70. Bürgerbus Nordrhein-Westfalens ist ein Minibus Mercedes-Benz Sprinter
Stuttgart/Nordkirchen
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13.10.2006
  • Bürgerbusse sichern Mobilität
  • Konzept „Bürger fahren Bürger“ hat sich etabliert
  • Sprinter Mobility hat ideale Bürgerbus-Ausstattung
  • Flexibles Stuhlsystem kann den Anforderungen angepasst werden
Als einen „wertvollen Beitrag zu einer langfristig gesicherten Mobilität“ bewertete der Minister für Bauen und Verkehr, Oliver Wittke, den 70. Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen. Oliver Wittke sowie Nordkirchens Bürgermeister Friedhard Drebing, der Abteilungsdirektor der Westfälischen Verkehrsgesellschaft Werner Linnenbrink und der ortsansässige Bürgerbus-Verein, vertreten durch seine Vorsitzende Dr. Janet Bischof, feierten am 18. September 2006 den Ersteinsatz des Jubiläumsfahrzeugs, eines Mercedes-Benz-Minibusses vom Typ Sprinter Mobility.
Rund 50 Bürgerbus-Vereine sorgen in Nordrhein-Westfalen für ein außergewöhnliches Mobilitäts-Konzept. Unter dem Motto „Bürger helfen Bürgern“ organisieren die Vereine mit eigenen sogenannten Bürgerbussen ein öffentliches Nahverkehrsangebot dort, wo es sonst nicht möglich wäre: in dünn besiedelten, ländlichen Regionen und in Randgebieten vieler Städte. Bereits seit 1983 gibt es die Bürgerbusse in Nordrhein-Westfalen. Als erstes Bundesland übernahm Nordrhein-Westfalen die Idee aus den benachbarten Niederlanden, wo sich bereits Ende der 70er Jahre die Idee des „Buurtbus“, zu deutsch Nachbarschaftsbusses, durchsetzte. Die Idee hat sich auch in Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, etabliert. Können Verkehrsunternehmen aufgrund der geringen Nachfrage selbst keine ÖPNV-Verbindungen anbieten, nehmen sie den Bürgerbus in ihr Angebot auf. Bürgerbusse sind Kleinbusse, die von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern gesteuert werden. Sie fahren nach einem vom Bürgerbus-Verein ausgearbeiteten und auf den Linienverkehr abgestimmten Fahrplan feste Haltestellen an. Inzwischen sind die Bürgerbusse in Nordrhein-Westfalen mit 70 Projekten längst den Kinderschuhen entwachsen. Sie haben ihren Platz als kleinstes Bindeglied in der großen Kette der öffentlichen Verkehrsmittel gefestigt. Der Bürgerbus zählt heute zum normalen Linienverkehr auf einer konzessionierten Linie mit Fahrplan, Haltestellen und einem genehmigten Tarif. Ein Verkehrsunternehmen sichert dabei die verkehrsrechtliche und die technische Seite ab. Im Falle des Nordkirchener Bürgerbus-Vereins steht der Regionalverkehr Münsterland (RVM) Pate – dies ist übrigens der sechste Bürgerbus-Verein, den die RVM mit begleitet. Dabei ist und bleibt der Bürgerbus ein Verkehrsmittel, das auf dem Prinzip der Selbstverantwortung der Bürger beruht: Bürger fahren für Bürger. Betrieben wird der Bürgerbus durch den Bürgerbus-Verein. Das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr, kurz MWMTV, unterstützt die Vereine jährlich mit 5 000 Euro und fördert die Anschaffung neuer Fahrzeuge mit einem Festbetrag von jeweils 30 000 Euro.
Der weiße, mit auffallend roter Front lackierte Mercedes-Benz-Minibus vom Typ Sprinter Mobility ist für den Einsatz als Bürgerbus wie geschaffen. Die sieben Fahrgastsitze plus Fahrer- und Beifahrerplatz reichen auf der ländlichen Route zwischen Capelle, Nord- und Südkirchen für die Feinerschließung zum normalen Linienverkehr. Ein Aluminium-Schienensystem bildet das Befestigungssystem der Fahrgastsitze. Es erlaubt eine schnelle Demontage oder im Bedarfsfall auch eine Neuanordnung, wenn beispielsweise die Einrichtung eines Rollstuhlplatzes vonnöten ist. Alle Sitze sind mit 3-Punkt-Sicherheitsgurten ausgestattet. Der Innenraum ist beleuchtet, ein zusätzliches Dämmerlicht dimmt während den Nachtfahrten die Beleuchtung auf ein angenehmes Niveau. Das Öffnen und Schließen der Schiebetüre erfolgt elektrisch und wird vom Fahrerplatz aus gesteuert. Bei jeder Türbewegung fährt automatisch die Trittstufe mit ein oder aus. Damit wird älteren oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen der Zugang erleichtert.
Für das Fortkommen zeichnet ein Vierzylinder-Reihenmotor mit 60 kW (82 PS) und 2 148 cm³ Hubraum, kombiniert mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe, verantwortlich. Der Dieselmotor entspricht der derzeit gültigen Abgasnorm nach Euro 3. Eine Rundum-Scheibenbremsanlage, ABS, ASR sowie das elektronische Stabilitäts-Programm ESP sorgen für sichere Fahrt.
Der Nordkirchener Bürgerbus erfüllt, wie alle anderen Bürgerbusse auch, gleichermaßen die Interessen von Bürgern, Kommunen und öffentlichen Nahverkehrsunternehmen. Er gewährleistet und erhöht die Mobilität der Bevölkerung der ländlichen Region Münster und leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl. Bürgerbus und Öffentlicher Personen-Nahverkehr bilden eine gelungene Symbiose, denn sie gewährleisten mit ihrem gemeinsamen Tun die allerorts geforderte Flexibilität. Der Bürgerbus fährt überall dort, wo ein regulärer öffentlicher Nahverkehr unrentabel oder unmöglich ist. Dem ÖPNV bringt das Kostenvorteile ohne Imageverlust. Schwach ausgelastete Linien müssen nicht mehr ersatzlos gestrichen werden, sondern werden durch die alternative Bedienungsform Bürgerbus aufrechterhalten. Jeder Bürgerbus-Verein steht und fällt mit dem Engagement der Fahrer. Die ehrenamtlich tätigen Fahrer setzen sich aus Hausfrauen, Studenten, Rentnern, Arbeitslosen und Berufstätigen zusammen. Sie bilden das Gerüst der Vereinsstruktur. In Nordkirchen sind es derzeit 16 Fahrer, die die Gemeinden im ganz wörtlichen Sinne verbinden.
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