Patent Nr. DBP 854 157, Lebensretter für Tausende
Stuttgart
23.01.2009
  • Der Vordenker: Béla Barényi und die Erfindung der Knautschzone
  • Gestaltfeste Fahrgastzelle, entschärft und gepolstert:
    Mercedes-Benz 220/220 S/220 SE von 1959
  • Béla Barényis Morgengabe: „Terracruiser“ und andere Meilensteine
Am 23. Januar 1951 meldet die Daimler-Benz AG ein Patent an. Hinter dem schmucklosen Namen „Kraftfahrzeuge, insbesondere zur Beförderung von Personen“, verbirgt sich die Erfindung der Knautschzone. Ein Patent, das in den folgenden Jahrzehnten den Karosseriebau der gesamten Automobilindustrie revolutioniert und zum bestimmenden Faktor der „Passiven Sicherheit“ wird. In neuerer Zeit sogar beim Lokomotiv- und Waggonbau der Eisenbahn.
Genialer Vordenker dieser Idee ist Béla Barényi, dem die seinerzeit geltende Maxime „Ein sicheres Auto muss stabil und nicht labil sein“ überhaupt nicht passt. Er erkennt als erster, dass kinetische Energie bei einem Aufprall durch Verformung abgebaut werden muss, um die Insassen zu schützen. Folgerichtig teilt er den Wagenkörper in drei „Boxen“ ein: weicher Vorbau, gestaltfeste Fahrgastzelle, weiches Heck. Am 28. August 1952 wird das Patent Nr. DBP 854 157 erteilt.
Gestaltfeste Fahrgastzelle, entschärft und gepolstert
Die weltweit ersten Serien-Pkw, in denen Barényis Sicherheitskarosserie realisiert wird, sind die neuen Sechszylindermodelle Mercedes-Benz 220, 220 S und 220 SE von 1959, die vor allem durch ihre markanten Heckflossen auffallen. Auch unter der Haube Revolution: Das Lenkgetriebe wandert weit nach hinten, und Nebenaggregate sind so angeordnet, dass sie im Falle eines Falles keinen „Block“ bilden, sondern aneinander vorbeirutschen, alles frei nach der Formel „Besser knautschen". Das besonders Auffällige an diesem Mercedes-Benz ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen: der erstmals vollständig „entrümpelte“ Innenraum. Statt harter und scharfer Bedienelemente hat er versenkte Türgriffe und eine stoßnachgiebige Armaturenanlage, die Fensterleisten, Fensterkurbeln, Armlehnen und Sonnenblenden sind gepolstert, das Lenkrad ist mit einer großflächigen Prallplatte ausgestattet. Bei heftiger Berührung löst sich der Innenspiegel aus seiner Halterung. 1961 bekommt die „Heckflosse“ serienmäßig Verankerungspunkte für Sicherheitsgurte. Beckengurte sind ab 1957 lieferbar, die ersten Schrägschultergurte ab1962. Und erstmals tauchen bei diesem Automobil Rundschulterreifen auf.
Béla Barényis Morgengabe: „Terracruiser“ und andere Meilensteine
Im Oktober 1948 unterschreibt der Ingenieur und Erfinder Béla Barényi seinen neuerlichen Anstellungsvertrag mit der Daimler-Benz AG, der er von 1939 bis 1946 schon einmal angehört hatte. In diese Verbindung bringt er ein über mehrere Jahre entwickeltes Konzept für einen „Wagen der Zukunft der 2–3 Liter Klasse“ ein, den „Terracruiser“, wie er ihn nennt.
Hervorstechend auf den ersten Blick ist an diesem Entwurf die Dreiteilung des Fahrzeugkörpers in Bug, Fahrgastzelle, Heck. Streng voneinander getrennt, mit der in einer „Wiegelagerung“ elastisch aufgehängten Fahrgastzelle. Diese Lagerung soll einerseits Vibrationen von den Fahrgästen fern halten, zum anderen aber auch im Falle einer Kollision Schutz bieten. Und noch eins: Um den Fahrer bei einem seitlichen Crash möglichst gut zu schützen, ist der Fahrersitz einschließlich aller Instrumente und Bedienungselemente in der Mitte angeordnet, in einer komplexen „Kommandobrücke“. Der Terracruiser ist nach dem Prinzip der Ponton-Karosserie gestaltet, und seine Form äußerst windschlüpfrig.
In seinem Erfinderleben hat Barényi neben dem Terracruiser und weiteren Versuchsfahrzeugen noch eine ganze Reihe wegweisender Sicherheitselemente entwickelt. Darunter so wesentliche wie die Sicherheitslenksäule, den Lenkradpralltopf, den „Verschwindscheibenwischer“ und den für die Sicherheit im Fahrzeuginneren so wichtigen Flankenschutz. Erst heute aktuell ist sein schon früh entwickeltes Prinzip der Modul-Bauweise. Am Ende seines Schaffens nennt der rastlose Béla Barényi rund 2500 Patente sein Eigen.
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