Die Lederhaube: Karosserie für den Kopf

13.
Februar 2020
Stuttgart
  • Schutz vor allem gegen den Fahrtwind
  • Heute ein elegantes Accessoire beim Fahren offener Klassiker früher Epochen
  • „33 Extras“: Exponate der Automobilkultur im Mercedes-Benz Museum

Stuttgart. Was haben Lederhaube, Benzinflasche und Wunderbaum gemeinsam? Es sind drei von „33 Extras“, die in der Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums den Blick auf faszinierende Details der Mobilitätsgeschichte lenken und Automobilkultur lebendig werden lassen. Eine dieser Geschichten widmet sich der eng anliegenden Lederhaube, wie sie Rennfahrer und sportlich ambitionierte Privatleute vor einem Jahrhundert tragen.

3/33: Die Lederhaube

1 – Innovation: Heute mag die Lederhaube ein wenig skurril erscheinen. Aber im frühen 20. Jahrhundert ist sie ein äußeres Merkmal des hohen Innovationstempos der Fahrzeugtechnik und der Kühnheit der Fahrer. Denn durch die rasante Weiterentwicklung des Automobils wächst dessen Höchstgeschwindigkeit kontinuierlich: Maximal 16 km/h sind es beim Benz Patent-Motorwagen aus dem Jahr 1886. 1901 erreicht der Mercedes 35 PS bereits formidable 75 km/h, und die Kopfhaube ist längst ein notwendiger Schutz. 1909 durchbricht schließlich Victor Hémery auf der englischen Brooklands-Bahn mit dem Benz 200 PS Rekordwagen („Blitzen Benz“) erstmals in Europa die Marke von 200 km/h.

2 – Moderne: Neben dem Automobil prägt das Flugzeug die Mobilität der Moderne im frühen 20. Jahrhundert. Von dessen Piloten stammt die Idee für eng anliegende Lederhauben, die gegen Wind und Witterung schützen.

3 – Systemlösung: Die Lederhaube ist ein durchdachtes Ausrüstungselement: Verbreitet ist die Variante mit aufknöpfbarem Ohrenschutz, um nach Bedarf mehr Umweltgeräusche wahrnehmen oder sich stärker abzuschotten zu können – so wie bei der Lederhaube aus den 33 Extras im Mercedes-Benz Museum, die im Raum „Mythos 7: Rennen und Rekorde“ ausgestellt ist. Ergänzt wird sie fast immer durch eine Brille mit Gummizug zum Schutz der Augen.

4 – Offenheit: Die Konjunktur der Haube spiegelt die Geschichte der Automobilkarosserie wider. Denn bis in die 1920er-Jahre hinein sind offene Fahrzeuge weit verbreitet. Erst ab dann wird die geschlossene Karosserie bei privaten Fahrzeugen zum Standard. Die Lederhaube ist damit quasi in der Frühzeit ein kleiner Karosserieersatz, der sich um den Kopf schmiegt. Und die Schutzbrille ist die körpernah getragene Alternative zur Windschutzscheibe.

5 – Stil: Zunächst ist der Hauptzweck der Lederhaube der Schutz gegen Naturgewalten. Aber schnell wird sie ein stilvolles Accessoire des engagierten Automobilisten – als Erkennungsmerkmal des Sportfahrers und „Herrenfahrers“.

6 – Evolution: Die Lederhaube begleitet die ersten Jahrzehnte des Motorsports. Bis Ende der 1930er-Jahre wird sie von Rennfahrern getragen, oder diese nehmen das Pendant aus Baumwolle. Starke Kopfverletzungen kann die Haube bei einem Unfall natürlich nicht verhindern. Und so setzt sich im Motorsport ab den 1950er-Jahren der Helm durch.

7 – Sicherheit: Der Helm wird laufend verbessert. Erst tragen die Rennfahrer eine Halbschale, weiterhin mit Leder oder Baumwollstoff an den Seiten als Ohrenschutz. Dann kommt der Jethelm auf, der die Ohren mit überdeckt. Schließlich wird der Vollvisierhelm zum Standard, der den Kopf vollständig umschließt – inklusive optimierter Passform, ausgefuchstem Luftmanagement für den Piloten und eingebauter Funkanbindung.

8 – Integration: Ende der 1990er-Jahre binden die Konstrukteure den Helm immer stärker in die Gesamtaerodynamik des Rennwagens ein – er wird als Bestandteil des Rennwagens betrachtet. Und das 2003 eingeführte System „Head And Neck Safety“ (HANS) verbindet Helm und Fahrzeug über den Sicherheitsgurt. Das schützt den oberen Bereich der Wirbelsäule bei einem Unfall vor starken Verletzungen.

9 – Komfort: Auch bei offenen Personenwagen von Mercedes-Benz haben zahlreiche Innovationen das Erbe der Lederhaube angetreten. In Roadstern und Cabriolets mit dem Stern bieten Windschott, AIRSCARF oder AIRCAP offenen Fahrgenuss mit hohem Komfort und unabhängig von Wind und Temperatur.

10 – Classic: In der Szene der automobilen Klassik mit ihren faszinierenden Veranstaltungen lebt die Lederhaube weiter. Denn sie gehört oft zum Outfit von Fahrern früher historischer Automobile. Und dann gibt es natürlich die Verwegenen, die auch bei kühleren Außentemperaturen alle Systeme ausschalten und wie ehedem durch die Welt fahren: mit offenem Dach und selbstverständlich mit Lederhaube.

Ansprechpartner

Medien

Zurück

  • D372306
    Motorsport und Kopfschutz: Die Lederhaube aus der Serie „33 Extras“ im Raum „Mythos 7: Rennen und Rekorde“ des Mercedes-Benz Museums erinnert an die Anfänge der Fahrerkleidung.
  • D595470
    Mit modernem Helm im klassischen Silberpfeil: Bernd Schneider. Foto von der Mercedes-Benz Classic Insight „125 Jahre Motorsport“ in Silverstone, April 2019.
  • D587937
    Motorsport und Kopfschutz: Die Lederhaube aus der Serie „33 Extras“ im Raum „Myth os 7: Rennen und Rekorde“ des Mercedes-Benz Museums erinnert an die Anfänge der Fahrerkleidung.
  • D595476
    Hightech-Kopfschutz: Helm von Maro Engel. Foto von der Mercedes-Benz Classic Insight „125 Jahre Motorsport“ in Silverstone, April 2019.
  • D598023
    Klassischer Look fürs historische Fahrzeug: Roland Asch macht sich bereit für eine Fahrt mit einem Mercedes-Simplex. Foto von der Mercedes-Benz Classic Insight „125 Jahre Motorsport“ in Silverstone, April 2019.
  • R224
    Mit einfachem Kopfschutz, wie damals üblich: Christian Lautenschlager mit Beifahrer auf Mercedes 140 PS Grand-Prix-Rennwagen, Sieger beim Großen Preis von Frankreich auf dem Rundkurs bei Dieppe am 7. Juli 1908.
  • R5723
    Mit Halbschalenhelm: Juan Manuel Fangio vor dem Großen Preis der Schweiz in Bremgarten am 22. August 1954 im Gespräch mit Rennleiter Alfred Neubauer.
  • 20256
    Rennfahrerkleidung der frühen Zeit: Der Sieger Christian Lautenschlager (rechts) und sein Mechaniker Meckle nach dem Großen Preis von Frankreich auf dem Rundkurs bei Dieppe am 7. Juli 1908.
Lade...