Ein Meister der SL-Gestaltung: Bruno Sacco
Stuttgart
28.03.2012
Geboren: 12. November 1933 in Udine/Italien
Bruno Sacco und Mercedes-Benz SL, das ist eine ganz besondere Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Denn in der Person Saccos verdichten sich über den Typ 300 SL (Baureihe W 198, 1954 bis 1957) und die SL-Baureihe R 129 (1989 bis 2001) Vergangenheit und zeitweilige Gegenwart der SL-Historie wie in keiner anderen Persönlichkeit bei Mercedes-Benz.
Bruno Sacco ist von 1958 bis 1999 für die damalige Daimler-Benz AG tätig, zuletzt seit 1975 und bis zum seinem Wechsel in den Ruhestand als Chefdesigner der Marke Mercedes-Benz. Während seiner Tätigkeit folgt er stets einem Grundsatz: „Ich bin nicht Designer bei Mercedes-Benz, weil ich ‚L’Art pour l’art‘ für meine Devise halte, die Kunst um der Kunst willen, sondern weil ich auch möchte, dass die Autos, die ich zu verantworten habe, erfolgreich verkauft werden.“ Sacco hat das Erscheinungsbild von Mercedes-Benz während seiner 41-jährigen Tätigkeit wie bisher kein Zweiter geprägt.
Sacco kommt über Karl Wilfert zu Mercedes-Benz, den er in Turin kennenlernt. Wilfert, damals Leiter der Entwicklung Aufbauten und damit verantwortlich für Karosseriebau und Design, lädt ihn Ende 1957 ins Werk Sindelfingen ein – und stellt den jungen engagierten Designer wenig später ein. Sacco tritt am 13. Januar 1958 bei Daimler-Benz in Sindelfingen seine Stelle als zweiter Stilist an – nach Paul Bracq, der 1957 als erster Stilist eingestellt worden ist. Es soll seine Lebensstellung sein. Das anfängliche Monatsgehalt beträgt 650 DM.
Saccos Liebe zu Automobilen wird von Fahrzeugen geweckt, die der französische Designer Raymond Loewy gestaltet hat. Denn beispielsweise im April 1951 besucht Sacco in Turin die dortige Automobilausstellung – er ist elektrisiert und fasziniert von Loewys Kreation des dort ausgestellten Studebaker Starlight. Einige Zeit später begegnet ihm der Studebaker wieder. Denn unter anderem mit diesem pendeln amerikanische Soldaten zwischen der Hafenstadt Triest und dem besetzten Österreich und passieren dabei die Grenze bei Tarvis, der Stadt, in der Sacco damals mit seiner Familie lebt. Der von Loewy gestaltete Studebaker ist eine Bewegungsskulptur mit stilistischen Anklängen an Flugzeuge, verbunden mit futuristischen Anleihen. Sacco ist so fasziniert von diesem Automobil, dass die Begegnung die Weichen für seine weitere Zukunft stellt. Nachdem Sacco 1951 seine Prüfung als jüngster Geometer Italiens in Udine abgeschlossen hat, zieht die Familie 1952 nach Turin.
Turin ist damals ein Schmelztiegel neuer Designideen, die über den großen Teich aus den USA nach Europa kommen und sich dort mit italienischem Formgefühl und Eleganz zu neuen Kreationen verbinden. Pinin Farina, Nuccio Bertone, Gigi Michelotti oder Carozzeria Ghia sind neben den Automobilherstellern Fiat und Lancia die Propheten neuen Automobil-Designs der 1950er-Jahre. Sacco, fasziniert von der Kreativität in der Welt der Automobilformen, entdeckt schnell die Anziehungskraft der Designateliers und wird dort zu einem häufigen Besucher. Ab Ende 1955 kann er bei Ghia Erfahrungen in der Modellherstellung sammeln – zu einer Zeit, als dort unter anderem auf Chrysler-Basis der fantastische Traumwagen Gilda entsteht oder auch der Karmann-Ghia auf Volkswagen-Basis. Sacco arbeitet mit Kapazitäten wie Giovanni Savonuzzi oder Sergio Sartorelli zusammen und profitiert von deren Erfahrung. Er hat, auch aufgrund seiner schon damals vorhandenen Kenntnis der deutschen Sprache, bereits Kontakte zu Karmann geknüpft, als es zum bereits beschriebenen folgenreichen Kontakt mit Karl Wilfert kommt.
Während seiner Zeit bei Daimler-Benz ist Bruno Sacco eng mit dem Thema SL verbunden, von Beginn seiner Tätigkeit an. Denn der Mercedes-Benz 300 SL übt auf ihn eine besondere Faszination aus. Die ist so groß, dass er Mitte der 1960er-Jahre den im Februar 1954 in New York präsentierten 300 SL (W 198) mit der Fahrgestellnummer 0001 besitzt und fährt. Doch der Focus seiner Tätigkeit in der Gestaltung der Marke ist naturgemäß breit angelegt. Als Sacco 1975 die Leitung des Designbereichs übernimmt, hat er inzwischen nicht nur die Sindelfinger Projektleitung der beiden ersten C-111-Typen inne gehabt, sondern auch die der Experimental-Sicherheits-Fahrzeuge (ESF). Dabei erkennt er, dass er als Projektmanager und nicht als Designer denken und handeln muss, um seine Kreationen in die Serienproduktion zu bringen.
Die SL der Baureihen W 198 und R 129 prägen ihn besonders. Den Unterschied und Fortschritt zwischen beiden formuliert er einmal mit folgenden Sätzen: „Die 35 Jahre, die das Erscheinen dieser beiden so verschiedenen, aber dennoch ähnliche Emotionen hervorrufende Gesellen trennen, könnte nicht besser durch andere ‚Paarungen‘ der Automobilgeschichte dokumentiert werden. Wenn ich an die Muskelkraft denke, die beim Fahren des Flügeltürers eingesetzt werden musste, wenn ich über die kontinuierliche Notwendigkeit nachdenke, das bockige Fahrverhalten dieses Biests unter Kontrolle zu halten (zu versuchen!), wie entspannend, ja spielerisch gibt sich dazu der Neue. Es ist naheliegend, dass auch ich zu den begeisterten SL-Fahrern gehöre, und das schon viele Jahre. Dabei fällt mir nicht nur beiläufig auf (es ist förmlich spürbar), dass auch offene Wagen sicher sein können. Und auch ohne fülligen Haarwuchs weiß ich die Wirkung der pfiffigen Idee unserer Ingenieure des Windschotts zu schätzen.“
Der Gestaltung des SL der Baureihe R 129, der 1989 debütiert, widmet Sacco sich mit besonderem Engagement. Der SL ist eines der überzeugendsten Produkte seiner Tätigkeit, ein Meisterstück ausgewogener Proportionen mit einem besonderen Anspruch an eine dynamische Erscheinung, eine Skulptur automobiler Stilistik, die es nicht häufig gibt. Hier kommt Bruno Saccos sicheres und feines Stil- und Formempfinden zum Tragen. Die Baureihe R 129 ist nicht das einzige Fahrzeug seiner Ära, das dies verkörpert, aber es ist sein überzeugendstes.
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