Das ESF 2009 ist das erste Experimental-Sicherheits-Fahrzeug von Mercedes-Benz seit 1974. Wie seine historischen Vorgänger fasst es wegweisende Innovationen auf dem Gebiet der Sicherheit anschaulich zusammen und macht den Fortschritt so erlebbar. Die Integration aller Ideen und ihre anschauliche Umsetzung war eine ungewöhnliche Herausforderung für das Team der Versuchsfahrzeug-Werkstatt.
Der Startschuss für den Bau des ESF fiel im Oktober 2008, und die Entscheidung wurde in der Versuchswerkstatt mit großem Enthusiasmus aufgenommen: „Sicherheit sichtbar zu machen – für diese interessante Aufgabe hatte ich schnell eine hochqualifizierte Mannschaft zusammen“, erinnert sich Axel Wittig, der Teamleiter der Gesamtwerkstatt. Die Komplexität des Auftrags reizte, denn es galt, nicht nur die zahlreichen Innovationen in eine S-Klasse vom Typ S 400 HYBRID zu integrieren, sondern diese gleichzeitig in einem Demonstrationsmodus funktionsfähig zu machen und außerdem durch acht Sichtfenster in Haube, Stoßfänger und Türen einen Blick hinter die Kulissen der Technik zu ermöglichen.
Das Werkstatt-Kernteam für das ESF 2009, angeführt vom Koordinator und Kümmerer Hans Peter Hiller, bestand aus drei Modellbauern und zwei Elektrikern. Unterstützt wurde es von Jürgen Arnold, der das Electrical Engineering übernahm, und Konstrukteur Matthias Rissmann, der zum Beispiel die Karosserieschnitte für die Sichtfenster vorbereitete. Der ambitionierte Zeitplan konnte aber nur eingehalten werden, weil zahllose interne (von der Polsterei im Design bis zur Fertigungstechnik) und externe Zulieferer schnell und unbürokratisch mit anpackten. „Die hohe Begeisterung für die Mercedes-Kernkompetenz Sicherheit war jederzeit spürbar“, erinnert sich Projektleiter Michael Fehring: „Der ‚Daimler-Spirit’ sorgte für schnelle Entscheidungen ohne große Abstimmungsumwege.“ Auch die Faszination der Technik spielte eine wichtige Rolle. Einmal einen Blick in einen Radarsensor zu werfen, der aufgeschnitten in den Frontstoßfänger integriert wurde und sonst nur als „Black Box“ zugeliefert wird, lockte manchen mit dem Projekt nicht befassten Ingenieur in die Werkstattbox des ESF 2009.
Die Komplexität des Vorhabens, 13 Sicherheits-Innovationen in die Hybrid-Version der S-Klasse zu integrieren, die zum Beginn der Arbeiten nur als Prototyp existierte, wird schon daran deutlich, dass ein komplett neuer Kabelstrang entworfen und gebaut werden musste. Kern der Demonstrationstechnik ist ein zweigeteilter Druckluft-Tank im Gepäckraum mit Kompressor und externer Stromversorgung, der die Airbags und die Luftkammern von PRE-SAFE® Pulse und Interseat Protection mit Luft versorgt. I-Tüpfelchen des ESF 2009 ist eine zentrale Fernsteuerung für alle Demo-Abläufe.
Am Ende der Arbeiten standen schließlich zwei Experimentalfahrzeuge in der speziellen ESF-Farbgebung, wozu auch schwarz lackierte Chromteile und reflektierende Türdichtungen und Reifen gehören: Das eigentliche ESF 2009 und ein äußerlich identischer Bruder, der für Fahr- und Fotozwecke eingesetzt werden kann.