Die Cranbrook Academy of Art entstand durch die konstruktive Zusammenarbeit des Detroiter Zeitungsbarons und Mäzens George Gough Booth mit dem finnischen Architekten und Designer Eliel Saarinen, der eine wichtige Rolle in dieser Geschichte über die Entwicklung der modernen Kunst in Amerika spielt.
Beide waren inspiriert von den Vorstellungen des Arts and Crafts Movement, einer Bewegung, die Mitte des 19. Jahrhunderts in England begann und bald nach Amerika überschwappte. Die Ideale der Bewegung sprachen George Booth sowohl in ästhetischer als auch moralischer Hinsicht an. Er hoffte, dass ihr Einfluss die geschmacklose Massenware aus amerikanischen Haushalten verbannen würde. Seiner Überzeugung nach schuf man mit Hilfe der Handwerkskunst nicht nur hochwertigere Produkte, sondern gleichzeitig auch die Grundlage für ein ethisch verantwortungsvolles Leben. Cranbrook sollte diese Ideen fördern. 1904 kauften George Gough und seine Frau Ellen Scripps Booth das Grundstück, das Cranbrook werden sollte.
Ihre ersten Jahre in Cranbrook verbrachten die Booths damit, die Grünanlagen zu gestalten und ihr Familienanwesen zu bauen, das Albert Kahn entworfen hatte. Nachdem das geschafft war, steckten sie einen immer größeren Teil ihres Kapitals in Gebäude, die für einen öffentlichen Zweck bestimmt waren. 1922 reiste die Familie nach Europa, wo sie die Amerikanische Akademie in Rom besuchte. Die Qualität und Intensität des Studienprogramms beeindruckten sie sehr. Daher beschlossen sie, in Cranbrook eine ähnliche Einrichtung aufzubauen: eine Schule, um Künstler auszubilden; ein Atelier, dessen Erzeugnisse das Umfeld der Amerikaner verschönern und verbessern sollten; und eine Gemeinschaft, in der Kunst ein fester Bestandteil des täglichen Lebens sein würde. Tatsächlich liegen die Wurzeln der Kunstakademie Cranbrook in der Rückbesinnung auf das Kunsthandwerk im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie entwickelte sich zu einer der besten und bekanntesten Schulen für Kunst, Design und Architektur in Amerika.
Auf Anregung seines Sohnes Henry wandte sich George Booth mit seiner Idee an Eliel Saarinen. Booth erkannte, dass der finnische Architekt, der zu dieser Zeit eine Gastprofessur für Architekturdesign an der Universität Michigan innehatte, viele der Qualitäten besaß, nach denen er suchte. Zunächst arbeitete Saarinen als Berater beim Entwurf des Gebäudes mit, in dem das Architekturbüro Cranbrook untergebracht werden sollte. Außerdem entwarf er die Pläne für die Knabenschule.
Da Booth mit beiden Projekten mehr als zufrieden war, lud er Saarinen ein, nach Cranbrook zu ziehen und den Entwurf des gesamten Campuskomplexes zu leiten. Die Knabenschule wurde 1928 fertig gestellt. Unmittelbar danach entstanden Ateliers und Werkstätten sowie Wohnheime und andere Zusatzbauten für die Kunstakademie. 1929 machte sich Saarinen an die Zeichnungen für die Kingswood-Mädchenschule. Mit Booths Unterstützung engagierte er Kunsthandwerker, die bereits an anderen Cranbrook-Projekten mitgewirkt hatten, und Familienangehörige, um Stoffe, Möbel und andere Dekorationsgegenstände für die Schule herzustellen. Kingswood wurde 1931 eröffnet. Saarinen renovierte und erweiterte auch das Gebäude, in dem das Cranbrook Institute of Science untergebracht war. Die naturwissenschaftliche Fakultät wurde bald zur beliebtesten und bekanntesten Einrichtung Cranbrooks. 1932 bis1933 führte Saarinen die Arbeit am ursprünglichen Gebäude zu Ende, das von George Booth selbst entworfen worden war.
Ab den späten zwanziger Jahren fand bereits formlos Kunstunterricht in Cranbrook statt. 1932 wurde die Kunstakademie offiziell eröffnet und Saarinen zu ihrem ersten Rektor ernannt. Die Weltwirtschaftskrise führte dazu, dass die Werkstätten und Ateliers geschlossen werden mussten. Ende der dreißiger Jahre erholte sich die Wirtschaft jedoch, was den Bau eines Kunstmuseums und einer Bibliothek bei der Akademie ermöglichte. Das Museum und die Kunstbibliothek, die 1942 fertig gestellt wurden, sollten Saarinens letztes großes Projekt in Cranbrook sein. Ein Jahr später konnten Absolventen an der Akademie auch einen Hochschulabschluss erwerben.
Gegenwärtig bietet die Akademie Abschlüsse in bildender Kunst und Architektur an, den Master of Fine Arts und den Master of Architecture. Sie soll bewusst klein gehalten werden, daher werden jährlich nur etwa 150 Studenten aus dem In- und Ausland zum Graduiertenstudium zugelassen. Die intime Atmosphäre bietet Studenten, Dozenten und Gastkünstlern den Vorteil einer engen und kreativen Zusammenarbeit. Wie Saarinen 1932 sagte, ist die Akademie eine „Arbeitsstätte für kreative Kunst” – eine Gemeinde von Künstlern und Studenten, in der Lernen und Kreativität gedeihen und durch die Beschäftigung mit aktuellen Fragestellungen in Kunst, Architektur und Design gefördert werden. Die Arbeiten und der Einfluss der Künstler und Absolventen aus Cranbrook haben nationale und internationale Anerkennung erfahren.
Das Cranbrook Art Museum, das einen integralen Bestandteil der Ausbildung und der öffentlichen Bildungsprogramme der Akademie darstellt, entstand vor 75 Jahren. Zunächst diente es als Aufbewahrungsort für die private Kunstsammlung des Gründers und Mäzens George Booth. Heute ist es das größte Museum in Michigan, das ausschließlich moderne und zeitgenössische Kunst ausstellt. Die Sammlungen enthalten herausragende Werke des 20. und 21. Jahrhunderts aus den Bereichen Kunst, Architektur, Kunsthandwerk und Design. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Geschichte der Cranbrook Academy of Art und den Neuerungen und Künstlern, die sie hervorgebracht hat. Zur Ausstellung gehört auch das restaurierte Saarinen-Haus, ein Meisterwerk des Art déco, und die Sammlung von Dr. John und Rose M. Shuey mit Werken von Warhol, de Kooning, Lichtenstein und anderen bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mit seinen breit angelegten Bildungsprogrammen, seinen Dauer- und Sonderausstellungen, Sammlungen und Forschungseinrichtungen spricht das Museum sowohl die Studenten der Akademie als auch ein bunt gemischtes Publikum an und macht ihnen neue künstlerische Ausdrucksformen und Ideen der visuellen Kultur zugänglich.
Die Kunstakademie und das Kunstmuseum, die Schulen und das Institute of Science machen Cranbrook zu einem international angesehenen Zentrum für Kunst, Bildung, Wissenschaft und Kultur. Es ist eine Gemeinschaft, wie sie sich ihre Gründer vorgestellt hatten. Der 1,29 km² große Campus ist ein offizielles Nationaldenkmal und eine architektonische und landschaftsgärtnerische Perle. Alle Institutionen Cranbrooks zählen zu den besten ihrer Art und genießen einen hervorragen Ruf.