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Die Vertriebsgeschichte der Daimler AG
Stuttgart
,
04.11.2009
Das Automobil benötigt schon früh eine ganz eigene Art des Vertriebs: Insbesondere die frühen Motorwagen erfordern eine Einweisung der Kunden sowie eine besondere Sorgfalt bei Reparatur und Instandhaltung. Benz und Daimler erkennen dies bald und richten ihre Vertriebsorganisation danach aus. Daraus entwickeln sich die Werksniederlassungen – ein Prinzip, das bis heute Bestand hat.
Anfangs werden die Autos einzeln angefertigt und direkt ab Werk an die Kunden verkauft. Geworben wird für den modernen Motorwagen durch öffentliche Vorführungen und die daraufhin erscheinenden Zeitungsartikel. Danach gibt es sowohl bei Carl Benz als auch bei Gottlieb Daimler eine verhältnismäßig kurze Periode unabhängiger Vertreter, die das Automobil auf eigene Rechnung verkaufen. Doch für die Modellpolitik bringt dieser Vertriebsweg keinen Fortschritt: Die anfänglichen Einzelbestellungen werden auf diese Weise statt direkt vom Kunden nun lediglich über die Vertretungen geordert. Eine Serienfertigung wird so weiterhin zunächst erschwert, auch wenn Carl Benz mit seinem „Velociped“ früh eine vergleichsweise hohe Stückzahl produziert – zwischen 1894 und 1902 sind es 1200 Stück. Noch bis zur Jahrhundertwende dominiert die Typenvielfalt.
Eigene Niederlassungen der Hersteller
Mit der Verbreitung des Automobils, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt und schnell Fahrt aufnimmt, wollen die Unternehmen dann lieber wenige Modelle anbieten, aber dafür schon viele Wagen vorproduzieren können. Dabei sind ihnen die selbständigen Vertreter eher im Weg, denn die Automobilhersteller wollen von diesen nicht zu abhängig sein. Um den Publikumsgeschmack besser zu treffen und sich in der Produktion unabhängig zu machen, vor allem aber um bei der Preisgestaltung ein Wort mitreden zu können, folgt auf die externen Vertretungen in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts das System der eigenen Niederlassungen: Ein Vertriebssystem, das in der Automobilindustrie dann üblich wird und sich somit frühzeitig von dem für andere Produkte sonst gebräuchlichen Verkaufssystem abhebt.
Erst Benz & Cie. und kurz darauf die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) wollen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch diesen in der Handelslandschaft einzigartigen Vertriebsweg den direkten Einfluss auf den Verkauf sichern. Nicht länger Vertreter sollen die Preishoheit haben, sondern der Hersteller selbst will steuern, wie und zu welchen Preisen verkauft wird. Zudem soll auf diese Weise auch der Service gesichert und das Geld für den Zwischenhandel gespart werden. Denn mittlerweile hat auch die Politik das Automobil als Einnahmequelle entdeckt. In Deutschland muss der Autokäufer von 1906 an eine Luxussteuer entrichten, und von 1909 an eine Haftpflichtversicherung abschließen.
So werden die Automobilhersteller nach und nach auch zu Händlern. Angesichts des Streits, den Markenhersteller anderer Branchen heute mit dem Einzelhandel vor allem um die Preisgestaltung der Produkte ausfechten, waren die Unternehmen Benz und Daimler bei der Neugestaltung des Vertriebsweges also vorausschauend.
 
 
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