Das neue Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS): Ein Meilenstein der Sicherheitsentwicklung

Sindelfingen. Mit dem neuen Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS) eröffnet Mercedes-Benz in Sindelfingen das modernste Crashtest-Zentrum der Welt. Das neue Gebäude mit seinen zahlreichen Prüfeinrichtungen bietet ganz neue Möglichkeiten, etwa bei Fahrzeug-Fahrzeug-Tests, bei der Auslegung von Assistenzsystemen und PRE-SAFE® und bei der Absicherung von Fahrzeugkonzepten mit alternativen Antrieben. Unter anderem durch das Technologiezentrum bleibt Mercedes-Benz auch in Zukunft bei der Fahrzeugsicherheit Taktgeber der globalen Autoindustrie. Die Investitionssumme beläuft sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

„In den letzten Jahren haben wir das Mercedes-Benz Technology Center in Sindelfingen umfangreich ausgebaut: Nach Fahrsimulator, Windkanälen und Antriebsintegrationszentrum ist seit kurzem das Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit in Betrieb“, sagt Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars. „Das zeigt einmal mehr: In Sindelfingen schlägt das Herz der Automobilindustrie. Und damit das so bleibt, stärkt Mercedes-Benz mit diesen Zukunftsinvestitionen den Hightech-Standort Deutschland und sichert die Technologie- und Innovationsführerschaft im Premium-Segment.“

Prof. Dr. Thomas Weber, Vorstandsmitglied der Daimler AG für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, ergänzt: „Mit dem neuen Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit setzt Mercedes-Benz ein weiteres deutliches Zeichen zur Sicherung seines Markenkernwertes ‚Sicherheit‘ und des Innovationsstandortes Deutschland. Die enge Verzahnung von Forschung, Entwicklung, Planung und Produktion am Standort Sindelfingen sorgt dabei für noch mehr Effizienz und Innovationsgeschwindigkeit.“

Auch in Zeiten intelligenter Assistenzsysteme und mit der Perspektive des autonomen Fahrens bleibt die Passive Sicherheit, also die Minderung von Unfallfolgen für die Fahrzeuginsassen, eine zentrale Aufgabe der Fahrzeugentwicklung. Dafür sorgen nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch die Tatsache, dass noch auf Jahrzehnte hinaus Fahrzeuge verschiedener Generationen gemeinsam auf den Straßen unterwegs sein werden. „Als Sicherheitspionier hat Mercedes-Benz entscheidend dazu beigetragen, dass Crashtests in der Automobilindustrie heute weltweit etabliert sind“, sagt Thomas Merker, Direktor für Karosserie und Sicherheit Mercedes-Benz Cars Entwicklung. „Auch im Zeitalter der Computersimulation bleiben sie unverzichtbar und stellen das hohe Niveau an Insassen- und Partnerschutz unserer Fahrzeuge sicher.“

Neue Testmöglichkeiten für die Schrittmacherfunktion von Mercedes-Benz

Das flexible, effiziente Crashbahnkonzept im neuen Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit bietet nicht nur die Möglichkeit klassischer Crashtests, sondern schafft auch die Voraussetzungen für ganz neue Versuchsanordnungen: Fahrzeug-Fahrzeug-Kollisionen (Car2Car) unter allen Winkeln, die Evaluierung von PRE‑SAFE®, automatisiert gefahrene Manöver mit anschließendem Crash, Crashtests mit Lkw. Insgesamt sind rund 70 verschiedene Crashtest-Konfigurationen möglich. Hinzu kommen das Schlittenprüffeld zur Erprobung von Komponenten und neue Methoden zur Vermessung der Fahrzeuge vor und nach dem Crash.

Das Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit bietet ausreichende Platzverhältnisse für die zukünftigen Anforderungen, so misst die längste Crashbahn über 200 m. Insgesamt sind fünf Crashblöcke vorhanden, wovon einer im Raum flexibel verfahrbar und ein weiterer um die Hochachse drehbar ist. Diese beiden Crashblöcke sind für den effizienten Betrieb an jeder der vier Seiten mit einer anderen Barriere vorkonfiguriert. Zusammen mit einem mobilen Trennwandsystem ermöglicht die Anlage den gleichzeitigen und unabhängigen Betrieb von bis zu vier Crashbahnen. Dank des neuen Betriebskonzepts und des flexiblen Anlagenlayouts können im Jahr rund 900 Crashtests durchgeführt werden. Hinzu kommen etwa 1.700 Schlittenversuche pro Jahr.

Schon immer hat Mercedes-Benz mehr und anspruchsvollere Crashtests durchgeführt, als es Gesetze vorschreiben und Ratings erfordern. Die vielfältigen Testmöglichkeiten im neuen TFS unterstützen Mercedes-Benz bei dieser Schrittmacherfunktion. Hinzu kommt: In den nächsten Jahren werden in den wichtigen Automärkten der Welt neue Vorschriften wirksam. Mercedes-Benz arbeitet daran, den Ablauf von Unfällen noch realistischer im Crashtest darzustellen und auch die PRE-SAFE® Systeme in die Versuchsdurchführung einzubinden. Außerdem gilt das Ziel, Unfälle durch den Einsatz von Assistenzsystemen in der Schwere zu reduzieren oder möglicherweise ganz zu vermeiden.

„Mit den Testmöglichkeiten im neuen TFS decken wir nicht nur heutige Gesetzes- und Ratinganforderungen ab, sondern sind auch für die Zukunft gerüstet“, unterstreicht Prof. Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg, Leiter Fahrzeugsicherheit Mercedes-Benz Cars. „Das gilt einerseits für zukünftige Crashtest-Konfigurationen und andererseits für neue Fahrzeuge beispielsweise mit alternativen Antrieben oder mit neuartigen Assistenzsystemen. Auch was in der Vorunfallphase abläuft, können wir genauestens analysieren und so unsere PRE-SAFE®- und Assistenzsysteme noch leistungsfähiger machen.“

Der Neubau: Extrem ebener Boden als Herausforderung

Der Neubau des Technologiezentrums Fahrzeugsicherheit (TFS) war ein aufwendiges Bauprojekt und kostete einen dreistelligen Millionenbetrag. Erste Vorplanungen begannen bereits vor über zehn Jahren, der Baubeginn war im Herbst 2013, Richtfest wurde am 12. Mai 2015 gefeiert, der erste produktive Crashtest wurde am 30. September 2016 durchgeführt.

Die Herausforderungen bestanden unter anderem darin, dass in der großen Crashtesthalle keine Säulen stehen durften und der Boden der Crashbahnen extrem eben sein sollte. Zu den baulichen Besonderheiten zählt ebenso die Temperierung mit Hilfe der Abwärme der benachbarten Klimawindkanäle.

Die Dimensionen und der Materialeinsatz beim Bau des TFS sind beeindruckend: Der stützenfrei überdachte Teil der Crashhalle ist mit 90 Metern mal 90 Metern deutlich größer als die Fläche eines Fußballplatzes. Verbaut wurden insgesamt über 7.000 Tonnen Stahl. Und der Einsatz von insgesamt 36.000 m³ Beton lässt sich illustrieren mit einer rund 40 Kilometer langen Schlange von Betonmischer-Fahrzeugen.

Mehr als 200 Meter misst die längste Anlaufbahn von Crashblock zu Crashblock. Für die exakte Durchführung der Versuche ist eine extreme Ebenheit des Bodens erforderlich. In einem Streifen von ±4 Meter um die Mitte der Crashbahnen beträgt die Toleranz ±2 mm/m, auf die gesamte Bahnlänge sind es ±5 mm/100 m. Die Bodenplatte ruht auf ca. 500 Betonsäulen, die bis zu 18 m tief in den Boden reichen. Sie wird ähnlich einer Fußbodenheizung temperiert, um die geforderte Temperaturkonstanz in der Halle sicherzustellen.

Crashtests seit 57 Jahren: Sicherheitspionier Mercedes-Benz

Am 10. September 1959 findet der erste Crashtest in der Geschichte von Mercedes-Benz statt – auf einer Freifläche in der Nachbarschaft des Werkes Sindelfingen. Ein Versuchswagen wird frontal gegen ein festes Hindernis gesteuert. Damit tritt die Sicherheitsforschung der Marke in eine neue Ära ein. Denn nun lässt sich das Verhalten von Fahrzeugen und Insassen bei Autounfällen anhand der Testwagen und Versuchspuppen genauer untersuchen. Bei diesen Arbeiten setzt Mercedes-Benz in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder Standards, die branchenweit Gültigkeit haben und somit die Fahrzeugsicherheit zum Wohle aller Verkehrsteilnehmer nachhaltig verbessern.

Bleibt es in den ersten Jahren noch bei wenigen Unfallversuchen, etabliert sich das Verfahren seit den 1960er Jahren zunehmend als zuverlässiges Werkzeug zur Prüfung und Verbesserung der Fahrzeugsicherheit. Neben Personenwagen werden bei Mercedes-Benz auch Transporter und Nutzfahrzeuge bis hin zum Reisebus gründlichen Crashtests unterzogen. Die erste Crashanlage unter einem Dach weiht Mercedes-Benz im Jahr 1973 ein.

Bei den Unfallversuchen geht Mercedes-Benz immer über die Zahl und den Aufwand der gesetzlich vorgeschriebenen Tests hinaus: Zum aktuellen Entwicklungsprogramm eines neuen Modells bis zur Serienreife gehören zirka 15.000 wirklichkeitsgetreue Crashtest-Simulationen und über 150 Crashtests. Dazu zählen außer den über 40 verschiedenen Aufprallkonfigurationen, die für Ratings und die weltweite Zulassung eines Fahrzeugs vorgeschrieben sind, auch besonders anspruchsvolle Crashversuche, die das Unternehmen ergänzend durchführt, wie zum Beispiel der Dachfalltest.

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