Gedenkveranstaltung „70 Jahre Frieden“ in Ludwigsfelde: Auszubildende aus dem Sprinterwerk Ludwigsfelde erinnern an Zeiten der Zwangsarbeit

Ludwigsfelde, 22.04.2015
  • Zehn Auszubildende aus dem Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde stellen Präsentation über die Konzentrationslager Ravensbrück und Genshagen vor
  • Michael Bauer: “Vergangenes darf nicht vergessen werden und besonders für die jüngeren Generationen ist es wichtig, sich mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen.“
Ludwigsfelde – Eine Gedenkveranstaltung ganz im Zeichen des Friedens fand heute in Ludwigsfelde statt: Über 300 Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur gedachten den Opfern von Krieg und Gewalt. Vor 70 Jahren, am 22. April 1945, wurde die Gemeinde Ludwigsfelde vom damaligen Bürgermeister Wilhelm Timm kampflos an die einmarschierenden sowjetischen Truppen übergeben. In Erinnerung an diesen Tag hat die Stadt Ludwigsfelde eine Gedenkveranstaltung initiiert, auf der zehn Auszubildende des Mercedes-Benz Werks Ludwigsfelde einen Vortrag zu „70 Jahre Frieden“ gehalten haben.  Dabei sind die Azubis auf die Geschichte des Frauen-Konzentrationslagers in Ravensbrück und des KZ-Außenlagers in Genshagen eingegangen. Im Mittelpunkt standen dabei die widrigen Lebensumstände der Häftlinge zur NS-Zeit. Gleichzeitig beschäftigten sich die Azubis intensiv mit der Frage „ Warum müssen wir heute noch an dieses Thema erinnern?“.
„Es freut mich zu sehen, mit welch großem Interesse und welcher Ernsthaftigkeit unsere Auszubildenden an dieses schwierige und traurige Thema herangegangen sind“, sagt Michael Bauer, Werkleiter Mercedes-Benz Ludwigsfelde. „Vergangenes darf nicht vergessen werden und besonders für die jüngeren Generationen ist es sehr wichtig, sich mit der NS-Zeit und den damals verübten Verbrechen  auseinanderzusetzen.“
Vorbereitet haben die Auszubildenden ihre Präsentation während eines einwöchigen Workshops im Februar 2015. Zum Auftakt haben die Jugendlichen des ersten und zweiten Ausbildungsjahres das Stadt- und Industriemuseum in Ludwigsfelde besucht. Themenschwerpunkt war dort das KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, worüber anschließend auch im Bildungszentrum des Mercedes-Benz Werks Ludwigsfelde mit den Jugendlichen diskutiert wurde. Die restliche Woche haben die Teilnehmer des Workshops in der Mahn- und Gedenkstätte in Ravensbrück verbracht. Auf der Tagesordnung standen dabei Führungen über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, Einblicke in das Archiv sowie Diskussionen zum Thema Zwangsarbeit in der NS-Zeit.
„Der Workshop war sehr interessant und ich habe in der Woche vor allem eins gelernt: Es geht nicht mehr darum, dass wir uns für das Geschehene verantwortlich fühlen. Viel wichtiger ist, dass wir uns Werte wie Akzeptanz, Toleranz und Freiheit jeden Tag vor Augen halten und diese auch in Zukunft wahren“, betont Caroline Klein, Auszubildende bei Mercedes-Benz Ludwigsfelde und Teilnehmerin des Workshops.
Über das KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen
Um neben dem Werk in Marienfelde zusätzliche Kapazitäten für die Flugmotorenproduktion zu schaffen, wird im Jahr 1936 südlich von Berlin das Daimler-Benz Werk Genshagen gebaut. Ab 1942 wurde das Werk stärker für die Herstellung von militärischen Komponenten für das Heer, die Luftwaffe und die Marine eingesetzt, wofür neue Arbeitskräfte benötigt wurden. Um auf die geforderten Stückzahlen zu kommen wurden zuerst Frauen eingestellt und dann Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern herangezogen. Heute montiert die Daimler AG auf einem Teil des früheren Genshagener Werksgeländes Transporter.
Daimler hat sich intensiv mit der eigenen Geschichte während des Nationalsozialismus beschäftigt und die historische und moralische Verantwortung für die Zwangsarbeit in seinen Betrieben während des Nationalsozialismus übernommen.
Die Geschichte des Unternehmens während der Zeit des Nationalsozialismus wurde umfassend erforscht. Anfang der 80iger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Firmenarchiv für Historiker geöffnet, die sich mit der NS-Diktatur befassen und die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte erarbeitete eine 500-seitige Publikation mit dem Titel „Zwangsarbeit bei Daimler-Benz“. Das Unternehmen engagiert sich u.a. auch in der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die u.a. humanitäre Leistungen für ehemalige Zwangsarbeiter erbrachte.

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