Prüf- und Technologiezentrum Immendingen (PTZ): Hätten Sie gewusst, dass …

… das Layout des PTZ vom Formel-1-Streckendesigner Hermann Tilke angelegt worden ist? Der rennbegeisterte Bauingenieur hat in den letzten Jahren unter anderen die F1-Kurse in Malaysia, Bahrain, Shanghai, Abu Dhabi, Austin, Sotschi und Baku entworfen.

… ein Unimog U 430 auf der Schlechtweg-Verschmutzungsstrecke für den stets gleich schlechten Zustand des Messfelds sorgt? Vorn hilft ein Erdhobel mit Sprühmittelanlage bei der notwendigen Glättung der Teststrecke. Hinten kann der 300 PS starke Unimog aus der Baureihe Geräteträger mit einem Heckaufreißer allzu sehr verdichtete Streckenabschnitte wieder auflockern.

… Mercedes-Benz im Vorfeld insgesamt 120 potenzielle Standorte für das neue Prüfgelände untersucht hat? Zwölf kamen in die Endauswahl. Im Jahr 2011 fiel die Entscheidung auf Immendingen, seit 1958 Garnisonsstandort. Bis zu 2.000 Soldaten sowie zivile Mitarbeiter leisteten in Spitzenzeiten als Teil der Deutsch-Französischen Brigade und des Bundeswehrdienstleistungszentrums ihren Dienst in der Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne in Immendingen.

… Südkorea an die Schweiz grenzt? Im Zuge des Streckenlayouts sind in Immendingen solche ungewöhnlichen geografischen Nachbarschaften entstanden. Denn um beispielsweise testen zu können, wie gut die Kameras des Fahrzeugs mit unterschiedlichen Fahrbahnmarkierungen oder Ausführungen von Leitplanken zurecht kommen, sind diese in den einzelnen Abschnitten länderspezifisch ausgeführt.

… die Zufahrtsstraßen zu den Prüfmodulen und weitere Strecken auf dem Gelände links und rechts unterschiedlich asphaltiert sind? In der Regel ist die Fahrbahn auf der einen Seite in gutem Zustand, während die Gegenspur künstlich mit Schlaglöchern und vielen anderen, oft landestypischen Straßenwidrigkeiten präpariert ist.

… das Prüf- und Technologiezentrum Immendingen offiziell ein Betriebsteil des weltgrößten Daimler Forschungs- und Entwicklungsstandorts Sindelfingen ist? Darauf haben sich Betriebsrat und Unternehmen verständigt. Damit ist sichergestellt, dass Immendingen als konzerneigener Daimler Standort betrieben wird.

der sogenannte Heidedauerlauf schon lange nicht mehr in der Lüneburger Heide stattfindet? Die Heide-Dauererprobung von Mercedes-Benz hat eine mehr als 60-jährige Geschichte. Sie begann in den 1950er-Jahren auf besonders schlechten Landstraßen in der Lüneburger Heide. Später erhielten Schlechtwegeparcours auf Versuchsstrecken in Untertürkheim und Sindelfingen diesen Namen. Denn sie wurden maßstabsgenau der Marterstraße aus der Heide nachgebaut. Ebenso werden Prüfstände mit den bei solchen Tests gespeicherten Daten gesteuert. Künftig findet diese Dauererprobung ebenfalls in Immendingen statt.

… die Steilkurven im Ovalrundkurs in der obersten, dritten Spur mit einer Freihandgeschwindigkeit von 160 (Südkurve) bzw. 135 km/h (Nordkurve) befahren werden können? Dann nämlich treten keine Seitenkräfte am Reifen auf, und das Fahrzeug bleibt auch ohne Lenkimpuls im Kurvenverlauf. Der Fahrer wird dabei mit einem Mehrfachen seines Körpergewichts in den Sitz gepresst.

… künftig fahrerlose Mercedes-Benz Arocs den Schnee auf dem PTZ räumen werden? Der automatisierte Winterdiensteinsatz erfolgt im Verbund. Ausgestattet sind die Arocs Testfahrzeuge mit dem Remote Truck Interface (RTI), einer Schnittstelle im Fahrzeug, mit der Fahrzeugfunktionen fernbedient und Daten ausgetauscht werden können. Über das RTI sind alle Fahrzeuge mittels telematischer Systeme voll vernetzt, fahren automatisiert und können im Fahrzeugverbund sowohl führen als auch folgen.

lärmemittierende Prüfstrecken so platziert wurden, dass natürliche Geräuschbarrieren gegenüber der Wohnbebauung Immendingen bestehen? So schirmen zum Beispiel die Wälle der Steilkurven des Schnellbahn-Ovals den Handlingkurs akustisch ab – quietschende Reifen bei der Erprobung leistungsstarker Fahrzeuge können so Anwohner nicht belästigen.

… bis zu 90 Prozent der weltweiten Fahrzeug-Dauerläufe künftig im PTZ stattfinden können? Durch die Höhenlage (800 m über N.N.[1]) wird genügend Eis und Schnee erwartet, um auch die Wintererprobung in Schweden/Finnland zurückfahren zu können.

… ein Regentropfen, der auf das Testgelände fällt, sowohl im Atlantik als auch im Schwarzen Meer landen kann? Wasser, das bei anhaltendem Starkregen aus den Auffangbecken des PTZ abgeleitet wird, fließt in die vom Gelände aus sichtbare Donau und damit ins Schwarze Meer. An durchschnittlich 155 Tagen im Jahr allerdings versinkt das Wasser des Flusses bei Immendingen in so genannten Schlucklöchern im karstigen Untergrund und fließt unterirdisch zwölf Kilometer weit in den Aachtopf. Die Aach gehört zum Gewässersystem des Rheins, der in die Nordsee mündet.

[1] Normalnull: festgelegte Höhe, auf die sich die Höhenmessungen beziehen

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