Ex-Rallye-Europameister Walter Schock im Alter von 85 Jahren gestorben

Stuttgart, 21.12.2005
  • Die Motorsportkarriere begann vergleichsweise spät – aber äußerst erfolgreich
  • Die Liste seiner Siege und Auszeichnungen ist lang
Öffentliche Auftritte im Scheinwerferlicht motorsportlicher Siegerehrung waren nicht die Welt von Walter Schock. Er freute sich über jeden seiner vielen Siege und Meistertitel, aber der sportliche Wettkampf am Steuer gegen die Uhr und fahrerische Herausforderungen der Strecke bedeuteten ihm mehr. Wenn man ihn fragte, erzählte er gerne aus seinem ereignisreichen Leben als einer der erfolgreichsten Renn- und Rallye-Fahrer der 1950er und 1960er Jahre.
Am 3. April 1920 in Wangen bei Stuttgart geboren, begann der technisch interessierte Junge – es hätte kaum anders sein können – nach der Schulzeit beim „Daimler“ eine Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker. Seine Leistungen qualifizierten ihn für die Übernahme in die Versuchsabteilung. Obwohl erst 17 Jahre alt, durfte Schock den Führerschein machen und arbeitete als Einfahrer und Versuchsfahrer. Direkt nebenan lag die Rennabteilung, so kam er mit dem Motorsport in Berührung und die Flamme sprang über.
Bevor sich jedoch seine motorsportliche Neigung entfalten konnte, wurde er durch den Zweiten Weltkrieg eingebremst. Statt auf der Rennstrecke fand er sich hinter dem Flugzeug-Steuerknüppel in einem Nachtgeschwader der Luftwaffe wieder. Zweimal wurde er abgeschossen, jedes Mal blieb er unverletzt. Nach Kriegsende kehrte er zunächst zu Daimler-Benz zurück, bevor er in das Geschäft der Familie seiner Frau eintrat, ein Südfrüchte-Import.
Doch sportlich blieb er dem Stern treu. Bei der Rallye „Solitude“ ging er 1954 mit einem Mercedes-Benz 220a (Baureihe W 180 I) erstmals an den Start und gewann zu seiner eigenen Überraschung auf Anhieb eine Goldmedaille. Weitere nationale Siege im gleichen Jahr folgten.
Gleich im folgenden Jahr startete er mit Rolf Moll bei der Rallye Monte Carlo – und holte den dritten Platz der Gesamtwertung. Die Siegesket-te des Jahres 1955 riss nicht ab – und der ambitionierte Privatfahrer wurde Vize-Rallye-Europameister.
In der Saison 1956 „schockte“ er seine Konkurrenten gar mit dem Doppeltitel des Internationalen und Europa-Rallyemeisters. Damit nicht genug, stellte er nicht nur bei Rallyes, sondern auch auf der Rundstrecke sein Talent eindrucksvoll unter Beweis. Im selben Jahr schmückte er sich auch noch mit dem Titel des Deutschen Sportwagenmeisters in der GT-Klasse bis 1300 Kubikzentimeter Hubraum.
Das Jahr 1957 bescherte ihm zwar keinen Meistertitel, dafür konnte er sich aber vom Bundespräsident Theodor Heuss das Silberne Lorbeerblatt für seine besonderen Leistungen im Motorsport ans Revers heften lassen.
1960 war dann der nächste Titel fällig. Diesmal war es die Europa-Tourenwagenmeisterschaft, die er zusammen mit seinem langjährigen Copilot Rolf Moll einfuhr. Dabei konnte er schon zu Saisonbeginn mit Stolz vermerken, dass er zusammen mit Moll das erste deutsche Team war, das die Rallye Monte Carlo gewann. Auch die Plätze Zwei und Drei gingen an von Daimler-Benz unterstützte Teams, an Eugen Böhringer/Hermann Socher und Roland Ott/Eberhard Mahle. Siege bei den Rallyes Polen, Sestrière und Akropolis rundeten die Jahresbilanz ab. Zum Saisonende erhielt Schock den Goldenen Mercedessstern mit Rubin. Die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) überreichte ihm die Große Goldmedaille, der Automobilclub von Deutschland (AvD) ehrte ihn mit dem Goldenen Sportabzeichen mit Eichenlaub.
Die Rundstrecke zog Walter Schock weiter in ihren Bann. Siege bei verschiedenen Rennen auf dem Nürburgring, aber auch beim Großen Straßenpreis von Argentinien markieren den Weg seiner Motorsportkarriere.
Noch 1972, immerhin schon 52 Jahre alt, belegte er in der Seniorenwertung der Rallye Monte Carlo den 2. Platz. Alle Siege seiner ungewöhnlichen Motorsport-Laufbahn hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.
1988 kürte ihn die Stadt Stuttgart zum „ Sportpionier“, und 1992 verlieh ihm die Bundesrepublik Deutschland das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die weitere Liste seiner Auszeichnungen ist lang.
„Ich möchte meine aktive Zeit nicht missen. Sie hat mir nicht nur viele Erfolge gebracht, ich habe auch die Welt kennen gelernt“, resümierte Walter Schock, einmal sein Leben im Freundeskreis.
Seine Verbundenheit mit dem Motorsport bewies er bis ins hohe Alter auch abseits der Renn- und Rallyestrecken. Schon früh hatte er sich in den organisatorischen Dienst „seiner“ Sache gestellt und jahrelang verschiedene Ämter bis hin zum Berufungsrichter der Obersten Nationalen Sportkommission (ONS) für Deutschland begleitet.
Walter Schock starb am 21. Dezember 2005 im Alter von 85 Jahren in Stuttgart.

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Mercedes-Benz Rallyefahrer Walter Schock, geboren am 3. April 1920, gestorben am 21. Dezember 2005.
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