz AG. Unter seiner Führung des Bereichs Entwicklung und Forschung entsteht beispielsweise eine vollkommen neue Fahrzeuggeneration: Die S-Klasse der Baureihe W 126 (1979 bis 1991), die mittlere Baureihe W 124 (1984 bis 1995) und die SL-Baureihe R 129 (1989 bis 2001) untermauern den Ruf von Mercedes-Benz, technisch und stilistisch führend zu sein.
Ein Bravourstück gelingt Breitschwerdt mit dem Typ 190 (W 201), der 1982 auf den Markt kommt: Er trägt die Werte von Mercedes-Benz wie etwa Sicherheit und Komfort in die Kompaktklasse, was nur mit ausgefeilten technischen Lösungen möglich ist, beispielsweise der Raumlenker-Hinterachse. Der Start in dieses Marktsegment ist damals nicht unumstritten und ein Wagnis für Mercedes-Benz. Doch der Erfolg der Baureihe W 201 als direkter Vorläufer der C-Klasse gibt Breitschwerdt Recht. Gleichzeitig ist der W 201 der erste Schritt zur Auffächerung der Marke in viele Segmente, die in den 1990er Jahren systematisch als Modelloffensive betrieben wird.
In allen Fahrzeugen gelingt es Breitschwerdt, die traditionellen Mercedes-Benz Maßstäbe wie Qualität, Solidität und ausgereifte Technik zu verknüpfen mit Attributen wie Fortschrittlichkeit, Dynamik und sportlicher Eleganz. Das gibt dem internationalen Marktgeschehen richtungsweisende Impulse. Darüber hinaus setzt Breitschwerdt bei der Ergänzung und Weiterentwicklung des Mercedes-Benz Nutzfahrzeugprogramms wesentliche Akzente.
Die von Daimler-Benz schon früh vertretene Philosophie der Fahrzeugsicherheit und des Insassenschutzes führt Breitschwerdt fundiert weiter. Unter seiner Verantwortung erzielt Daimler-Benz darüber hinaus weitere bedeutende Fortschritte im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit der Mercedes-Benz Fahrzeuge. Dafür werden ihm auch persönliche Auszeichnungen zuteil.
Gleichwohl ein echter „Automann“ mit einem präzisen Blick für sämtliche Eigenschaften des Produkts bis hin zum Design, ist der Elektroingenieur Breitschwerdt in den 1970er und 1980er Jahren der richtige Mann am richtigen Platz, als die Elektronik und damit Assistenz- und Sicherheitssysteme ihren Einzug ins Auto halten. Die Einführung beispielsweise des Anti-Blockier-Systems oder des Airbags fällt in seine Tätigkeit. Nach der Weltpremiere dieser Systeme bei Mercedes-Benz sind sie in der gesamten Automobilindustrie zum Standard geworden.
Breitschwerdt ist der DaimlerChrysler AG bis heute eng verbunden. Daneben widmet er sich seinen eigenen unternehmerischen Engagements.
Berufliche Stationen
16. April 1953: Eintritt in die Daimler-Benz AG, Versuchsabteilung Entwicklung Pkw-Aufbauten im Werk Sindelfingen
1960: Leiter Serien-Konstruktion Pkw-Aufbauten
Oktober 1963: Abteilungsleiter Pkw-Versuch
1. Mai 1965: Ernennung zum Hauptabteilungsleiter im Versuch Pkw-Aufbauten
15. Juli 1967: Abteilungsdirektor
27. Juli 1971: Stellvertretender Direktor im Bereich Pkw-Aufbauten und Vertreter von Dr. Karl Wilfert, Leiter der Entwicklung Pkw-Aufbauten
24. Mai 1972: Prokura
1. Juli 1973: Ernennung zum Direktor und Leiter der Entwicklung Pkw-Aufbauten
1. Januar 1974: Zusätzlich Übernahme des Bereichs Stilistik
20. Januar 1977: Stellvertretendes Vorstandsmitglied Daimler-Benz AG
21. März 1978: Vorstandsmitglied Daimler-Benz AG, Ressort Entwicklung und Forschung
März 1979: Berufung zum Honorarprofessor durch die Universität Karlsruhe
1. Dezember 1983: Vorstandsvorsitzender Daimler-Benz AG
1. September 1987: Niederlegung des Vorstandsvorsitzes
1988 – 1993: Aufsichtsratmitglied Daimler-Benz AG

Medien

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    Prof. Dr.-Ing. Werner Breitschwerdt
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    Prof. Dr.-Ing. Werner Breitschwerdt
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    Erfolgsbilanz: Die Kompaktklasse W 201 (Debüt: 1982), die mittlere Baureihe W 124 (1984) und die S-Klasse W 126 (1979) entstanden unter dem maßgeblichen Einfluss von Werner Breitschwerdt.
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    Ein Mann und sein erfolgreiches „Kind“: Werner Breitschwerdt am Mercedes-Benz 190, der im  Jahr 1982 auf den Markt kam.
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    Limousinen-Trio: Werner Breitschwerdt beeinflusste maßgeblich die S-Klasse W 140 (Debüt: 1991), die mittlere Baureihe W 124 (1984) und die Kompaktklasse W 201 (1982).
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    Zwei Techniker im Namen des Sterns: Hans Scherenberg (links) und Werner Breitschwerdt, dessen Nachfolger als Entwicklungs- und Technikvorstand, im Jahr 1977.
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    Ein Mobil und sein Promotor: Das Forschungsfahrzeug Mercedes-Benz Auto 2000, im Jahr 1981 präsentiert, entstand unter Werner Breitschwerdt als Entwicklungs- und Forschungsvorstand.
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