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Insgesamt entstehen sechs Benz 200 PS Rekordwagen
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Mercedes-Benz Classic unterstützt 2004 den Bau einer hochwertigen Replica
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Bei einigen Rennen treten einige der Wagen auch gegeneinander an
Neben dem Wagen, der in Brooklands und Daytona Beach die international beachteten Rekorde einfährt, entstehen Anfang des 20. Jahrhunderts fünf weitere Fahrzeuge des Typs Benz 200 PS.
Der zweite Benz 200 PS entsteht in Mannheim, kurz nachdem man das erste Rekordfahrzeug nach Amerika verschickt hat: Im Januar 1910 wird der 21,5-Liter-Motor Nr. 6257 in ein Chassis mit Grand-Prix-Aufbau eingebaut. Markant ist der dreieckige Aufsatztank am Heck. Mit diesem Wagen geht Fritz Erle am 2. Oktober 1910 beim Sprintrennen von Gaillon/Frankreich an den Start, siegt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 156,5 km/h überlegen in der Rennwagenklasse ohne Begrenzung und setzt gleichzeitig einen neuen Rekord. Gleich nach der Rückkehr lässt Erle Verbesserungen am Auto anbringen: Beispielsweise wird die Karosserie am Cockpit höher gezogen, um den Fahrer besser zu schützen, es werden Speichenräder mit Zentralverschluss montiert, die Rahmenausläufer werden verkleidet und die beiden Sitze parallel angeordnet.
Für dieses Auto existiert eine zweite, aerodynamisch günstigere Karosserie im Stil des „Blitzen-Benz“. Sie kann alternativ zum Grand-Prix-Aufbau auf das Chassis montiert werden. Erle setzt den Wagen in den Jahren 1911 und 1912 bei verschiedenen Rennen ein, mal mit der einen, mal mit der anderen Karosserie, doch vom erhofften Wirkungsunterschied ist er nicht überzeugt. Auch dieser zweite Benz 200 PS gelangt nach Amerika – unklar ist allerdings, wann das Fahrzeug auf die Reise geht. Fest steht, dass Bob Burman mit ihm am 7. September 1912 an einem Rennen auf dem Brooklyn Brighton Beach teilnimmt und dort den Streckenrekord des
„Blitzen-Benz“ verbessert.
Zu einer ersten besonderen Begegnung kommt es am 30. September 1912 in St. Louis: Dort stehen beide Benz 200 PS am Start. Etwas zu schmeichelnd bezeichnen die amerikanischen Sportberichterstatter den neuen, zweiten Wagen als „300 PS Jumbo-Benz“ – der Motor in beiden Autos ist jedoch identisch. Weitere gemeinsame Rekordfahrten absolvieren beide Rekordwagen – auch Fahrzeug Nr. 2 trägt nun den Namen „Blitzen-Benz“ – kurz vor Weihnachten 1912 am Strand von San Diego. Eines der Fahrzeuge, vermutlich der ursprüngliche „Blitzen-Benz“, gerät dabei in Brand, doch Burman steuert es geistesgegenwärtig ins Pazifikwasser und löscht die Flammen. Moross lässt den Schaden mit einem Aufwand von 4.000 Dollar wieder beheben.
1914 wird der „Blitzen-Benz II“ schließlich in Bonneville auf dem Salzsee eingesetzt, wo Teddy Tetzlaff eine Geschwindigkeit von 229,85 km/h erreicht. Danach nimmt das Fahrzeug bis 1917 an verschiedenen Veranstaltungen teil. Das weitere Schicksal ist nicht sicher belegt: Wohl noch im Jahr 1917 kauft Ralph Hankinson, ein „Dirt-Track“-Veranstalter, den Benz 200 PS. Doch sein Unternehmen geht in Konkurs, und das Auto gelangt vermutlich 1919 an einen Karnevalsverein. Von da an verliert sich jede Spur.
Der dritte Benz 200 PS wird 1912 fertiggestellt. Mit ihm geht wieder Fritz Erle am 6. Oktober 1912 beim Bergrennen in Gaillon/Frankreich an den Start und verbessert seinen Rekord: Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 163,6 km/h. Auch das Bergrennen in Limonest bei Lyon/Frankreich am 25. Mai 1913 gewinnt er in Rekordzeit. Danach erhält der Motor (Nr. 9141) im Mannheimer Werk statt der Tauchschmierung eine Umlaufschmierung.
In Mannheim tritt L. G. „Cupid“ Hornsted auf den Plan: Der Benz-Repräsentant in England möchte sich nach Erfolgen auf einem älteren Benz-Rennwagen dort nach einem stärkeren Fahrzeug erkundigen, und die Geschäftsleitung stimmt dem Verkauf eines Benz 200 PS an ihn zu. Sogleich meldet Hornsted Änderungswünsche an, unter anderem soll das Auto eine andere Kühlermaske und einen – wahlweise – aufgesetzten Windabweiser sowie zahlreiche technische Modifikationen erhalten. Im November 1913 erscheint der blau lackierte Wagen erstmals auf der Rennstrecke von Brooklands, und im Dezember übertrifft Hornsted den Rekord von Héméry und setzt mit 118,4 km/h einen neuen Bestwert über den „stehenden“ Kilometer. Am 14. Januar 1914 stellt er sieben neue Rekorde auf. Das höchste Mittel aus Hin- und Rückfahrt erzielt er dabei über eine halbe Meile (804,65 Meter) mit fliegendem Start. Hierbei erreicht der Wagen 199,3 km/h. Noch eine Woche zuvor musste er sein ganzes fahrerisches Können unter Beweis stellen, als ihm bei etwa 190 km/h ein Reifen platzt; erst nach einigen Drehern bekommt er den Benz 200 PS wieder unter Kontrolle.
Danach gelangt der Wagen zurück ins Werk nach Mannheim und verbringt den Ersten Weltkrieg in der Versuchsabteilung. Nach Kriegsende machen sich die Mechaniker daran, aus dem vorhandenen Material gebrauchsfähige Wagen zusammenzusetzen. Zwei Fahrzeuge werden vollendet: Das eine basiert auf dem Chassis des Hornsted-Wagens und hat einen Aufbau, der dem „Blitzen-Benz II“ nachempfunden ist. Markante Details: Die Drahtspeichenräder sind vollständig abgedeckt, das Auto hat ein Spitzheck und die Sitze sind versetzt angeordnet. 1922 wird das Fahrzeug nach Brooklands gebracht, wo es als Werkswagen von Horace V. Barlow gefahren wird und im August 1922 auf Anhieb das erste Rennen gewinnt. An einem anderen Lauf während der gleichen Veranstaltung ist übrigens auch Graf Zborowski auf dem „Blitzen-Benz II“ dabei. Beim „100 mph“-Kurzstrecken-Handicap-Rennen am 30. September 1922 kommt Captain John Duff am Steuer des Wagens Nr. 3 in seiner schnellsten Runde auf 184,21 km/h. Doch plötzlich hat er Probleme mit den Bremsen – der Wagen gerät über den oberen Rand der Steilkurve hinaus und stürzt ab, dabei wird das Auto fast vollständig zerstört. Das Wrack gelangt zurück nach Mannheim.
Der vierte Benz 200 PS (Motornummer 9143) entsteht um 1912. Er hat einen breiten Kühler, Holzspeichenräder und die Wechselkarosse des 1910/11 von Erle gefahrenen Wagens. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt er an mehreren Rennen teil, unter anderem mit Franz Hörner am Lenkrad, einem von Héméry und Erle geförderten Nachwuchsfahrer. Nach dem Krieg behält man die Holzspeichenräder bei. Nicht zuletzt damit sieht das Fahrzeug etwas altertümlich aus, was ihm bei seinen Auftritten nach dem Ersten Weltkrieg den Beinamen „Großmutter“ einbringt, es aber nicht davon abhält, durch die gesamten 1920er-Jahre hindurch erfolgreich eingesetzt zu werden. Dann beginnt eine zweite Karriere als Werbeträger für die Marke Benz, denn die Rekordwagen sind immer noch ein Publikumsmagnet. Dazu erhält das Auto eine spezielle Auspuffanlage: Mittels einer Klappe kann die Strömung entweder mit ohrenbetäubendem Lärm durch Rohrstummel direkt nach außen geführt werden oder aber durch das leise System.
Noch zwei weitere Benz 200 PS hat es gegeben: Der Benz-Vertreter Treumann, Madrid, verkauft das Auto Nr. 5 (Motornummer 9145) an einen Herrn J. Ratis in Barcelona. Geliefert wird es am 20. Februar 1913. Die weitere Geschichte ist unbekannt.
Den „Blitzen-Benz“ Nr. 6 verkauft die Benz-Vertretung in Antwerpen an einen Herrn M. Heje in Gent, der das Fahrzeug am 24. Dezember 1913 bekommt – es dürfte ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gewesen sein. Als einziger Benz 200 PS (Motornummer 13280) hat das Auto ein verlängertes Chassis (3200 statt 2800 Millimeter) und eine viersitzige Touring-Karosserie. Auch dieser Wagen tritt häufig in Brooklands zu Rekordfahrten an. Das Fahrzeug verbleibt lange Zeit in England, bevor es um das Jahr 2002 ein amerikanischer Sammler erwirbt.
1935 entsteht bei Mercedes-Benz anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Baus von Automobilen ein weiterer Benz 200 PS aus noch vorhandenen Teilen. Das Fahrzeug, das sich heute noch im Besitz des Mercedes-Benz Museums befindet, erhält einige Teile von der „Großmutter“. Andere Teile, beispielsweise die Nabenverschlüsse und vermutlich der Kühler sowie das Karosseriemittelteil, stammen vom verunfallten Hornsted-Wagen. Um das Fahrzeug schnittiger aussehen zu lassen, werden die Holzspeichenräder mit Aluminiumabdeckungen versehen. Damals neu angefertigt werden die Motorabdeckung, das Heckteil sowie die Abdeckung der Auspuffstummel.
In England ist außerdem eine Replica des in Brooklands eingesetzten Héméry-Wagens entstanden.
Im Jahr 2004 rollt der jüngste „Blitzen-Benz“ heran: Ein amerikanischer Sammler hat sich entschlossen, ein weiteres Fahrzeug bauen zu lassen, ohne Rücksicht auf die Kosten. Als Vorbild für das besondere Privatprojekt stellt ihm das Mercedes-Benz Museum für ein Jahr den eigenen „Blitzen-Benz“ zur Verfügung – ein großer Vertrauensbeweis. Damit der Nachbau so originalgetreu wie möglich ist, erhält er zudem die bei Mercedes-Benz Classic vorhandenen Teile des Hornsted-Wagens, darunter der Motor Nr. 9141 und einige Nebenaggregate; Teile einer originalen Karosserie existieren noch in den USA.
Gleichzeitig wird der Museums-„Blitzen-Benz“ fachgerecht restauriert und fahrbereit gemacht. Wenn sein Motor erklingt, lebt bebend die Geschichte des „Blitzen-Benz“ wieder auf. Von gewaltigem Klang begleitet, setzt er sich in Bewegung. Schon bei geringen Geschwindigkeiten ist die Achtung groß vor den Fahrern der frühen Jahre: Sie hatten wahrhaft Mut, am riesigen Lenkrad dieses Boliden auf Rekordjagd zu gehen – eine einfache Brille war ihr einziger Schutz bei 228,1 km/h, und die Federung dürfte bei derartig hohen Geschwindigkeiten nicht mehr viel Wirkung gehabt haben.