Pressemappe: E-Klasse Historie
Stuttgart
13.01.2009
Wiederaufnahme der Produktion: die Baureihen 136 und 191 (1946 bis 1955)
  • Auf die dringend benötigten Nutzfahrzeuge direkt nach dem Zweiten Weltkrieg folgen bald Limousinen
  • Erster neu entwickelter Personenwagen folgt im Jahr 1949
  • Großer Erfolg auch mit den Dieselvarianten
Unter schwierigen Bedingungen beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau im Daimler-Benz Werk Untertürkheim. Neben den Kriegszerstörungen prägt der Mangel an Facharbeitern, Material und Energie diese Pionierzeit. An die Entwicklung neuer Modelle ist unter solchen Umständen noch nicht zu denken. So greift die Stuttgarter Marke 1946 auf ihren bereits von 1936 bis 1942 gebauten
Typ 170 V (W 136) zurück, als die Automobilproduktion wieder anläuft. Der Typ 170 V ist zugleich der erste direkte Vorläufer der heutigen E-Klasse. Statt eleganter Limousinen der oberen Mittelklasse rollen allerdings als erste Fahrzeuge Lieferwagen mit Pritsche und Kastenaufbau sowie Krankentransportwagen und Streifenwagen für die Polizei vom Band. Diese Nutzfahrzeuge werden dringend für den Wiederaufbau benötigt.
Die Neuauflage des Typ 170 V trägt intern die Baureihennummer 136 I, um das Nachkriegsmodell von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Im Mai 1946 verlässt das erste Fahrzeug – ein Pritschenwagen – die Endmontage. Angetrieben wird er von einem 28 kW (38 PS) starken 1,7-Liter-Vierzylindermotor. Im Juni folgt der erste Kastenlieferwagen, im September und Oktober stellt Mercedes-Benz einen Krankenwagen und einen Polizeistreifenwagen auf Basis des Typ 170 V vor. Die Aufbauten dieser Modellvarianten fallen wegen der schwierigen Produktionsbedingungen in der Nachkriegszeit noch verhältnismäßig einfach aus. Insgesamt entstehen im ersten Jahr 214 Fahrzeuge, 1947 sind es dann schon 1045 Wagen.
1947: Rückkehr der Limousine
Im Juli desselben Jahres läuft auch die Produktion der Limousine vom Typ 170 V wieder an. Erst einmal bietet Mercedes-Benz nur die viertürige Limousine an. Mit dieser Wiederaufnahme der Produktion von Personenwagen beginnt bei der Marke endgültig die jüngere Geschichte der oberen Mittelklasse. Der Typ 170 V setzt dabei einen wichtigen Akzent, der über sein eigenes Marktsegment hinausgeht. Denn er bleibt zunächst die Basis der ersten Nachkriegs-Pkw von Mercedes-Benz, einschließlich der Typen 170 D und 170 S (beide aus dem Jahr 1949) mit seinen Varianten.
Die Baureihe wird 1953 vom „Ponton“ (W 120) abgelöst, wobei die Produktion aber erst 1955 ausläuft. Bei den Repräsentationsfahrzeugen debütiert der Typ 300 (W 186 II) dagegen bereits 1951, ebenso wie die Oberklasse-Limousine Mercedes-Benz 220
(W 187). Von der Produktionsaufnahme der Limousine im Jahr 1947 profitieren auch die verschiedenen Ausführungen des Lieferwagens. Sie werden nun mit einem modifizierten Fahrerhaus ausgeliefert, das hinsichtlich Aufbau und Ausstattung dem Standard der Limousine entspricht. Zum Jahreswechsel von 1948 nach 1949 passen die Konstrukteure außerdem die Konzeption des Krankenwagens den gestiegenen Anforderungen an. Er erhält einen geräumigeren und modernisierten Aufbau, der in Bochum bei der Firma Lueg gefertigt wird.
1949: Erste neu entwickelte Personenwagen nach dem Krieg
Im Mai 1949 stellt Daimler-Benz auf der Technischen Exportmesse in Hannover die ersten nach dem Krieg neu konstruierten Mercedes-Benz Pkw-Modelle vor: Den Diesel-Typ 170 D und die vom Typ 170 V abgeleitete, repräsentative Limousine vom Typ 170 S. Der Mercedes-Benz 170 D entspricht weitgehend dem Typ 170 V, hat aber einen
1,7-Liter-Dieselmotor, den die Stuttgarter Ingenieure aus dem Otto-Aggregat des Typ 170 V entwickelt haben. Das Vorkammer-Aggregat leistet wie der Ottomotor 28 kW
(38 PS). Der Typ 170 D ist der erste Mercedes-Benz Diesel-Pkw der Nachkriegszeit und legt als Erbe des Diesel-Pioniers Mercedes-Benz 260 D (W 138) von 1936 den Grundstein für den weiteren Erfolg dieser Antriebsvariante in den Personenwagen von
Mercedes-Benz. Im Vergleich zu seinem benzingetriebenen Zwilling verbraucht der Typ 170 D deutlich weniger Kraftstoff – und das bei nahezu gleichen Fahrleistungen. Er ist das Fundament für den guten Ruf der Stuttgarter Diesel-Pkw, die für Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen. Zusätzlich macht den Typ 170 D in seinen ersten Produktionsjahren auch die gute Treibstoffversorgung mit Dieselöl attraktiv, während Benzin selbst fünf Jahre nach Kriegsende manchmal noch knapp ist.
Der zeitgleich mit dem 170 D vorgestellte Typ 170 S ist das neue Topmodell des Pkw-Programms von Mercedes-Benz. Er ist als Nachfolger des Typ 170 V angelegt, lehnt sich stilistisch und konzeptionell jedoch an den Vorkriegs-Typ 230 (W 153) an. Mit seiner geräumigen Ganzstahlkarosserie, dem zusätzlichen Komfort sowie technischen Verbesserungen vom leistungsstärkeren Motor bis zur verbesserten Vorderachse steht der Typ 170 S bis 1951 an der Spitze der Modellpalette von Mercedes-Benz. Neben der Limousine wird auch ein zweisitziges Cabriolet A und ein viersitziges Cabriolet B angeboten.
Kontinuierliche Modellpflege
In den folgenden Jahren werden die bestehenden Varianten des Typ 170 mehrfach weiterentwickelt. Bereits im Mai 1950 unterzieht Mercedes-Benz die Typen 170 V und 170 D einer Modellpflege. Dabei erhalten beide Motoren durch Vergrößerung des Hubraums auf knapp 1,8 Liter eine Leistungssteigerung. Der Ottomotor kommt nun auf 33 kW (45 PS) bei 3600/min, der Diesel leistet 29 kW (40 PS) bei 3200/min. Teleskop-Stoßdämpfer, eine Verbreiterung der Hinterachs-Spurweite und stärkere Bremsen verbessern das Fahrverhalten. Außerdem erhalten beide Modelle unter anderem größere Sitze, einen breiteren Fahrgastraum und einen von außen zugänglichen Kofferraum. Zur Unterscheidung von den ursprünglichen Typen werden die verbesserten Varianten intern 170 Va und 170 Da genannt. Im Mai 1952 wächst die Hinterachs-Spurweite noch einmal, außerdem erhalten beide Versionen des 170 einteilige, breite Stoßstangen und eine vergrößerte Frontscheibe mit innen verkleidetem Scheibenwischer-Antrieb. Gebaut werden die beiden Typen bis August 1953, dann folgen die Typen 170 S-V und 170 S-D.
1952 wird auch der Typ 170 S in zahlreichen Punkten verbessert. Die überarbeitete Ausführung namens 170 Sb (W 191) kommt nun mit Lenkradschaltung und Knopf-Anlasser am Armaturenbrett daher. Der Nockenwellenantrieb erfolgt über Duplex-Rollenkette, die Spurweite der Hinterachse wird vergrößert und der Hinterachsantrieb auf Hypoidverzahnung umgestellt. An der Motorisierung mit dem 38 kW (52 PS) starken Vierzylindermotor (knapp 1,8 Liter Hubraum) ändert sich allerdings nichts. Von außen ist der Typ 170 Sb an der vergrößerten Heckscheibe und den nach innen verlegten Scharnieren des Kofferraumdeckels erkennbar. Lieferbar ist der Typ 170 Sb nur noch als Limousine, nachdem die Produktion der beiden Cabriolets bereits im November 1951 ausgelaufen ist. Gleichzeitig mit dem Typ 170 Sb führt Mercedes-Benz als neuen Typ den 170 DS ein, der mit dem Dieselmotor des Typ 170 Da ausgerüstet ist. Die Diesel-Limousine findet großen Anklang bei den Käufern und wird in deutlich höherer Stückzahl verkauft als das Schwestermodell mit Ottomotor.
Basis für Sonderaufbauten
Die letzte Entwicklungsstufe markieren die Typen 170 S-V und 170 S-D des Jahres 1953. Sie kommen nahezu zeitgleich mit dem moderneren „Ponton“-Typ auf den Markt und kombinieren das weitgehend unveränderte Fahrgestell der Typen 170 V und 170 D mit der geräumigeren Karosserie der Typen 170 Sb und 170 DS. Fehlende Chromleisten an den Lüftungsschlitzen der Motorhaube, Stoßstangen ohne Hörner und die vereinfachte Innenausstattung unterscheiden die in der Leistung reduzierten Modelle auch äußerlich von der Baureihe 191. Der Typ 170 S-V wird bis Februar 1955 gebaut, der erfolgreichere Typ 170 S-D wird erst im September des gleichen Jahres eingestellt.
Die Baureihen 136 und 191 werden auch als Fahrgestelle angeboten, die verschiedene Aufbauhersteller mit Sonderkarosserien versehen. Aber auch
Mercedes-Benz selbst stattet seine Fahrzeuge mit Sonderaufbauten aus. So entstehen in Sindelfingen Kastenlieferwagen vom Typ 170 D und offene Polizei-Tourenwagen. Wegen der großen Nachfrage nach Limousinen mit Dieselmotor liefert Mercedes-Benz Fahrgestelle mit Diesel-Antrieb erst ab 1950 an externe Karosseriefirmen aus. Dort entstehen unter anderem Kombiwagen, sechssitzige Droschken-Limousinen, Krankenwagen und Kasten-Lieferwagen. Für die Krankentransportwagen mit Lueg-Aufbau übernimmt Daimler-Benz sogar den offiziellen Vertrieb. Eine beträchtliche Anzahl Fahrgestelle liefern die Stuttgarter an Aufbauhersteller im Ausland, ein großer Teil davon geht in Form von sogenannten ckd-Teilesätzen („completely knocked down“ – quasi ein Autobausatz) nach Argentinien.
Die Baureihen 136/191 in der Presse
Die Neue Kraftfahrer-Zeitung, Deutschland, Heft 16/1950 würdigt die Typen 170 V und 170 D: „Der Mercedes 170 V und D gehören in punkto Fahreigenschaften, Leistung und Ausstattung etc. unbedingt zur Spitzengruppe der deutschen Personenkraftwagen. Wenn ihr teurerer, etwas stärkerer Bruder, der 170 S, auch in manchem etwas komfortabler und gegenüber dem V in der Spitze um 4-5 km/h schneller sein sollte, so ist dieser neue V auf dem besten Wege, ihm nachzueifern.
Über den Mercedes-Benz 170 V berichtet die Automobil-Revue, Schweiz, in Heft 12/1950: „Der Mercedes-Benz Typ 170 V ist aus dem jugendlichen Alter eines Autos schon lange herausgewachsen. Aber ist es nicht ein Fahrzeug, das in seiner Leistung, in der seiner Anspruchslosigkeit, seiner Wirtschaftlichkeit, seiner Sicherheit, seiner langen Lebensdauer und – last not least – auch in seiner Schönheit auch heute noch den Vergleich mit den neuesten, chromschillernden Schöpfungen der Automobilmode aushält?
Massimo Manni schreibt in „Motor. Settimanale di tecnica e propaganda della motorizzazione italiana“, Italien, Heft 9/1951 über den Mercedes-Benz 170 D: „Sobald der Wagen fährt, bemerkt man sofort eine starke Elastizität als hervorstechendste Eigenschaft, und der Fahrer fühlt sich vom ersten Augenblick an veranlasst, hauptsächlich im 4. Gang zu fahren, selten den 3. zu benutzen und kaum die kleinen Gänge, auch wenn er absichtlich rücksichtslos den Gashebel betätigt, um nach dem Verzögern wieder zu beschleunigen.“
Von den Fahrleistungen des Mercedes-Benz 170 D zeigt sich die ADAC-Motorwelt, Deutschland, Heft 11/1950 begeistert: „Der von uns geprüfte 170 Da kam bis auf 109 km/std! Sein Beschleunigungsvermögen war geradezu frappierend und seine Bergfreudigkeit machte direkt Spaß.“
Die ADAC-Motorwelt, Deutschland, Heft 10/1953, schreibt über die Typen 170 S-V und 170 S-D: „Da es sich bei dem neuen S-V und S-D eigentlich nur um eine Kombination jahrelang bewährter und fortentwickelter Bauelemente handelt, so waren keine allzu großen Überraschungen zu erwarten. Trotzdem hatten vor allem die, man möchte wohl sagen, einmaligen Fahreigenschaften für Wagen dieser Stärkeklasse neuerdings begeistert.
 
Download gesamter Text
rtf-Datei
(1,29 MB)
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen