Die beiden Presiträger des Emerging Artist Awards 2007, Dharmesh Patel und Marty McElveen, wurden für ihr Gemeinschaftsprojekt “Systematic Surface” ausgezeichnet. Das Werk ist ihre Abschlussarbeit im Fachbereich Architektur der Cranbrook Academy of Art und besteht aus den drei architektonischen Objekten „Bench”, „Passage Way” und „Polygonal Facets”.
Mit der dreiteiligen Arbeit stellten sich Dharmesh Patel und Marty McElveen einer großen Herausforderung. Ihre Installationen wurde Teil des 128 Hektar großen Geländes der „Cranbrook Gounds”, angelegt von Eliel Saarinen. Der finnische Architekt bekam 1920, von dem Detroiter Visionär und Zeitungsverleger George W. Booth, den Auftrag das Gelände für die „Educational Community” anzulegen. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Gebäude durch die Architekten Dan Hoffman, Steven Holl, Rafael Moneo, Peter Rose, Tod Williams und Billie Tsien hinzugefügt und erweitert.
Die drei Pavillons „Bench”, „Passage Way” und „Polygonal Facets” von Dharmesh Patel und Marty McElveen sind eine Hommage an den Gesamtentwurf des Architekten Eliel Saarinen. In seinem „Master Plan” hat er das Gelände durch großzügige Blickachsen gegliedert, um auf die Schönheit der Natur und der angelegten Gärten aufmerksam zu machen. Dharmesh Patel und Marty McElveen griffen das Konzept auf. Die Pavillons, auf einige 100m Entfernung voneinander positioniert, laden den Betrachter zum Verweilen ein. Sie lenken den Blick und verdeutlichen die schönen „Vistas”. Die drei Standorte stellen eine Verbindung zueinander her und vernetzen das Gelände.
Das Objekt „Bench” befindet sich eingebettet in die organische Umgebung des Waldes. Form und Farbe passen sich in die natürliche Kulisse ein, während Material und Konstruktion an Architektur erinnern. Nimmt man Platz auf dem großen Kissen, verschiebt sich der Betrachterstandpunkt, von Augenhöhe auf Bodenhöhe. Das Emporstreben der Bäume auf der einen Seite und das Gefühl der Erdverbundenheit auf der anderen Seite unterstreichen die ungewöhnliche Perspektive. Die Natur hinterläßt ihren tiefen Eindruck. Der Raum unter den Baumkronen betont den Bezug zur Natur. Die Frage wie Raum erzeugt wird, wie er wahrgenommen wird und wie er letztendlich empfunden wird, ist von fortwährender Bedeutung.
„ Passage Way” wird von Dharmesh Patel und Marty McElveen als „Landschaftsfilter” betitelt. Der nach oben zusammenlaufende Pavillon, erinnert an ein lichtdurchflutetes Baumhaus. Er steht am Ufer eines großen, künstlich angelegten Sees und wirkt wie ein Tor oder eine Schleuse. Die Blicke, die gebündelt und in Richtung der weiteren Stationen gelenkt werden, brechen durch die Öffnungen der Holzkonstruktion. In umgekehrter Weise dringen Licht und Luft nur „gefiltert” in das Innere des Pavillons. „Passage Way” ordnet die Eindrücke. Seine permeablen Wände bieten Schutz und Geborgenheit. Der Betrachter kann einen Moment verweilen und sich besinnen.
„ Polygonal Facets” ist das dritte Objekt in der Reihe. Hier wird der Betrachterblick nicht gebündelt und gelenkt, sondern aufgefächert und zerstreut. Der Betrachterstandpunkt wird vervielfältigt. Das Objekt spiegelt Fragmente seines Umfelds wieder und setzt sie neu zusammen. Perspektive und Erdanziehung verschwinden. Die verschiedenen Betrachtungsebenen ermöglichen unterschiedliche Anknüpfungspunkte an Realität und Illusion.
Der Glaube an den Schaffensprozess, die Kraft des Handwerks und das kreative Potential des Experiments treiben Dharmesh Patel und Marty McElveen voran. Die Durchdringung von Handwerk und Technologie stehen im Vordergrund. Das Objekt ist immer der Gegenstand der Betrachtung. In ihrer Arbeit verbinden die beiden Architekten die Idee der Reindividualisierung des Designs durch individualisierte Herstellungsprozesse und innovative Herstellungsverfahren. Sie stellen sich und ihre Anschauung in Opposition zu Monotonie und Massenproduktion. Durch die Nutzung der technischen Möglichkeiten prägen sie den Zeitgeist und umgekehrt.