Pressemappe: Brooklands – eine ruhmreiche Rennstrecke
Stuttgart
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08.10.2009
Die Luftfahrt- und Flugzeuggeschichte in Brooklands
Brooklands ist nicht nur die Mutter aller Auto- und Motorradrennstrecken, es ist auch die Wiege der britischen Luftfahrt. Gleich im ersten Jahr des Bestehens beginnt auch die Luftfahrtgeschichte. Es ist zunächst freilich nur eine kleine Episode: Eines Tages taucht ein Monsieur Bellamy aus Frankreich auf, der nicht nur einen Falken und einen kleinen Hund mitbringt, sondern auch einen Flugapparat, mit dem er vorgibt, in Modena/Italien 457 Meter (500 Yard) geflogen zu sein. Locke-King, stets aufgeschlossen für Neues, zeigt sich großzügig und gibt ihm 100 Pfund für Ausgaben, lässt ein Areal platt walzen – fertig ist die erste Start- und Landebahn in Brooklands. Monsieur Bellamy besteigt seine Flugmaschine, die er zunächst auf zwei Kähne montiert hatte, um auf dem See die Propeller auszuprobieren. In die Luft geht das Gerät allerdings nie, und der Franzose verschwindet so rasch wie er aufgetaucht ist.
Dennoch hat die Luftfahrt Brooklands seitdem nicht losgelassen. 1907 unternimmt Alliot Verdon Roe dort die ersten Versuche mit seinen Flugmaschinen, die später unter dem Firmennamen Avro bekannt werden. Die regelrechte Luftfahrtgeschichte in Brooklands beginnt mit dem Ersten Weltkrieg. Noch bevor der Staat das Gelände requiriert, stellt Locke-King es bei Kriegsbeginn 1914 der Landesverteidigung zur Verfügung, und es entsteht das erste Aerodrom des Landes. Verschiedene Flugzeuge werden hier ausprobiert, Brooklands kann getrost als wichtigster Ort der Flugzeugfertigung während des Ersten Weltkriegs bezeichnet werden. 1915 siedelt sich das erste Unternehmen der Luftfahrtgeschichte an: Vickers Ltd. baut eine Flugzeugfertigung auf. Dazu werden Hangars hochgezogen, direkt entlang der Rennstrecke. Die großen weißen Lettern „Vickers Ltd. – Brooklands“ auf den Hangarrückwänden sind auf vielen späteren Rennfotos zu sehen. Diese „Wand“ offenbart bei den Autorennen nach dem Ersten Weltkrieg übrigens die Tücken der Aerodynamik: Die Fahrer müssen mit dem entstehenden Sog bei der schnellen Vorbeifahrt zurechtkommen.
Militärische und zivile Luftfahrt
Bis zum Zweiten Weltkrieg ist die Landebahn auch der zivilen Luftfahrt gewidmet. Nachdem es die erste Flugschule dort bereits 1910 gab, werden weitere eröffnet. Rundflüge werden angeboten, der Brooklands Flying Club gegründet. Weitere Flugzeughersteller siedeln sich an.
Während des Zweiten Weltkriegs sind die beiden Flugzeughersteller Vickers-Armstrong und Hawker Alleinnutzer des gesamten Geländes, um militärisches Fluggerät zu bauen. Dazu wird die vorhandene Startbahn ausgebaut und die Fertigung ausgeweitet. Verschiedene Baumaßnahmen und Bombenschäden greifen tief in die Rennstrecke ein – sie wird nach dem Weltkrieg nicht mehr für Autorennen genutzt werden.
Bei Vickers-Armstrong entsteht während des Zweiten Weltkriegs auch die „Boucing Bomb“, eine Spezialbombe zur Zerstörung von Staudämmen, die auf der Wasseroberfläche bis zum Damm springt, dort herabsinkt und in der Tiefe des Wassers zündet. Am 16. Mai 1943 bricht die britische Luftwaffe damit die Möhnetalsperre in Deutschland auf. Aus einer Bresche von 77 Meter Breite und
22 Meter Tiefe ergießen sich mehr als 110 Millionen Kubikmeter Wasser ins Tal. Mehr als 1000 Menschen kommen um; die Industrie hingegen wird nicht so stark beeinträchtigt, wie von den Engländern geplant. Wegen der hohen Opferzahl in der Zivilbevölkerung wird das Projekt „Bouncing Bomb“ eingestellt.
1946 kauft Vickers-Armstrong das Gelände für 330 000 Pfund, und Brooklands behält seine Stellung als führender Ort der Flugzeugfertigung in Großbritannien. Die Vickers Viking aus dem Jahr 1945 ist das erste Flugzeug einer erfolgreichen Familie großer ziviler und militärischer Flugzeuge. Beispielsweise entstehen die Düsenflugzeuge Valiant und VC10. Vickers-Armstrong erweitert seine Fertigungshallen über die Jahre beträchtlich, sie gehen an die spätere British Aerospace über. Die Fertigung und damit die Fabrik werden 1987 geschlossen.
Die sehenswerte Luftfahrt-Bilanz von Brooklands: Neben allen Aktivitäten siedeln sich über die Jahre bekannte Unternehmen an, beispielsweise BAC, Bleriot, British Aerospace, Hawker, Sopwith und Vickers-Armstrong. Etwa 18 000 Flugzeuge in 250 verschiedenen Typen wurden dort gefertigt und sind in Brooklands erstmalig geflogen.
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