Die Historie der Mercedes-Benz Konzeptfahrzeuge
Stuttgart
22.08.2011
Das kompakte Auto neu definiert: Vision A 93 und Studie A
Fakten
  • Fahrzeug 1: Vision A 93
  • Vorstellung: Herbst 1993
  • Ort: Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), Frankfurt am Main
  • Fahrzeug 2: Studie A
  • Vorstellung: März 1994
  • Ort: Automobil-Salon Genf
  • Zielsetzung: Kompaktwagen mit neuartigem Raum- und
  • Sicherheitskonzept
  • Antrieb: 1) Viertakt-Ottomotor mit 3 Zylindern, 1,2 Liter Hubraum,
    55 kW(75 PS), Frontantrieb, stufenloses CVT-Getriebe 2) Dieselmotor mit 3 Zylindern, 1,2 Liter Hubraum,
    44 kW(60 PS), Frontantrieb, stufenloses CVT-Getriebe 3) Elektrischer Asynchronmotor mit 40 kW (54 PS)
Technische Highlights
  • Sandwich-Boden,
    Serieneinführung 1998 in der A-Klasse (W 168)
  • ARTHUR (Automatic Radiocom Communication System for Traffic Emergency Situations on Highways and Urban Roads), Serieneinführung 1998 bei Mercedes-Benz unter dem Namen TELEAID (Telematic Alarm Identification on Demand, Fernnotruf-Erkennung auf Verlangen) in der Mercedes-Benz S-Klasse (W 220)
  • Navigationssystem,
    Serieneinführung 1995 in der Mercedes-Benz S-Klasse (W 140)
  • Dreizylindermotoren, Serieneinführung 1998 im smart City Coupé (späterer Name: smart fortwo)
  • Aluminium-Karosserie
„Neue Auto-Ideen braucht das Land“ – unter dieser Überschrift tritt Mercedes-Benz auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt 1993 mit einem für die Marke vollkommen ungewöhn­li­chen Fahrzeugkonzept an die Öffentlichkeit. Die Vision A 93 gehört in die Klasse der kompakten Autos und hat Frontantrieb. Mercedes-Benz sagt deutlich, dass so eine seiner künftigen Fahrzeug­klassen aussehen könne. Sofort beginnt die Diskussion: Kann das ein wahrer Mercedes-Benz sein? Die Besucher der Messe werden um ihre Meinung gebeten, die ungewöhnlich positiv ausfällt. Rund 80 Prozent befürworten einen kleinen Mercedes-Benz in der Art der Vision A 93. Im Jahr 1994 kommt die umbenannte und in Nuancen überarbeitete Studie A auf den Automobil-Salon Genf, und wieder applaudiert das Publikum. Die amerikanische Zeitschrift „Motor Week“ verleiht der Studie A sogar den Titel „Best Concept Car 1994“. Da ist die Vorstandsentscheidung für eine Serienproduktion schon längst gefallen. Die A-Klasse kommt 1998 auf den Markt und ist, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, zu einer wahren Erfolgsstory
für das Unternehmen geworden. Sie findet ihre Fortsetzung im Nachfolger der Baureihe W 169, der 2004 debütiert.
Die Vision A 93 ist die konsequente Weiterentwicklung des Konzept­wagens „Nahverkehrs-Fahrzeug“ (NAFA) von 1982 sowie des Forschungsfahrzeugs F 100 aus dem Jahr 1991 und bringt zahlreiche neue Auto-Ideen in die Branche. Kein Wunder: Die postulierten Entwicklungsziele der Vision A 93 geben den Ingenieuren fast die Quadratur des Kreises zur Aufgabe. Im Lastenheft stehen: attraktives Design, subkompakte Außenabmessungen, großzügiges Platzangebot im Innenraum, hoher Nutzwert und hohe Variabilität, höchste Rundum-Sicherheit, wie bei Mercedes-Benz üblich, schadstoffarme und besonders verbrauchsarme Motoren sowie die Möglichkeit, alternative Antriebskonzepte zu verwirklichen. Diese Ziele werden alle erreicht. Damit gebührt der Vision A 93 respektive dem Serienmodell A-Klasse der Rang, ein wichtiger Impulsgeber für die Kompaktwagen zu sein. Denn seit ihrem Erscheinen hat sich diese Fahrzeugkategorie kräftig durchmischt und spiegelt einen stark geänderten Markt wider. „Die Vision A 93 ist eine Studie, die den Begriff Kompaktwagen neu definiert“, prognostiziert der damalige Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert bei der Präsentation des Fahrzeugs. „Sie liefert den Beweis, dass es möglich ist, die traditionellen Mercedes-Qualitäten wie Sicherheit, Komfort und Zuverlässigkeit auch auf ein deutlich kleineres Automobil zu übertragen und damit die Mobilität in Ballungsräumen auch in Zukunft zu sichern.“ Und Dr. Dieter Zetsche, das damals für die Pkw-Entwicklung zuständige Vorstandsmitglied, ergänzt: „Mit der Vision A 93 beginnt eine neue Ära der Automobilentwicklung. Als erster Fahrzeughersteller stellt Mercedes-Benz eine seriennahe fahrbereite Kompaktwagenstudie vor, die den Widerspruch zwischen kürzester Gesamtlänge und höchstem Sicherheitsniveau auflöst. Ein derartiges Gesamtkonzept macht es möglich, beide Eigenschaften in einem Automobil zu vereinen, das zudem die typischen Mercedes-Qualitäten bietet.“
Ungewöhnliche Aufgaben erfordern ungewöhnliche Lösungen. Kompakt soll die Vision A 93 sein, dennoch einen großen Innenraum bieten: Der Kunstgriff der Ingenieure lautet „Sandwich-Boden“. Denn in der Vision A 93 sitzen die Passagiere nicht hinter Motor und Getriebe – beides wird als kompakte Einheit größtenteils unter ihnen installiert. Das Konzept kommt ganz einem großen Innenraum zugute. Der Abstand zwischen Fahrer oder Beifahrer und den Fond-Insassen beträgt 82,5 Zentimeter, ein Wert, den sonst nur Modelle der gehobenen Mittelklasse erreichen, wie die Presse-Information betont. Dabei misst das Konzeptfahrzeug gerade mal 3,35 Meter in der Länge; die A-Klasse der Großserie ist in der zunächst vorgestellten kurzen Version zwar länger, kommt aber auch nur auf gut 3,60 Meter. Ein weiterer Nebeneffekt des Sandwich-Bodens ist eine hohe Sitzposition, die wegen der besseren Übersicht dem Sicherheits­gefühl zugute kommt.
Stichwort Sicherheit: Die hohen Maßstäbe von Mercedes-Benz gelten selbstverständlich für die Vision A 93. Wieder hilft der Sandwich-Boden, denn in ihn gleitet die Antriebseinheit bei einem Frontaufprall und dringt so nicht in die Fahrgastzelle – ideal bei einem Fahrzeug mit kurzem Vorbau und entsprechend kurzer Knautschzone. Die übrige Crashsicherheit entspricht dem Mercedes-Benz Standard. Fullsize-Airbags für Fahrer und Beifahrer, Gurtstraffer, voluminöse Seitenaufprallpolster in den Türen sowie ein integrierter Kindersitz im Fond gehören zur weiteren Sicherheits­ausstattung.
Das Design der Vision A 93 stellt die Fachleute der Mercedes-Benz Abteilung Advanced Design vor eine ganz besondere kreative Herausforderung, denn die ungewöhnlichen Proportionen – kurz und hoch – bilden an sich keine idealen Voraussetzungen für ein optisch harmonisches Gesamtkonzept. Zudem gilt es, ein kleines Automobil zu entwerfen, das keinesfalls klein aussieht. Das Fahrzeug beweist, dass solche stilistischen Hindernisse nicht unüberwindbar sind. Des Rätsels Lösung ist eine Karosserie, die optisch aus einem Stück besteht und mit einer weit nach vorne verlagerten Frontscheibe, einem hohen Dach und einem ebenen Boden der Form moderner Großraumlimousinen ähnelt. Der kurze Vorbau des Wagens ist geschickt in das Gesamtkonzept integriert.
Der ehemalige Mercedes-Chef Designer Bruno Sacco beschreibt die Aufgabe: „Die neuartige Konzeption eines Mercedes-Benz mit besonders kompakten Außenabmessungen, hoch liegender Rahmen-Bodenanlage und gleichzeitig großzügigem Interieur erzeugt prinzipbedingt eine außergewöhnliche Fahrzeugproportion. Mit großen Fensterflächen und einer tiefer liegenden Bordkante haben wir es erreicht, die Proportionen so zu verändern, dass die Vision A auf den ersten Blick größer wirkt, als sie es tatsächlich ist. Signifikante und Mercedes-typische Merkmale machen aus der Vision A mehr als nur ein kompaktes Fahrzeug. Sie vermitteln zugleich Sicherheit, Eleganz und Solidität. Dadurch und durch seine innovative Technik wird die Vision A zum echten Mercedes-Benz. Das Designkonzept folgt keinen modischen Trends, sondern es wird Impulse für die Gestaltung zukünftiger Generationen von Automobilen für den Stadt- und Kurzstreckenverkehr geben.“
Viel Wert beim Entwurf der Vision A 93 wird auf Ökologie gelegt. Das äußert sich beispielsweise in der Antriebskonzeption. Drei Versionen gibt es. Auf geringen Treibstoffverbrauch und höchste Schadstoffarmut ausgelegt sind ein Diesel-Direkteinspritzer (44 kW/60 PS) und ein Benzinmotor (55 kW/75 PS), beide mit 1,2 Liter Hubraum, verteilt auf drei Zylinder. Die Motoren sind mit einem stufenlosen CVT-Getriebe kombiniert (Continuously Variable Transmission), was auch dem Verbrauch zugute kommt. Darüber hinaus präsentiert Mercedes-Benz die Vision A 93 als Elektrofahrzeug mit einem Asynchronmotor (40 kW/54 PS), dessen Batterie im Stadtverkehr für 150 Kilometer ausreicht. An dieser Stelle sei ein Punkt aus dem Lastenheft in Erinnerung gerufen: die Eignung des Fahrzeugs für alternative Antriebskonzepte. Von 1997 an wird die A-Klasse für die Erprobung der Brennstoffzelle bei Mercedes-Benz genutzt – auch daran wurde bereits bei der Konzeption der Vision A 93 gedacht, wie ein entsprechender Hinweis in der ursprünglichen Pressemappe belegt. Dem Ökologie-Gedanken folgen zudem Naturmaterialien im Innenraum wie Flachs oder Wolle sowie neuartige Werkstoffe, denen schon bei der Konstruktion eine spätere Wiederverwertung mit auf den Weg gegeben ist.
Die Vision A 93 dient auch der Erprobung des Werkstoffs Aluminium. Ihre Karosserie besteht komplett aus dem Leichtmetall mit einer Struktur aus hochfesten Strangpressprofilen. Dadurch bringt die Karosserie rund 70 Kilogramm weniger auf die Waage als ein vergleichbarer Aufbau aus Stahlblech. Die Vision A mit Benzinmotor wiegt nur 715 Kilogramm (Diesel: 735 Kilogramm) und auch die Elektro-Variante ist trotz der zusätzlichen Batterie-Last mit insgesamt rund 1.000 Kilogramm kein Schwergewicht.
Der Weg von der Studie in die Serie dauert nicht lang, wie das Beispiel Vision A und A-Klasse belegt. Zudem sind sie der rollende Beweis dafür, dass ungewöhnliche Fahrzeugkonzepte immer ihren Platz im Markt finden, wenn sie durchdacht und auf die Zukunft ausgerichtet sind.
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
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