Stuttgart – Für die Produktion der neuen Vierzylinder-Dieselgeneration hat Mercedes-Benz eigene Fabrikgebäude erweitert und modernste Produktionsprozesse installiert. Die Nähe zur Entwicklung und die intensive Zusammenarbeit ermöglichten eine Optimierung bei der Gestaltung der Anlagen und Produktionsprozesse. Pro Jahr wird Mercedes-Benz mehr als eine halbe Million Motoren bauen, die mit den besten Leistungs-, Verbrauchs- und Abgaswerten ihrer Hubraumklasse glänzen. Die Vierzylinder werden komplett in Deutschland im Mercedes-Benz Powertrain-Produktionsverbund gefertigt – in Untertürkheim entsteht der Rumpfmotor, in Kölleda/Thüringen findet die Fertigmontage statt. Komponenten werden aus weiteren Powertrain-Standorten in Deutschland geliefert. Mercedes-Benz hat in neue Anlagen und Techniken für die Produktion der neuen Dieselgeneration insgesamt rund eine halbe Milliarde Euro investiert.
Höchste Effizienz durch modernste Technik – dieses ehrgeizige Ziel haben
sich sowohl die Motorentwickler als auch die Produktionsexperten für die neue Generation der Vierzylinder-Dieselmotoren gesteckt. Mit 150 kW/204 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment besetzt das 2,2-Liter-Triebwerk in seinem Segment die Spitzenstellung. Das Premierenmodell C 250 CDIBlueEFFICIENCY Prime Edition beschleunigt von null auf 100 km/h in 7,0 Sekunden, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und verbraucht 5,2 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer (CO2-Ausstoß 138 g/km). Für die Produktion der neuen Triebwerkgeneration hat Mercedes-Benz neue Produktionstechniken entwickelt, die hohe Flexibilität mit Präzision und Qualität auf höchstem Niveau verbindet.
Produktionsgerechtes Motordesign von Anfang an
Eine optimale Produktionsstrategie ist nur durch intensive Zusammenarbeit zwischen der Entwicklung, den Produktionsbereichen und den Bauteile-Lieferanten möglich. Rund 1.000 Maßnahmen wurden in Workshops gemeinsam erarbeitet und mit den Kollegen aus der Entwicklung umgesetzt. Dabei ging es unter anderem um die Materialbearbeitung in einem optimal strukturierten Prozess und die Verbesserung der Ergonomie an den Arbeitsplätzen. Ein Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit ist die Vermeidung von Blind- und Überkopfarbeiten in der Motorenmontage. Ein weiteres Beispiel: Der Motor hat Sichtfenster und -laschen, damit auf einen Blick zu sehen ist, ob Dichtungen korrekt montiert worden sind. Alle Montageschritte wurden überdies im Vorfeld in einer sogenannten Anlauffabrik auf Herz und Nieren getestet.
Für die Fertigung des Motors wurde am Standort investiert
Der Motor wird ausschließlich im deutschen Powertrain-Produktionsverbund von Mercedes-Benz gebaut. In Untertürkheim werden das Kurbelgehäuse, die Kurbelwelle, der Zylinderkopf, die Pleuel und die Kraftstoffkomponenten hergestellt sowie der Rumpfmotor montiert. In Berlin werden die Ölpumpe und die Nockenwellen gefertigt. Bei der MDC Power GmbH, einer hundertprozentigen Tochter-gesellschaft der Daimler AG im thüringischen Kölleda, erfolgt die Fertigmontage, das Prüfen sowie der Versand der Aggregate in die Fahrzeugwerke.
Für die Fertigung der kraftvollen und gleichzeitig sparsamen CDI-Triebwerke hat Mercedes-Benz in Untertürkheim eigene Produktionseinrichtungen installiert. Dazu wurde ein neuer, zweigeschossiger Anbau an die bestehenden Produktionsbauten errichtet. Der Neubau steht auf massiven Stahlbetonstützen und -trägern, die bis zu 120 Tonnen schwer sind. Die Investitionssumme für dieses Gebäude belief sich alleine auf zirka 20 Millionen Euro.
In dem Neubau mit rund 17.000 Quadratmeter Fläche werden Kurbelgehäuse und Zylinderköpfe mechanisch bearbeitet und die Zylinderköpfe montiert. Logistisch ist der Gebäudekomplex optimal an die Rumpfmontage des Triebwerks angebunden, die im gegenüberliegenden Gebäude auf vorhandenen Flächen aufgebaut wurde.
Für die Produktion der neuen Motorengeneration hat Mercedes-Benz außer in Untertürkheim auch bei der MDC Power GmbH in Kölleda investiert. Hier wurde für die Fertigmontage eine neue Montagehalle errichtet. Ab Herbst 2008 werden innerhalb des Powertrain-Verbundes pro Jahr mehr als eine halbe Million Exemplare der neuen Hightech-Triebwerke vom Band laufen.
Modulare Produktionsanlagen für hohe Flexibilität
Die Produktionsanlangen für die neuen Vierzylinder-Diesel sind in den einzelnen Gewerken überwiegend modular, das heißt für flexible Ausbaustufen aufgebaut. Beispielsweise wurde zunächst für das Kurbelgehäuse eine Produktionslinie mit einer Kapazität von 250.000 Stück pro Jahr (ausbaufähig auf höhere Stückzahlen) installiert. Sechs Monate später folgte parallel dazu eine zweite exakt gleiche Produktionslinie – der Zeitversatz erlaubte es, Erfahrungen aus dem Aufbau der ersten Produktionslinie zu nutzen. Vorteile der „lessons learned“ (gewonnenen Erkenntnisse): große Stückzahlenflexibilität sowie bedarfsorientierte Nutzung.
In-house entwickelte, neue Produktionstechniken
Innovative Maschinenkonzepte für die Produktion der neuen Vierzylinder-Dieselmotoren-Generation machen Mercedes-Benz zum Vorreiter bei neuen Fertigungstechniken. Bei der Pleuelbearbeitung bewegen sich beispielsweise nicht mehr die Werkzeuge zum Werkstück, sondern der Werkstückträger bringt in einem Arbeitsgang jeweils vier Pleuel zum fest installierten Werkzeug.
Auch beim Transfer der Werkstücke flossen neue Ideen ein. Die Fertigungsspezialisten von Mercedes-Benz entwickelten ein neues Arbeitsprinzip, bei dem Roboter mit einfachen und robusten Greifern die Zylinderköpfe nach dem Ansatz „pick and place“ montieren – sie holen sich ihr Werkstück und reichen es nach der Montage zum nächsten Bearbeitungsschritt weiter. Weil auf diese Weise einzelne Stationen nicht mehr logistisch miteinander verkettet werden müssen, sondern Roboter auch den Transport der Teile übernehmen, ist eine sehr kompakte Bauweise der Montagelinie möglich. Ein großer Teil der bei einer konventionellen Verkettung erforderlichen Fläche konnte dadurch eingespart werden.
Ausgefeilte Produktionslogistik
Für die reibungslose Montage sorgt eine ausgefeilte Logistik. Kurbelwellengehäuse sowie Zylinderkopf stehen immer genau zum jeweils erforderlichen Zeitpunkt der Montage zur Verfügung (just in time); ebenso werden großvolumige Bauteile über eine sequenzielle Zuführung bereitgestellt. Kleinere Bauteile sind in Setkästen direkt am Werkstückträger griffgünstig bereitgestellt. Nach der Montage des Rumpfmotors im Werk Untertürkheim wird das Aggregat zur Fertigmontage sowie für den Versand in die Fahrzeugwerke nach Kölleda transportiert. Hier ist innerhalb der letzten sechs Monate eine 18.000 Quadratmeter große Montagehalle sowie ein rund 16.000 Quadratmeter großes Lieferanten-Logistik-Zentrum entstanden.
Moderne Prüftechnik für Qualität auf höchstem Niveau
Die Fertigung folgt dem Ziel der gleichbleibenden Qualität auf höchstem Niveau. Dafür nutzen die Produktionsfachleute die modernsten Methoden zur lückenlosen Qualitätssicherung. Dazu zählen beispielsweise hochsensible Kamerastationen, die vielen Arbeitsgängen nachgeschaltet sind. Auch wenn die Konzentration der Mitarbeiter einmal nachlassen sollte, prüfen die automatischen Kameras, ob alle Montageschritte genau nach der Vorgabe ausgeführt wurden, und schlagen notfalls Alarm, damit sofort korrigiert werden kann.
Die Arbeitsergebnisse der automatischen Station werden ebenfalls akribisch geprüft und alle Daten der Montageprozesse werden generell in einer Produktlebenslauf-Akte (PLA) über mehrere Jahrzehnte festgehalten.
Zu den einzelnen Prüfprozessen gehören unter anderem:
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Kolbenspritzprüfung: Kameras überwachen die geometrische Kontur der Ölspritzdüsen, um stets eine optimale Kühlung der Kolben zu gewährleisten.
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Überwachung der Drehmomente und Drehwinkel von Verschraubungen bei der Montage von Kolben und Zylinderkopf durch elektronische Schrauber.
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Öl- und Wasserraum werden nach der Montage des Rumpfmotors mit Pressluft auf Dichtheit geprüft.
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Kalttest: Mechanik, Öldruck, Luftströme und Dichtheit des kompletten Motors werden im Kalttest am Ende der Montagelinie durch den Einsatz von modernster Technik geprüft. Jeder Motor erfährt diese Prüfung, bevor er in
den Versand abgegeben wird.
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Akustiktest: Im Akustiktest wird der Körperschall des Motors mit einem Laser-Vibrometer gemessen.
Bei den Qualitätsprüfungen begnügen sich die Fachleute nicht mit Stichproben, sondern jeder einzelne Motor muss sämtliche Tests absolvieren. So ist sichergestellt, dass jedes der Aggregate die hohen Qualitätsanforderungen erfüllt. Dank dieser innovativen Produktionsmethoden nimmt die neue Generation der Vierzylinder-Dieselmotoren nicht nur in Leistung, Verbrauch und Emissionen eine Spitzenstellung ein, sondern ist auch hinsichtlich Fertigung und Qualität vorbildlich.
Integrierter Umweltschutz
Seit 2005 setzt das Werk Untertürkheim auch bei seiner Motorenproduktion auf das bereits prämierte Prinzip der Trockenbearbeitung. Bei der Minimalmengenschmierung werden geringste Mengen Schmiermittel mit Kaltluft vermischt und statt der üblichen Kühl-Schmierstoffe verwendet. Die Technologie war abteilungsübergreifend in Untertürkheim entwickelt worden, unterstützt von externen
Spezialisten von Universitäten und Zulieferern. Nach Pilotversuchen, die bereits seit 1997 durchgeführt wurden, setzte das Projektteam 2001 das Verfahren in der Produktion von Radträgern ein. Nach und nach konnte der Gemischtstrahl in weiteren Fertigungsbereichen eingeführt werden und die Funktion der Kühl-Schmiermittel fast vollständig ersetzen.
Früher waren bei der Bearbeitung von komplexen Bauteilen wie Kurbelwellen
oder Zylinderköpfen enorme Mengen Kühl-Schmiermittel erforderlich, die auf Erdölbasis hergestellt sind und eine energie- und kostenintensive Wiederaufbereitung erfordern. Anhand dieses neuen Verfahrens kann die Schmiermittelmenge drastisch reduziert werden. Die bei der Trockenbearbeitung verwendete Menge liegt im Promillebereich der sonst benötigten Schmierstoffe. Dies schont wertvolle Ressourcen und trägt außerdem zur Arbeitssicherheit bei. Ein weiterer Vorteil: Die Trockenbearbeitung braucht deutlich weniger Produktionsfläche, da aufwendige Recycling- und Kühlanlagen nicht mehr notwendig sind.
Das Verfahren stellt einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit dar und wurde 2005 mit dem „Environmental Leader-ship Award“ ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von dem United Nations Environment Programme (UNEP) und der Daimler AG vergeben.