Pressemappe: Der Wille zum Wettbewerb: Die klassischen Silberpfeile von Mercedes-Benz
Stuttgart
,
31.01.2009
Mercedes-Benz Rekordwagen (1934 bis 1939)
  • Perfekt für die rasante Fahrt auf langen und geraden Strecken
  • Der Mercedes-Benz W 125 erzielt 432,7 km/h auf öffentlicher Straße – ein bis heute gültiger Rekord
  • Erst modifizierte Rennwagen, später Spezialkonstruktionen
Konkurrenten sind Mercedes-Benz und die Auto Union nicht nur auf den Rennstrecken. Auch bei Rekordfahrten kämpfen die beiden deutschen Marken um die Vorherrschaft ihrer Autos. Die dabei von Mercedes-Benz eingesetzten Fahrzeuge leiten die Stuttgarter Ingenieure von den Grand-Prix-Wagen ab. Den Auftakt macht 1934 eine Version des
W 25 mit aerodynamischer Haubenverkleidung über dem Fahrersitz.
Alfred Neubauer berichtet von den Rekordfahrten in Ungarn: „Es ist Oktober. Ein nasskalter Wind weht über die Autostraße bei Gyón, südlich von Budapest. Wir fürchten diese Nässe, diesen Wind. Wir wollen nämlich Weltrekorde erobern.“ Am Steuer des Rekordwagens sitzt Rudolf Caracciola. „Rudi fährt. Und – er fährt zum ersten Mal in seinem Leben über 300 Stundenkilometer. Schneller, als je ein Mensch auf einer Straße in einem gewöhnlichen Rennwagen gefahren ist. Caracciola fährt Weltrekorde. Das ist sein größter Sieg in diesem Jahr.“
Caracciola unterstreicht die Leistungsfähigkeit des 430 PS (316 kW) starken Rennwagens mit Internationalen Rekorden der Klasse C (3 bis 5 Liter Hubraum) über 1 Kilometer (317,5 km/h) und 1 Meile mit fliegendem Start (316,6 km/h). Außerdem gelingt ihm mit 188,6 km/h ein neuer Weltrekord über 1 Meile mit stehendem Start. Im Dezember 1934 fährt Caracciola außerdem auf der Avus einen internationalen Klassenrekord der Klasse C über 5 Kilometer mit 311,98 km/h.
Der W 25 ist auch Basis des Rekordwagens, mit dem Mercedes-Benz 1936 einen Vorgeschmack auf das Innovationspotenzial des neuen W 125 gibt: Am 11. November erzielt Caracciola auf der Reichsautobahn Frankfurt – Darmstadt im Mercedes-Benz Stromlinien-Rekordwagen mit Zwölfzylindermotor fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Der Rekordwagen von 1936 ist in Vollstromlinie verkleidet, sodass die aerodynamisch perfektionierte Karosserie auch die Räder und den Unterboden einbezieht. Entwickelt im Windkanal der Zeppelinwerke in Friedrichshafen, hat er den sensationellen Windwiderstandsbeiwert von cW=0,235. Den Antrieb besorgt ein V12 mit 616 PS (453 kW) aus 5577 Kubikzentimeter Hubraum. Caracciola stellt unter anderem den Weltrekord von 333,5 km/h über zehn Meilen mit fliegendem Start auf, die Höchstgeschwindigkeit beläuft sich auf 372 km/h.
432,7 km/h auf öffentlicher Straße
Ebenfalls ein Produkt des Windkanals, diesmal der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof, mit einem cW-Wert von 0,157 ist die Rekord-Variante des W 125 von 1938. Mit ihr erzielt Rudolf Caracciola am 28. Januar 1938 die bis auf den heutigen Tag gültigen Spitzenwerte – für eine öffentliche Straße – von 432,7 km/h über einen Kilometer mit fliegendem Start sowie der Höchstgeschwindigkeit von 436,9 km/h in einer Richtung. Beim Versuch, den erzielten Rekord wenige Stunden später zu brechen, findet der Starfahrer der Auto Union, Bernd Rosemeyer, den Tod: Ihn erfasst in voller Fahrt eine Windbö, und der Wagen wird von der Autobahn gedrängt.
Angetrieben wird der W 125 von der jüngsten Evolutionsstufe des 5,6-Liter-Zwölfzylinders. Zwei Roots-Kompressoren steigern seine Leistung auf 736 PS
(541 kW) bei 5800/min. Eine Vorstufe des 6,25 Meter langen Rekordfahrzeugs tendierte dazu, bei Tempo 400 den Bodenkontakt zu verlieren. Also verkleinert Rudolf Uhlenhaut die Frontfläche auf ein Minimum und verringert so den Strömungswiderstand des Kühlers. Lediglich zwei kleine Nüstern versorgen den riesigen V12 mit Atemluft. Für das optimale Betriebsklima über die kurzen Distanzen ist der normale Kühler des W 125 zuständig, eingebettet in einen mit einem halben Kubikmeter Eis und Wasser gefüllten Kasten auf zwei Trägern vor der Maschine.
1939 ist die Spezialisierung schon so weit fortgeschritten, dass man aus dem zeitgenössischen W 154 zwei Rekord-Versionen für die Klasse D (zwei bis drei Liter Hubraum) entwickelt, ein Fahrzeug für Bestwerte mit fliegendem Start (398,2 km/h für den Kilometer, 399,6 km/h für die Meile) und eine weitere Variante mit umkleideten Rädern und einer charakteristisch eingekerbten Partie im Cockpitbereich für den Sprint aus dem Stand (175,1 km/h für den Kilometer, 204,6 km/h für die Meile).
Die Rekordversion des W 154, 468 PS (344 kW) bei 7800/min stark, fußt auf dem Chassis des Dreiliter-Straßenrenners, nur dass man dieses im Interesse eines möglichst niedrigen Gewichts (949 Kilogramm ohne Fahrer) entsprechend erleichtert hat. Eine Eiskühlung befindet sich über der Hinterachse und verbessert damit gleichzeitig die Traktion. So wie dieses Projektil, darüber besteht überhaupt kein Zweifel, hätte auch ein Stromlinien-Wagen der Marke für den Grand-Prix-Sport aussehen können.
Ganz anders der 8,24 Meter lange T 80 aus dem gleichen Jahr, konstruiert von Ferdinand Porsche und angesetzt auf Malcolm Campbells Weltrekord von 484 km/h. Versehen ist er mit dem 807 Kilogramm schweren Flugmotor DB 603 RS, einem V12, der aus 44 500 Kubikzentimeter bei 3640/min stämmige 3500 PS (2574 kW) freisetzt. Der T 80 kommt freilich nie zum Einsatz. Denn mit dem Zweiten Weltkrieg setzt die Geschichte andere Prioritäten – für Rekordfahrten ist kein Raum mehr. Heute ist der
T 80 im Mercedes-Benz-Museum zu besichtigen.
Aktionen
©2012 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten.
Anbieter, rechtliche Hinweise, Datenschutz, Nutzungsbedingungen