Mit Batterie-Schnellwechselsystem: die Elektro-Transporter LE 306 und 307 E

1972 stellt Daimler-Benz den Elektro-Transporter LE 306 vor, der mit einem Batterie-Schnellwechselsystem ausgestattet ist: Durch eine seitlich zwischen den Achsen angebrachte Klappe lässt sich der unter der Ladefläche angebrachte Batteriesatz auf der einen Seite im Handumdrehen herausziehen, während auf der anderen Seite zugleich ein neuer Satz eingeführt wird.
Der noch aus dem Hanomag-Henschel-Programm stammende Transporter stemmt bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 bis 3,9 Tonnen und einem Batteriegewicht von 860 Kilogramm genau eine Tonne Nutzlast. Je nach Fahrweise reicht eine Batterieladung für einen Aktionsradius von etwa 50 Kilometern. Der Elektromotor leistet 35 bis 56 Kilowatt, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h, die Steigfähigkeit 13 Prozent. Die elektronische Steuerung stammt von Kiepe. Insgesamt entstehen immerhin 59 Einheiten des Elektrotransporters.
Allerdings stellt sich heraus, dass das aufwendige Querwechselsystem in der Regel verzichtbar ist. Beim Nachfolger 307 E begnügt sich der Hersteller daher mit einer in die Batteriehalterung eingebauten Hebevorrichtung, die ein Ausbauen der Akkus nach unten mit Hilfe herkömmlicher Hebezeuge ermöglicht. Jeweils 90 Volt Spannung erzeugt jeder der beiden Batteriesätze. Mit einer Nutzlast von 1,45 Tonnen erreicht der Transporter eine Geschwindigkeit von 70 km/h und eine Steigfähigkeit von 20 Prozent. Der Fahrmotor bringt es auf eine Leistung von 30 Kilowatt. Die Bremsenergie lässt sich in die Batterien zurückspeisen.
22 Fahrzeuge dieses Typs setzt die Deutsche Post in Bonn 1983 in einem Praxistest ein. Das Ergebnis fällt allerdings eher ernüchternd aus: Die Energiekosten liegen fast doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Dieselfahrzeugen. Ein weiterer Akzent des vom Bundesforschungsministerium geförderten Versuchs besteht in der Erprobung verschiedener Arten der Antriebssteuerung und Kraftübertragung: Als kostengünstigere Variante gegenüber der üblichen elektronischen Anker- und Feldsteuerung mit fester Getriebeübersetzung wird eine Batterieumschaltung mit elektronischer Feldsteuerung und hydrodynamischem Drehmomentwandler getestet. Die dritte und die vierte Variante bestehen in einem konventionellen Schalt- und Automatikgetriebe.
  • 72177-5
    Schieben statt laden: Batterietausch beim LE 306 aus dem Jahr 1972 mit der Durchschiebe-Querwechseltechnik. Der Batteriewechsel dauert nicht länger als ein typischer Tankvorgang.
  • 72227_63
    Vorausgedacht: Der Mercedes-Benz LE 306 hat 1972 Premiere. Er wird unter anderem bei den Olympischen Spielen in München erprobt. Noch sind Leistung, Reichweite und Energiekosten aber nicht alltagstauglich.
  • .72092_38
    1972 stellt Daimler den Elektrotransporter LE 306 vor. Insgesamt entstehen 59 Einheiten.
  • 80F171
    Auf der Einfahrbahn in Stuttgart-Untertürkheim: Mercedes-Benz Transporter Typ 307 E mit Elektroantrieb (1980).
  • 80F174
    Erprobung im Stadtverkehr: Mercedes-Benz Transporter Typ 307 E mit Elektroantrieb (1980).
  • 72165-6
    Alternative Antriebe von Mercedes-Benz 1972 (v.l.n.r.): Elektrotransporter LE 306 (1972), Elektro-Versuchsbus OE 302 (1969), Erdgas-Versuchsbus OG 305 (1971).
Lade...