Unimog schiebt Baumaschinen auf Schienen durch Alpentunnel in der Schweiz
Stuttgart/ Nufenen (Schweiz)
11.08.2010
  • Bei der Instandsetzung des Cassanawald-Tunnels an der San Bernardino-Passstraße schiebt ein Mercedes-Benz Unimog eine außergewöhnliche Konfiguration von Baumaschinen auf Eisenbahnwaggons
  • 2-Wege-Unimog U 406, Baujahr 1971 mit Euro-4-Abgasnorm, findet als „Lokomotive“ durch den 1,2 Kilometer langen Alpentunnel für einen 60 t schweren Bauzug Verwendung
  • Der Mercedes-Benz Unimog beeindruckt den bisher auf den Lokomotiv-Einsatz ausgerichteten Anwender durch seine Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit
Stuttgart/ Nufenen (Schweiz) – Im Tunnelland Schweiz gehören die Straßentunnel laut Rudolf Dieterle, Direktor des eidgenössischen Bauamtes für Straßen (Astra), zu den sichersten der Welt. Trotzdem entsprechen nach Astra-Erkenntnissen 126 von insgesamt 220 Nationalstraßen-Tunnels noch nicht oder nur teilweise dem neuesten Stand der Sicherheit. Von den insgesamt 1,2 Milliarden Franken vom Parlament in Bern bewilligten Investitionsmitteln zur Erhöhung der Sicherheit dieser Straßenkunstbauten werden bereits 38 Millionen Franken am Nationalstraßenabschnitt der A 13 mit dem Tunnel Cassanawald und dem Anschluss Nufenen bis Ende 2010 verbaut. Die Baumaßnahmen hier umfassen unter anderem den Auftrag von Brandschutzmörtel am Tunnelgewölbe. Mit diesen Arbeiten ist das Luzerner Bauunternehmen Marti AG beauftragt.
Unimog schiebt Arbeitszug im Straßentunnel
Die Marti AG hat für dieses Auftragslos eine eigens zusammengestellte Konfiguration von Arbeitsmaschinen ins Bündnerland mitgebracht, die auf vier Waggons der Schweizer Bundesbahn (SBB) installiert sind und die hier im Rheinwald, im engen Tal des noch jungen Hinterrheins, nur dank eines Mercedes-Benz Unimog bewegt werden können. Kernstück des Arbeitszuges ist der 19 m lange „Roboterwaggon“, auf dem Geräte für die Trocken- und Nass-Spritzung sowie vier Meter hohe Schutzwände gegen die starken Verschmutzungen bei den Spritzarbeiten installiert sind. Auf dem zweiten Waggon befindet sich der fest installierte Betonmischer, auf dem dritten befinden sich die Kompressoren und auf dem vierten Waggon schließlich die Silos für das Baumaterial.
Für den eigentlichen Fahr-/Schub-/Zugeinsatz im Cassanawald-Tunnel wird der Unimog „verpackt“. Denn auch dieses an sich unverwüstliche Fahrzeug – mit 40 Jahren auf dem Buckel ist der Oldtimer unermüdlich in diesem harten Einsatz – muss vor dem dünnflüssigen Beton, der im Tunnel aufgespritzt wird, geschützt werden. Vier Zentimeter Brandschutzmörtel, der bis zu 2000 Grad Hitze aushalten kann, wird von den Spritzrobotern aufgetragen. Dieser Belag soll im Brandfall verhindern, dass der für die Tunnelstruktur enorm bedeutende Gewölbebeton zerstört wird.
Insgesamt ist der Arbeitszug 40 m lang und rund 60 t schwer. „Lokomotive“ ist ein Mercedes-Benz Unimog Oldtimer aus dem früheren Bestand der Schweizer Armee, der mit einer Zwei-Wege-Einrichtung (Straße/Schiene) des Zwei-Wege-Spezialisten Zwiehoff aus Rosenheim (Oberbayern) ausgerüstet wurde. Diese Zusatzausrüstung erlaubt es, dass das universell einsetzbare Fahrzeug auf der Schiene und der Straße fahren kann. Ein Vorteil, der sich hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Flexibilität beim Rangieren und bei der schnellen Erreichbarkeit und Aufgleisung an den Schienenanlagen in vielfältigen Belangen als unschlagbar erweist. Der Unimog schiebt den Arbeitszug an jede gewünschte Arbeitsstelle. Dabei muss er ein Streckenprofil innerhalb des Tunnels mit bis zu drei Prozent Gefälle oder Steigung bewältigen. Nachträglich installierte Partikelfilter und diverse Motormaßnahmen garantieren heute die Euro4-Abgasnorm, eine unabdingbare Voraussetzung für die Arbeiten bei laufendem Motor im Tunnel.
Die Schutzwand stellt das „Ei des Kolumbus“ in dieser Konfiguration dar, denn sie ermöglicht einerseits das ununterbrochene Arbeiten und schützt gleichzeitig den durchgängig fließenden Verkehr vor starker Verschmutzung durch den dünnflüssigen Brandschutzmörtel. Somit kann der Verkehr einspurig weiterrollen, denn für eine einspurige Umleitung des Gegenverkehrs steht hier oben im topographisch engen Hinterrheintal nur die Kantonstrasse H13 zur Verfügung. Martin Werthmüller von der Marti AG, verantwortlicher Bauleiter für das Unternehmen im Cassanawald, sieht in diesem Arbeitszug mit der Gerätekonfiguration einen wichtigen Garant für den planmäßigen Fortschritt der Bauarbeiten. „Wir arbeiten ja meistens auf SBB-Strecken und da ist der Einsatz von Lokomotiven zum Ziehen und Schieben unserer Arbeitszüge keine Frage, aber mit dem Unimog haben wir sehr schnell erkannt, dass es zu ihm als „Ersatz-Lok“ in einem gemischten Straßen-/Schieneneinsatz überhaupt keine Alternative gibt.“
In der tausende von Jahren alten Geschichte der Alpenüberquerung haben die Menschen vielerlei Transportmittel angewendet, um auf Straßen, Wegen und Pfaden Waren zu transportieren und das für sie immer abschreckend wirkende Bollwerk der Berge zu überwinden. In nie enden wollenden Verkehrsströmen bewältigen heute moderne Fahrzeuge diese mächtigen Berge, als ob es keine Höhendifferenzen und Wetterscheiden zu überwinden gälte. Doch dass der Cassanawald-Straßentunnel (1600 m ü. M.) auf der Nordrampe der A 13, die von Chur nach Bellinzona/Lugano führt, auf Schienen durchquert wird, wäre selbst für den Hauptinitiator der Rhätischen Bahn, den Niederländer Willem-Jan Holsboer, eine visionäre Angelegenheit gewesen.
Der jüngste Einsatz eines Zweiwege-Unimog ist in Aachen, wo im Juli ein U 400 an die DB Regio NRW als Rangierfahrzeug ausgeliefert wurde. Der Vorteil gegenüber einer Lokomotive liegt in dem deutlich niedrigeren Kraftstoffverbrauch.
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