Weltmeisterlich und globale Nummer eins: Chassis von Mercedes-Benz für Omnibusse
Stuttgart
,
20.05.2010
  • 460 Omnibusse für die Fußball-Weltmeisterschaft
  • Daimler Buses: Nummer eins unter den Busherstellern weltweit
  • Fahrgestelle machen zwei Drittel der Omnibusfertigung aus
  • Vom Leiterrahmen zum Buggy für selbsttragende Omnibusse
  • Werke auf mehreren Kontinenten, breites Programm
  • High-Tech-Omnibus-Chassis aus Samano/Spanien
  • Stückzahlkönige: Chassis aus Sao Bernardo/Brasilien
  • Auf dem Weg nach Russland: Chassis aus Argentinien
  • Komplettangebot durch Kooperation: Monterrey/Mexiko
  • Südafrika, Indien, Indonesien: Zukunftsmärkte erschließen
Wer in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile in einen Stadtbus steigt, fährt meist unter einem guten Stern: Rund 3800 von 6400 Omnibussen der Metropole stammen von Mercedes-Benz. In Europa reisen kleine Reisegruppen mit großen Ansprüchen im ersten Clubbus mit vollwertiger Omnibustechnik, dem Mercedes-Benz Tourino. Indiens neuer dreiachsiger Luxus-Reisebus trägt einen Stern. Gleiches gilt für die Vorfeldbusse des Marktführers auf den Flug­häfen dieser Welt. In Australien rollen 750 Omnibusse von Mercedes-Benz bei Transperth.
Bafana Bafana wird die südafrikanische Fußball-Nationalmannschaft genannt. Sie reist bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft ebenso in einem Bus mit Stern zum Spiel wie die anderen Mannschaften. Offizielle und viele Besucher: Mercedes-Benz lieferte für das Großereignis 460 Omnibusse. Gemeinsamkeit der Omnibusse dieser Beispiele und von unzähligen mehr auf allen Kontinenten: Das Fahrgestell stammt von Mercedes-Benz, den Aufbau steuert ein Spezialist zu.
Unterschiedliche Märkte, unterschiedliche Omnibus-Bauformen
Während die Welt wirtschaftlich mehr und mehr zusammenwächst, klafft die Fahrzeugtechnik aufgrund unterschiedlicher Anforderungen in vielen Regionen weit auseinander. Am Beispiel Omnibus bedeutet dies: Es gibt typische Märkte für Integralbusse, es gibt Chassismärkte sowie Märkte in denen sich Misch­formen wie Komplettbusse mit Chassis-Komponenten durchsetzen. Auf allen Feldern ist Daimler Buses nicht nur technologisch, sondern auch mit Stückzahlen weltweit führend. Ein Bus mit Stern gilt global als Gütesiegel für Unternehmen, Fahrgäste und Fahrer.
Daimler Buses: Nummer eins unter den Busherstellern weltweit
Mit einem Marktanteil von weltweit 13,5 Prozent im vergangenen Jahr ist Daimler Buses weltweit klare Nummer eins unter den Omnibusherstellern. Selbst im globalen Krisenjahr 2009 hat das Unternehmen diese Position mit Aus­lieferung­en von 32 482 Fahrzeugen unangefochten behauptet. Dank der breit angelegten Programme der Marken Mercedes-Benz, Setra, Orion sowie der Schwestermarke Fuso ist Daimler Buses bei Komplettbussen vom funktionellen Stadtlinien- bis zum luxuriösen Reisebus in Europa, Nordamerika und Japan bestens aufgestellt.
Rund 11 400 Komplettfahrzeuge lieferte Daimler Buses im vergangenen Jahr aus. Darin eingeschlossen sind Omnibusse, die zusammen mit Kooperationspartnern auf Chassis von Mercedes-Benz gebaut und in unterschiedlichen Märkten als Komplettfahrzeuge von Mercedes-Benz verkauft wurden.
Fahrgestelle machen zwei Drittel der Omnibusfertigung aus
Manchen Mitteleuropäer mag es überraschen, für einen Südamerikaner, Afrikaner, Asiaten oder viele Osteuropäer ist es gewohnt: Zwei Drittel der Fertigung von Daimler Buses entfällt auf Chassis für Omnibusse. Sie firmieren weltweit unter der Marke Mercedes-Benz. Aufbauer verwandeln sie auf allen Kontinenten in jeweils marktgerechte und auf die spezifischen Gegebenheiten zugeschnittene Omnibusse. Ob es sich nun um einen robusten Linienbus mit Frontmotor, einen eleganten Reisebus mit Heckmotor, Mischformen davon oder ein Spezialfahrzeug wie einen Flughafen-Vorfeldbus handelt.
21 100 Chassis hat Mercedes-Benz im vergangenen Jahr weltweit ausgeliefert. Damit ist die Marke globaler Marktführer auch bei den Chassis für Omnibusse.
Neben technischen Unterschieden – der Aufbau auf ein Chassis ist speziell bei Verwendung eines Leiterrahmen-Chassis technisch einfacher als ein Integralbus – spielen auch Kosten eine Rolle: Chassis-Omnibusse sind erheblich günstiger als Integralbusse. Darüber hinaus verkraften Chassis-Omnibusse mit ihren häufig besonders robusten und einfacheren Komponenten extreme Anforderungen wie schlechte Straßen deutlich besser als aufwendige Integralbusse. Vorteil für alle Bauformen mit Stern ist das einzigartige weltweite Service-Netz von Mercedes-Benz.
Vom Leiterrahmen zum Buggy für selbsttragende Omnibusse
Bis weit in die fünfziger und sechziger Jahre hinein war diese Chassis-Bauweise auch in Mitteleuropa üblich: Hochspezialisierte Aufbauer schufen Omnibus­karosserien auf der Basis von Fahrgestellen, geliefert von Lkw-Herstellern. Einst abgeleitet von Lkw-Chassis mit Frontmotor, wurden sie ab den fünfziger Jahren für große Omnibusse zunehmend durch Chassis in einer für Omnibusse heute typischen Bauweise mit Heckmotor abgelöst.
Dabei hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein Wandel vollzogen: Griffen Aufbauer in Europa anfangs auf Leiterrahmenfahrgestelle zurück, so haben sich inzwischen so genannte Buggys durchgesetzt. Hinter diesem Begriff verbergen sich fahr­fähige Fahrgestelle mit einem kurzen Transportrahmen. Aufbauer ersetzen ihn durch einen eigenen Gitterrahmen mit einem selbst gewählten Radstand und konstruieren auf dieser Basis einen selbsttragenden oder semi-selbsttragenden Omnibus, ähnlich dem Integralbus eines Komplettbusherstellers.
Weltweit sind heute alle drei Aufbauarten verbreitet: Mitteleuropa, Nordamerika und Japan sind typische Gebiete für Integralbusse (Australien ist ein klassischer Fahrgestell-Markt). In Osteuropa, Teilen Südeuropas sowie im Nahen und Mittleren Osten und weite Teilen Asiens werden sowohl Integralbusse als auch Chassisfahrzeuge mit Heckmotor verwendet. Die Märkte für Omnibusse auf klassischen Leiterrahmenchassis mit Front- und Heckmotor-Chassis sind auf der Südhalbkugel der Erde angesiedelt: Mittel- und Südamerika, Afrika, Süd- und Südostasien. Etwa zwei Drittel der Chassisproduktion von Mercedes-Benz entfällt auf die besonders belastbaren und robusten Chassis mit Leiterrahmen und Front­motor.
Für alle Omnibusse das maßgeschneiderte Chassis
Mercedes-Benz bietet für alle Bauarten das maßgeschneiderte Chassis. Ob mit Front- oder Heckmotor, Stahl- oder Luftfederung, Einzelradaufhängung an Vorder- und Nachlaufachsen oder unverwüstlichen Starrachsen, mit klassischer Chassis- oder in Buggy-Bauweise, mit Hochrahmen oder in Niederflurtechnik, als Solo- oder Gelenkbus, ob Midibus oder Fahrgestell mit bis zu vier Achsen – auf jede Frage gibt es die passende Antwort.
Dies gilt ebenso für die Erfüllung der lokalen Abgasvorschriften. So sind die Chassis je nach Zielmärkten entsprechend Euro 3, Euro 4 oder Euro 5 lieferbar, in Mexiko auch nach den US-amerikanischen EPA-Vorschriften. Mercedes-Benz reagiert flexibel auf Kundenwünsche. So hatte das Werk Samano in Spanien seine Chassis bereits auf Euro 4/5 umgestellt. Anfragen aus Übersee führen indes dazu, dass zurzeit Überlegungen bestehen, erneut Chassis nach Euro 3 zu fertigen.
Werke auf mehreren Kontinenten, breites Programm
Zu diesem Zweck hat sich Mercedes-Benz breit aufgestellt. Das gilt sowohl regional mit mehreren Produktionsstätten, für das vielfältige Programm als auch für Angebote als Fahrgestell oder als Komplettbusse zusammen mit Koopera­tions­partnern. Geliefert wird in jedem Fall das für die jeweilige Region und den Verwendungszweck exakt passende Chassis. In jedem Fall sind die Komponenten zugunsten von Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit sorgfältig auf­einan­der abgestimmt. Anforderungen und Anregungen der Aufbauhersteller fließen in die Entwicklung ein. Darüber hinaus steht die Aufbau-Beratung von Mercedes-Benz den Busherstellern mit Rat und Tat zur Verfügung.
In seinen Aufbaurichtlinien legt Mercedes-Benz klare Vorgaben für den Aufbau auf Chassis fest. Ebenso bedarf es einer Abnahme durch die Ingenieure der Marke, soll der entsprechende Omnibus einen Mercedes-Stern tragen.
High-Tech-Omnibus-Chassis aus Samano/Spanien
In Europa bildet das Werk in Samano im spanischen Kantabrien zwischen Santander und Bilbao seit dem Jahr 2003 das Zentrum der Fertigung. Hier sind mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt. In Samano fertigt Daimler Buses in einem hoch spezialisierten ehemaligen Omnibuswerk der Karl Kässbohrer GmbH mit der Chassis-Baureihe OC 500 technische Spitzenprodukte für höchste Ansprüche.
Gefertigt in Buggy-Bauweise, bilden diese Chassis die Grundlage für anspruchs­volle Omnibusse in selbsttragender oder semi-selbsttragender Bauweise in Europa und weit darüber hinaus. So fahren Omnibusse auf Chassis aus Samano unter anderem in südeuropäischen Ländern, in Großbritannien, Australien, Mexiko und Singapur. Die Spanne reicht vom Low-Entry-Chassis für den Stadt- und Überlandverkehr bis zum Unterbau für komfortable Fernreise-Hochdecker. Die Jahresfertigung beläuft sich auf rund 1000 Chassis.
Samano: Das Programm im Detail
In Samano fertigt Daimler Buses die Chassis der Baureihe OC 500 (OC = Omnibus Chassis) für Aufbauer in Europa und weit darüber hinaus. Die Chassis werden in Buggy-Bauweise produziert, also mit einem Transportrahmen zwischen den Achsen. Daher können Aufbauer den Radstand ihrer Omnibusse individuell fest­legen. Gleichzeitig dient das Mittelteil während der Überführung als Auf­be­wahrungsort der Kabelstränge. Sie sind ab Werk bereits auf die maximal mög­liche Länge des Omnibusses ausgelegt.
Alle Chassis aus Samano sind dank kataphoretischer Tauchlackierung (KTL) optimal gegen Korrosion geschützt. Das Angebot teilt sich in mehrere Linien. Die Chassis OC 500 RF und OC 500 LE gehören zur Produktfamilie IBC (Intercity Bus Chassis) bzw. CBC (City Bus Chassis). Die Baureihe MBC (Midi Bus Chassis) zielt auf Midibusse für den Reiseeinsatz. Als weitere Baureihe kommen die BF-Chassis (Bus Flughafenvorfeld) für entsprechende Omnibusse hinzu.
OC 500: Chassis für Reisebusse
Beim OC 500 RF (RF = Raised Floor, Hochboden, Bezeichnung je nach Land auch OH 1836 RF – OH 2543 RF) handelt es sich um ein Chassis für zwei- und drei­achsige Reisebusse mit Einzelradaufhängung an Vorderachse und ggf. der Nach­laufachse. Die maximale Aufbaulänge beläuft sich auf 13,5 m beim Zwei­achser und 15 m beim Dreiachser. Alle Ausführungen rollen auf Reifen der Größe 295/80 R 22,5. Die Komponenten sind sämtlich bewährt. Sie stammen zum Teil aus dem Premium-Reisehochdecker Mercedes-Benz Travego. Das Chassis verfügt über einen CAN-Datenbus mit einheitlichen Schnittstellen zur Aufbau-Elektronik.
Zu den weiteren Merkmalen gehören unter anderem die On-Board-Diagnose, eine Joystick-Schaltung mit pneumatischer Schalthilfe, Scheibenbremsen rundum, ein elektronisch geregeltes Bremssystem (EBS), Antiblockiersystem und ein Brems­assistent. Optional erweitern unter anderem ein Retarder, die Antriebs-Schlupf­regelung ASR oder eine Dauerbremsintegration die Ausstattung. Gleiches gilt für eine Standheizung oder die Vorbereitung für eine Klimaanlage.
OC 500: Produktion in Modulbauweise
Die Chassis der Reihe OC 500 RF werden in Modulbauweise gefertigt. Sie setzen sich aus fünf Modulen zusammen: Fahrerplatz, Vorderachse, dem Überführungs­rahmen zwischen den Achsen, Hinterachse sowie der Antriebseinheit aus Motor, Getriebe sowie Kühler und Lüftung. Das Motorenangebot besteht aus stehend bzw. liegend eingebauten Reihensechszylindern in sparsamer und umweltschon­en­der BlueTec-Technologie. Die Leistungsspanne reicht von 260 kW bis 315 kW (354 bis 428 PS). Die Kraftübertragung übernimmt wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein Automatikgetriebe mit ebenfalls sechs Gängen. Als dritte Variante steht ein automatisiertes Schaltgetriebe zur Verfügung.
Unterschiedliche Größen des Kraftstofftanks sowie regional angepasste Abgas­standards, beim Dreiachser wahlweise eine starre zwillingsbereifte Nachlauf­achse anstelle des gelenkten Aggregats mit Einzelradaufhängung ermöglichen eine individuelle Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten und Einsatz­bedingungen. Gleiches gilt für den Fahrerplatz, dessen Anordnung einschließlich der Instrumentenanlage in Höhe und Breite variiert werden kann.
O 500 LE: Chassis für Linienbusse in Low-Entry-Bauweise
In seiner Modulbauweise ähnlich aufgebaut ist das Chassis Mercedes-Benz OC 500 LE aus Samano (Bezeichnung auch OH 1825 LE – OH 1830 LE). Bei ihm handelt es sich um ein Chassis in Low-Entry-Bauweise für Stadt- und Überlandbusse. Entsprechend verfügt das Chassis über eine Vorderachse in Niederflur-Konstruktion. Die Heckmodule mit der laufruhigen und wirtschaftlichen Hypoid-Hinterachse sowie dem liegend eingebauten Reihensechszylindermotor der Baureihe OM 457 ähneln dem Reisebus-Chassis. Der Dieselmotor ist in der Leistungsvariante 220 kW (299 PS) zu bekommen. Alternativ steht eine Erdgas-Ausführung mit 185 kW (252 PS) zur Verfügung. In jedem Fall übernimmt ein Sechsgang-Automatikgetriebe mit integriertem Retarder die Kraftübertragung.
Luftfederung, Scheibenbremsen rundum, das elektronische Bremssystem EBS, Antiblockiersystem und eine On-Board-Diagnose sind Serienstand. Die Chassis rollen für den Einsatz im Stadtbus auf Reifen der Größe 275/70 R 22,5. Für den Einsatz außerorts sind sie ebenfalls mit Reifen der Größe 295/80 R 22,5 zu bekommen. Mit unterschiedlichen Tankvolumen sowie Abgasstandards lässt sich auch dieses Chassis individuell an die regionalen Gegebenheiten anpassen.
MBC: maßgeschneidertes Chassis für Midibusse
Die dritte Baureihe MBC (Midi Bus Chassis, auch OH 1329) zielt auf anspruchs­volle Midibusse für den Reiseverkehr. Erstmals in der Busbranche verfügt das MBC-Chassis über eine Kombination von Vorderachse mit Einzelradaufhängung, Voll-Luftfederung und Heckmotor. Das zulässige Gesamtgewicht beläuft sich auf mehr als 13 t. Mercedes-Benz fertigt auch dieses Chassis als Buggy in Modulbauweise, hier aus drei Elementen zusammengesetzt: Vorderachse mit Fahrerplatz, Zwischenrahmen, Heckmodul mit Antriebsachse, Motor und Getriebe.
Beim Motor handelt es sich um den kompakten Reihensechszylinder OM 926 LA in stehender Ausführung mit BlueTec-Technologie. Seine Leistung beläuft sich auf 210 kW (286 PS). Ein Sechsgang-Schaltgetriebe ist für die Kraftübertragung zuständig. Der Fahrzeuggröße angemessen sind Räder im Format 19,5 Zoll. Das MBC-Chassis wird ebenfalls als Links- wie Rechtslenker geliefert. Serienmäßig wird eine elektronische Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum, Brems­assistent und Antiblockiersystem verbaut. Optional liefert Mercedes-Benz das Chassis darüber hinaus unter anderem mit Retarder und Antriebs-Schlupf­regelung, Standheizung sowie Vorbereitung für eine Klimaanlage.
In Europa bestens bekannt ist auf Basis dieses Chassis der luxuriöse Midi-Reisebus Mercedes-Benz Tourino. Er entsteht in enger Kooperation mit dem portugiesischen Aufbauer Caetano und wird von Mercedes-Benz aus einer Hand mit vollem Werksservice wie ein komplett selbst gefertigter Omnibus angeboten.
BF: Das Chassis für Flughafen-Vorfeldbusse
Eine besondere Rolle spielen die Chassis der Baureihe BF (Bus Flughafen-Vorfeld, auch als OF 1918 LF – OF 2018 LF bezeichnet). Bei ihnen handelt es sich um Niederflurchassis für Flughafen-Vorfeldbusse, die weltweit eingesetzt werden. Fahrerplatz, Vorderachse sowie die Antriebseinheit aus einem kompakten Vier­zylindermotor der Baureihe OM 904 (Leistung 130 kW/177 PS) mit Auto­matik­getriebe sind als kompakte Einheit konstruiert. Dies lässt dem Aufbauer im hinteren Bereich freie Hand bei der Gestaltung der Karosserie. Auch in diesem Fall sind Links- und Rechtslenkerausführungen im Angebot.
Stückzahlkönige: Chassis aus Sao Bernardo/Brasilien
Mit seinen hohen Stückzahlen spielt das Werk in Sao Bernardo unweit von Sao Paulo in Brasilien die größte Rolle in der Chassis-Fabrikation. Seine Fertigung beläuft sich zurzeit auf mehr als 10 000 Omnibus-Chassis im Jahr. Mit einem Ausbau der Kapazität von 20 000 auf 25 000 Chassis ist das Unternehmen auf das absehbar schnelle Wachstum in Lateinamerika vorbereitet. Seit 1956 werden in Brasilien Omnibus-Chassis gefertigt, zunächst auf der Basis von Lkw-Fahrgestellen, später mit eigenständiger Omnibus-Technik, ab 1970 auch in Ausführungen mit Heckmotor, später auch als erstes dreiachsiges Omnibus-Chassis Brasiliens. Mehr als 1000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Die Spanne reicht vom kompakten Frontmotorchassis mit Leiterrahmen über schwere Frontmotorchassis und Leiterrahmen mit Heckmotor bis zu Buggy-Chassis für anspruchsvolle Reisebusse.
Das Werk Sao Bernardo liefert Chassis nicht nur für den großen brasilianischen Markt (Neuzulassungen 2009 rund 22 900 Omnibusse, darunter Mercedes-Benz 50 Prozent) sondern auch komplett gefertigt in alle Welt, etwa für Stadtbusse in Santiago de Chile. Der Aufbau der Busse des jüngsten Großauftrags über 1045 Einheiten aus dem vergangenen Herbst erfolgt durch den brasilianischen Hersteller Caio.
Weitere Chassis liefert das brasilianische Werk in Form von CKD-Teilen (CKD = Completely Knocked Down = demontiert) unter anderem nach Indien an die Kooperation von Sutlej und Mercedes-Benz. Sie ist ein aktuelles Beispiel, wie sich durch Kooperationen zwischen Chassis- und Aufbauhersteller zum gegenseitigen Nutzen Wachstumsmärkte erschließen lassen. Der regionale Ansatz: Die Omni­busse der Marke Mercedes-Benz sind durch den Aufbau von Sutlej an die indischen Marktbedingungen angepasst. Sutlej wiederum profitiert vom welt­weiten Know-how von Daimler-Buses und der technologischen Qualität der Fahrgestelle aus der brasilianischen Baureihe O 500.
Das brasilianische Werk fertigt darüber hinaus auch Chassis in CKD-Bauweise an weitere Werke von Mercedes-Benz in Südafrika und Indonesien. Hier werden sie komplettiert und an regionale Omnibus-Aufbauer geliefert. Insgesamt produzierte Mercedes-Benz im vergangenen Jahr in Sao Bernardo 18 756 Omnibus-Chassis.
Sao Bernardo: Das Programm im Detail
Die Basis des brasilianischen Chassis-Programms bildet das Modell LO-712 (Bezeichnung auch OF 712 RF). Bei ihm handelt es sich um ein leichtes Frontmotor-Chassis auf Basis des Großtransporters Mercedes-Benz Vario mit Leiterrahmen. Sieben Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, 3700 mm Radstand, ein Vierzylinder-Motor aus der Baureihe OM 364 mit vier Liter Hubraum und eine Leistung von 85 kW (115 PS) sind die Eckdaten. Entsprechend den harten Anforderungen an Minibusse in Brasilien übernehmen Halbelliptik-Blattfedern die Federung.
Als Micro-Omnibus firmieren in Brasilien kompakte Omnibusse auf der nächst größeren Chassislinie, den Modellen LO 812 – LO 915 (auch OF 812 RF – OF 915 RF). Frontmotor, ein Leiterrahmen sowie Halbelliptik-Blattfedern sind typische Merkmale. Der Radstand misst 4250 mm, die Chassis erreichen deshalb 7,7 bis 9,1 Tonnen Gesamtgewicht. Motorisierung und Fahrwerkstechnik entsprechen dem leichteren LO 712.
Mit gleich drei Baureihen bedient Mercedes-Benz von Brasilien aus die Nachfrage nach Chassis für Stadtbusse in aller Welt. Die Baureihe OF 1218 bis OF 1722 (OF = Omnibus Frontmotor) enthält drei mittelschwere Fahrgestelle in unterschied­lichen Radständen von 12,8 bis 17 t zulässigem Gesamtgewicht. Grundlage sind extrem robuste Leiterrahmen mit Frontmotor sowie starren blattgefederten Achsen. Die Vierzylinder-Turbodieselmotoren aus der Baureihe 900 leisten zwischen 130 kW (177 PS) und 160 kW (218 PS). Sechsgang-Schaltgetriebe dienen der Kraftübertragung. Die beiden größeren Ausführungen rollen bereits auf 22,5-Zoll-Rädern.
Die Alternative dazu sind zwei Chassis der Baumuster OH 1518 und OH 1622 L, Leiterrahmen-Chassis mit Heckmotor (OH = Omnibus Heckmotor). Sie bewegen sich mit 15 und 16 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht in einer identischen Gewichtsklasse, auch die Leistung ist identisch. Mit Heckmotor-Anordnung und – im Falle des Modells OH 1622 L – einer Luftfederung werden sie indes bei vergleichbarer Robustheit höheren Komfortansprüchen gerecht.
Die brasilianische Spitzenbaureihe O-500, geliefert in alle Welt
Die Spitzenbaureihe der brasilianischen Omnibus-Chassis trägt die Bezeichnung O-500. Sie basieren ebenfalls auf einem Leiterrahmen (auch als buggy zu erhalten), er ist jedoch beim Chassis O-500 M zwischen den Achsen zugunsten eines niedrigen Fußbodens nach unten gekröpft. Mit Luftfederung sowie einem optionalen Automatikgetriebe trägt dieses Chassis hohen Ansprüchen Rechnung. Es ist wahlweise auch als Gelenkbus zu bekommen (O-500 MA) und in diesem Fall serienmäßig mit einem Automatikgetriebe ausgerüstet.
Eine weitere Steigerung für den Fahrgastkomfort bedeuten die Chassis O-500 U und O-500 UA (Gelenkbus). Sie verfügen beide über einen Niederflurrahmen bis vor die angetriebene Hinterachse und serienmäßig über ein vollautomatisches Getriebe. Den Antrieb der Solobusse übernimmt ein kompakter Reihensechs­zylinder aus der Baureihe 900 mit 191 kW (260 PS). Für die Gelenkbusse mit ihrem deutlich höheren Gewicht ist ein OM 457 LA mit 12,0 l Hubraum und 265 kW (360 PS) zuständig. Die Baureihe O-500 ist extrem überlastfähig: Dürfen die Solowagen in Brasilien 16 t wiegen, so sind sie technisch auf 18.5 t ausgelegt. Bei den Gelenkbussen beträgt die Relation 26 t (zulässig) zu 28 t (technisch möglich).
Die Baureihe O-500 liefert ebenfalls die passenden Antworten auf die Frage nach Chassis für gehobene Reisebusse. Sie werden als O-500 R, RS und RSD als Zwei- und Dreiachser gefertigt. Aufgrund der Buggy-Bauweise mit einem kompakten Transportrahmen können Aufbauer den Radstand für ihre Omnibusse nahezu frei wählen und einen eigenen Gitterrahmen für semi-selbsttragende Reisebusse konstruieren und einsetzen.
Mit serienmäßiger Joystick-Schaltung sowie Optionen wie Retarder, Antiblockier­system und Antriebs-Schlupfregelung ähnelt die Technik dieser Chassis hoch­klassigen europäischen Reisebussen. Die Spanne der Motorisierung reicht von 225 kW (305 PS) bis 310 kW (422 PS). Sowohl eine Luftfederung als auch eben­falls Reifen der Größe 295/80 R 22,5 müssen sich vor gehobenen europäischen Fabrikaten nicht verbergen.
Auf dem Weg nach Russland: Chassis aus Buenos Aires/Argentinien
Im benachbarten Argentinien fertigt Mercedes-Benz in der Hauptstadt Buenos Aires seit nunmehr fast 60 Jahren für den lokalen Markt mittelschwere Omnibus-Chassis mit Leiterrahmen und Heckmotor. Das aktuelle Modell der Familie
XBC-LE trägt die Bezeichnung OH 1618 LE. Gegründet im Jahr 1951 als erstes Auslandswerk der damaligen Daimler-Benz AG, sind hier mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt. Zurzeit untersucht Daimler Buses die Fertigung eines Stadtbusses gemeinsam mit dem russischen Partner Kamaz auf der Basis eines argentini­schen Fahrgestells. Rund 450 Fahrgestelle produzierte das Werk Buenos Aires im vergangenen Jahr.
Komplettangebot durch Kooperation: Chassis aus Monterrey/Mexiko
Ein weiteres wichtiges Standbein ist das Werk in Monterrey/Mexiko. Das Land gehört in normalen Jahren mit jährlich mehr als 10 000 Neuzulassungen (2008: knapp 11 000 Einheiten) zu den größten Omnibusmärkten der Welt. Seit 1994 fertigt Daimler Buses hier Omnibusse, bisher mehr als 50 000 Einheiten. Der Marktanteil von Mercedes-Benz belief sich im vergangenen Jahr auf 52 Prozent oder 2700 Omnibusse in einem aufgrund der Weltwirtschaftskrise halbierten Markt. Fast 400 Mitarbeiter sind in Monterrey beschäftigt. Sie fertigten im vergangenen Krisenjahr mehr als 1500 Omnibus-Chassis.
Die Nummer eins im Produktprogramm ist mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln das Modell Boxer, ein leichtes bis mittelschweres Frontmotor-Chassis für Stadtbusse. Hinzu kommen die XBC-Chassis für Stadt- und Überlandbusse mit Heckmotor sowie Heckmotorchassis für Reisebusse.
Seit zehn Jahren kooperiert Mercedes-Benz in Mexiko eng mit dem angesehenen brasilianischen Aufbauhersteller Marcopolo und dessen mexikanischer Tochter Polomex. Sie steuert exklusiv für Mercedes-Benz Aufbauten für Stadt-, Überland- und Reisebusse zu. Damit ist Mercedes-Benz in der Lage, ein flächendeckendes Komplettbusangebot aus einer Hand anzubieten. Die Fahrzeuge tragen ein marken­typisches Design, das im Entwicklungszentrum von Daimler Buses in Neu-Ulm entstand. Die optische Verwandtschaft etwa des mexikanischen Mercedes-Benz Multego mit den europäischen Reisebussen Mercedes-Benz Travego und Tourismo ist deshalb unverkennbar.
Erfolgreiche Zusammenarbeit über Kontinente
Das Werk Monterrey liefert ein weiteres Beispiel für den globalen Entwicklungs­verbund von Daimler Buses: Ingenieure in Brasilien entwickelten das Fahrgestell des aktuellen Boxer OF, deutsche Kollegen unterstützten beim Projekt­manage­ment und der Bereitstellung von Aggregaten, die mexikanischen Mitarbeiter passten den Boxer OF an die regionalen Anforderungen an.
Monterrey/Mexiko: Das Programm im Detail
Der kompakte Stadtbus schlechthin in Mexiko heißt Boxer. Das entsprechende Chassis der Modelle Mercedes-Benz MBO 1019/1219/1419 hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 10,4 t – 14,0 t und deckt Radstände von 4400 mm – 6050 mm Radstand ab. Antriebsaggregat ist der Vierzylinder OM 924 mit einer Leistung von 142 kW (193 PS). Für die Kraftübertragung ist ein Sechsgang-Schaltgetriebe zuständig.
Die nächst größere Baureihe XBC mit 15 t und 16 t Gesamtgewicht basiert auf einem Leiterrahmen-Fahrgestell mit stehendem Heckmotor und wird für Stadt- und Überlandbusse eingesetzt. Zwei Radstände von 4300 mm und 5170 mm stehen zur Verfügung. Die Reihenmotoren mit vier und sechs Zylindern aus den Familien OM 924 und OM 926 stehen mit einer Leistung von 142 kW (193 PS) bis 191 kW (260 PS). Speziell für Stadtbusse fertigt Mercedes-Benz in Monterrey die Chassis 1827 RF für Solobusse und 2836 RF für Gelenkbusse. Der Sechs­zylinder OM 926 mit 6,9 l Hubraum im Solowagen leistet 195 kW (265 PS). Im Gelenkbus arbeitet ein OM 457 mit 265 kW (360 PS).
Für Reisebusse fertigt das mexikanische Werk die Chassis der Baureihe OC 500 und O 500 in Modulbauweise. Zwei und drei Achsen, 19 t und 22 t zulässiges Gesamtgewicht sind wesentliche Merkmale. Im Heck arbeiten Reihensechs­zylinder, entweder ein OM 457 mit 260 kW (354 PS) bzw. mit dem OM 460 mit 261 kW (356 PS) ein Aggregat entsprechend den amerikanischen Abgas­bestimmungen. Ein Sechsgang-Schaltgetriebe überträgt die Kraft.
Volles Programm an Omnibussen in Mexiko
Aufgrund einer engen Kooperation mit Aufbauer Marcopolo in Mexiko bietet Mercedes-Benz in Mittelamerika ein Komplettangebot an Omnibussen an. Das Angebot beginnt mit dem bewährten Boxer mit Kurzhauber-Aufbau und dem neuen Boxer OF mit Frontlenker-Aufbau, beide auf der Grundlage eines Front­motor-Fahrgestells. Es geht weiter mit dem Solo-Stadtbus Torino und dem Gelenk­bus Gran Viale sowie dem Überlandbus Alliado bis zu einer ganzen Flotte von Reisebussen als Aushängeschild. Sie setzt sich aus den Modellen Turiclass, Multego und Andare zusammen. Die optische Verwandtschaft speziell der Reise­busse mit dem europäischen Programm von Mercedes-Benz ist unverkenn­bar.
Omnibus-Chassis aus East London/Südafrika
Gegründet bereits im Jahr 1958, montieren im Werk in East London in Südafrika fast 100 Mitarbeiter Chassis für Omnibusse. Die Komponenten werden aus Brasilien zugeliefert. Das Programm umfasst sowohl das leichte Frontmotor-Chassis LO 915 mit Leiterrahmen als auch das Leiterrahmen-Chassis OF 1726 für Stadtbusse mit einem technischen Gesamtgewicht von 17 Tonnen. Alternativ zum Schaltgetriebe ist das Chassis auch mit einer Wandlerautomatik lieferbar.
Zum Angebot zählt ebenfalls die große Palette der Chassisfamilie O-500 mit gekröpfte Leiterrahmen oder Niederflurrahmen bzw. in Modulbauweise mit zwei und drei Achsen. Auf diesen Chassis basieren auch die soeben ausgelieferten Omnibusse für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.
Neben den 460 weltmeisterlichen Reisebussen liefert Daimler Buses auch erfolgreich Chassis für Linienbusse. Beispiel ist ein Auftrag über 125 Omnibusse als Zubringerfahrzeuge für die Schnellbahnstrecke Gautrain, die Johannesburg mit Pretoria verbindet. Plattform dieser Omnibusse ist das Chassis O-500 U.
Omnibus-Chassis aus Pune/Indien
In Indien montiert Daimler Buses im neuen Werk in Pune seit dem vergangenen Jahr Chassis aus der brasilianischen Baureihe O-500 für den Luxus-Reisebus aus der Kooperation mit dem lokalen Aufbauhersteller Sutlej. Mit diesem zwei- und dreiachsigen Reisebus besetzt Mercedes-Benz in Indien das Top-Segment. Geplant ist als nächster Schritt der Einstieg ins Stadtbus-Geschäft auf Basis von O-500 Fahrgestellen.
Omnibus-Chassis aus Jakarta/Indonesien
Ein Werk in der indonesischen Hauptstadt Jakarta ist das Sprungbrett für Omnibusse von Mercedes in Südostasien, den Mittlere Osten und Afrika. Seit knapp 30 Jahren fertigt Mercedes-Benz in Indonesien Fahrgestelle, zurzeit mit 120 Mitarbeitern rund 600 Omnibus-Fahrgestelle der Familie XBC im Jahr. Ein Ausbau des Werks ist geplant.
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