Kurt Obländer wird 80

Kurt Obländer wird 80
29.
Oktober 2007
Stuttgart
  • Mercedes-Benz Motorenentwickler von 1955 bis 1991
  • Saubere und sparsame Fahrzeugantriebe in allen Fahrzeugklassen
  • Zahlreiche Motorengenerationen tragen Obländers Handschrift
Dipl.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Kurt Obländer feiert am 30. November 2007 seinen 80. Geburtstag. Der Ingenieur war von 1955 bis 1991 in der Motorenkonstruktion der Daimler-Benz AG tätig, zuletzt als Direktor und Leiter der Pkw-Motorenentwicklung von Mercedes-Benz. Er beeinflusste mehrere Motorengenerationen, befasste sich schon frühzeitig mit dem Thema Abgasreinigung und wirkte maßgeblich an der Einführung des Abgas-Katalysators mit. Saubere und sparsame Fahrzeugantriebe von Mercedes-Benz sind untrennbar mit Kurt Obländer verbunden.
Zu den Motoren, die die Handschrift Obländers tragen, gehört beispielsweise der legendäre Achtyzlinder M 100 des Mercedes-Benz 600 (Baureihe W 100). Der Ingenieur krönt seine Karriere schließlich mit der Entwicklung des 6-Liter-V-Zwölfzylinders, der 1991 in der S-Klasse 600 SE/600 SEL (Baureihe W 140) seine Premiere erlebt. „Bei mir hat sich alles sehr glücklich gefügt“, sagt Obländer 1991 rückblickend in einem Interview. „Ich habe mit dem 300 SL begonnen, habe den M 100 gemacht und höre mit dem V 12 auf. Was will man mehr?“
Kurt Obländer wird am 30. November 1927 in Karlsruhe geboren. Ursprünglich will er Förster werden und ist 1943 auch bereits zur Ausbildung beim Forstamt Karlsruhe eingeschrieben. Doch der Zweite Weltkrieg stellt die Weichen anders. Nach Kriegsende und Gefangenschaft absolviert Obländer eine Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker, bevor er an der Technischen Hochschule Karlsruhe das Maschinenbaustudium aufnimmt. Seine Diplomarbeit entsteht bereits bei der Daimler-Benz AG, sie trägt den Titel „Über das Klopfen am 300-SL-Motor“ und beschert ihm sieben Monate intensive Untersuchungen und Testfahrten mit dem legendären Sportwagen von Mercedes-Benz. 1955 tritt er in das Unternehmen ein. Er ist zunächst in der Versuchsabteilung Fahrzeugmotoren tätig und dort auch immer wieder mit dem Motor des 300 SL befasst.
Von 1964 an widmet sich Obländer vor allem dem Spezialgebiet Verbrennungsoptimierung. Beim ersten Abgas-Hearing in Kalifornien Mitte der 1960er Jahre vertritt er die Daimler-Benz AG – der Ingenieur hatte sich schon frühzeitig mit der Abgasreinigung beschäftigt und umfangreiche Fachkenntnisse angeeignet. Obländer beweist ein sicheres Gespür für die künftige Bedeutung des Themas und setzt beispielsweise innerhalb eines Jahres einen unternehmenseigenen Abgasprüfstand durch. 1965 übernimmt er die Leitung der Versuchsabteilung für Pkw-Einspritzmotoren. 1971 wird er Leiter des gesamten Personenwagen-Motorenversuchs – inzwischen ist er schon auf der ganzen Welt als ausgewiesener Motorenfachmann anerkannt. Seine „ Leistungen und Verdienste auf dem Gebiet der Entwicklung schadstoffarmer Fahrzeugantriebssysteme“ würdigt die Universität Kaiserslautern 1975 mit der Ehrendoktorwürde – da hatte ihn die Bundesregierung auch schon in die Programm-Steuergruppe für das Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Kraftfahrzeugabgase“ und in die Expertengruppe „Otto-Kraftstoffe und Kraftfahrzeugabgase“ berufen. 1985 übernimmt Obländer die Leitung des Personenwagen-Versuchs und 1988 der gesamten Personenwagen-Motorenentwicklung. An der Entwicklung des Abgas-Katalysators, den Mercedes-Benz von 1986 an als erster Automobilhersteller serienmäßig anbietet, hat er einen großen Anteil.
Ende Juni 1991 geht Obländer nach 36jähriger Tätigkeit für die Daimler-Benz AG in den Ruhestand. Kurz davor erlebt er noch die Marktpremiere des ersten Zwölfzylindermotors von Mercedes-Benz in einem Pkw. Er beschreibt diese Herausforderung treffend: „Es ist keine Kunst, einen Motor als Dampfhammer mit viel Leistung und Drehmoment zu machen. Ich möchte aber Drehmoment und Leistung, gerade in einem Mercedes-Benz, mit einem gewissen Komfort und einer bestimmten Kultur erleben.“
Obländer bleibt dem Unternehmen als Berater für Umwelt- und Naturschutzfragen noch mehrere Jahre verbunden. Er kümmert sich intensiv um den Dialog zwischen Industrieunternehmen und Naturschutzorganisationen, um ein einvernehmliches Miteinander von Natur und Technik zu erreichen. In dieser selbständigen Tätigkeit findet er „eine zweite berufliche Heimat“, wie er selbst sagt. Auch sind damit endlich zwei seiner großen Interessen vereint, denn der Ingenieurberuf hatte keineswegs Obländers Liebe zur Natur verdrängt. In allen Berufsjahren pflegt er die Vogelkunde als Hobby und erwirbt sich auch hier einen vorzüglichen Ruf als Experte. Viele seiner Naturfotografien werden mit Auszeichnungen bedacht. Obländer ist Gründungsmitglied der Stiftung Europäisches Naturerbe. Im Jahr 2000 erhält er das Bundesverdienstkreuz am Bande für seinen lebenslangen Einsatz für Natur und Umweltschutz. Bereits 1975 äußert er in seiner humorvollen Art, dass er zufrieden ist, wie die Zeitläufte die Weichen für ihn gestellt haben: „Mercedes fahren als Hobby wäre sicher […] teurer als Vögel beobachten.“
Berufliche Stationen:
  • 15. März 1955: Eintritt in die Daimler-Benz AG, Versuchsabteilung Fahrzeugmotoren
  • 1965: Abteilungsleiter der Bereiche Einspritzmotorenentwicklung und Abgasreinigung
  • 1971: Leiter des gesamten Fahrzeugmotorenversuchs
  • 1975: Ehrendoktorwürde der Universität Kaiserslautern für die Verdienste auf dem Gebiet der Entwicklung schadstoffarmer Fahrzeugantriebssysteme
  • 1985: Ernennung zum Direktor in der Pkw-Entwicklung im Werk Untertürkheim Leitung der Pkw-Versuchsabteilung
  • 1988: Leitung der Pkw-Motorenentwicklung
  • 30. Juni 1991: Ruhestand
  • 1. Juli 1991: Berater der Daimler-Benz AG für Umwelt- und Naturschutzfragen
 

Medien

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  • DOB_0461
    Äußerst rüstig: Dr. Kurt Obländer wird am 30. November 2007 80 Jahre alt.
  • D90F2066
    Krönung einer Karriere: 1991 erlebte der von Dr. Kurt Obländer betreute Zwölfzylinder von Mercedes-Benz sein Marktdebüt in der S-Klasse. Im gleichen Jahr geht Obländer in den Ruhestand.
  • DOB_0470
    Äußerst rüstig: Dr. Kurt Obländer wird am 30. November 2007 80 Jahre alt.
  • U16513
    Prachtstück: Dr. Kurt Obländer war in den 1960er Jahren maßgeblich an der Entwicklung des Achtzylinder-Motors für den Mercedes-Benz 600 beteiligt.
  • 80469_26A
    Interviewrunde in den 1980er Jahren: Dr. Kurt Obländer zusammen mit dem ehemaligen Pressechef der Daimler-Benz AG, Günther Molter (rechts).
  • 83369_21
    Rekordfahrt in Nardo über 5000 Kilometer (13. bis 21. August 1983): Hans Werner, Hans Liebold, Kurt Obländer und Erich Waxenberger (von links nach rechts).
  • 87F118
    Erste Bravourleistung des Ingenieurs: Wie kein Zweiter beherrschte Dr. Kurt Obländer die Einstellarbeiten für einen perfekten Lauf am Motor des legendären Flügeltürers Mercedes-Benz 300 SL.
  • 87066_7
    Motorenspezialist von Mercedes-Benz: Dr. Kurt Obländer. Das Foto entstand Mitte der 1980er Jahre.
  • B91F3
    Krönung einer Karriere: 1991 erlebte der von Dr. Kurt Obländer betreute Zwölfzylinder von Mercedes-Benz sein Marktdebüt in der S-Klasse. Im gleichen Jahr geht Obländer in den Ruhestand.
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