Von der Vorkammer zu BlueTEC HYBRID – Die Geschichte des Dieselmotors
Stuttgart
21.02.2011
Debüt für Dieselmotoren in Schleppern und Lastwagen
1922 – Benz-Diesel für die Landwirtschaft

Seinen ersten Einsatz in einem Landfahrzeug absolviert der Benz-Dieselmotor 1922 in einen Ackerschlepper. Das dreirädrige Gefährt haben die Mannheimer gemeinsam mit dem Münchener Motoren- und Traktorhersteller Sendling entwickelt. Den Prototyp stellen Benz und Sendling 1922 auf der Landwirtschaftsausstellung in Königsberg aus und finden sofort einen Käufer für dieses Fahrzeug sowie für zwei weitere Vorserien-Exemplare. Ausgestattet ist die Maschine mit einem Zwei-zylinder-Diesel, der 18 kW (25 PS) bei 800/min leistet. Bohrung und Hub betragen 135 x 200 Millimeter. Als Benz-Sendling-Eintriebrad-Schlepper S 6 geht der Traktor im März 1923 in Serie.
Benz & Cie. wollen zunächst nur 100 Motoren für Ackerschlepper und Motorpflüge von Sendling bauen. Doch Ende 1924 sind schon 36 Zwei-zylinder hergestellt und verkauft. Bis 1931 produzieren die Mannheimer, später unter dem Dach von Daimler-Benz, insgesamt 1.188 dieser Maschinen. Neben dem Dreirad-Schlepper und Motorpflügen bietet Benz-Sendling von 1923 an auch den Vierrad-Dieselschlepper Typ BK an.
1923 – Weltweit erster Diesel-Lastwagen von Benz & Cie.

Benz & Cie. stellen 1923 den ersten Diesel-Lastwagen der Welt vor. Angetrieben wird der Fünftonner von einem Vierzylinder-Diesel des Typs OB 2 mit 33 kW (45 PS) bei 1000/min. Im direkten Vergleich mit einem baugleichen Benziner überzeugt der Diesel-Lkw auf Anhieb durch seine Wirtschaftlichkeit: Gegenüber dem Otto-Motor erbringt der Selbstzünder eine Kraftstoffkosten-Ersparnis von 86 Prozent. Die Arbeiten am neuen Motor für den Lkw beginnen bereits 1922. Im September jenes Jahres steht das erste Aggregat auf dem Prüfstand. Zunächst werden zehn Motoren vom Typ OB 2 gebaut. Versuchsfahrten mit den ersten serienmäßigen Diesel-Lastwagen beginnen von Gaggenau aus.
Als Fahrgestell haben die Benz-Ingenieure den Benz-Lastwagen 5 K 3 ausgesucht, ausgelegt für fünf Tonnen Nutzlast. Der OB 2 bewährt sich bei den Fahrversuchen so gut, dass schon am 14. April 1923 der Beschluss zur Serienfertigung fällt. Der erste serienmäßig produzierte Diesel-Lkw der Welt hat schließlich im Februar 1924 sein Debüt auf der Nutzfahrzeug-Ausstellung in Amsterdam. Der Vorkammer-Dieselmotor OB 2 bringt nun eine Leistung von 37 kW (50 PS) bei 1000/min.
Besonders überzeugt der günstige Verbrauch: Versorgt mit Braunkohlen-Teeröl, benötigt der OB 2 rund ein Viertel weniger Treibstoff als ein gleich starker Benzinmotor. Durch den günstigen Preis des Teeröls gegenüber Benzin ergeben sich die sensationell niedrigen Treibstoffkosten. Neben Teeröl lässt sich der neue Motor auch „mit Gasöl, Petroleum, Texas-Öl sowie gelbem oder braunem Paraffin-Öl“ betreiben – so wirbt Benz & Cie. 1923 für den genügsamen Antrieb.
1923 – Lkw mit Lufteinblasdiesel von Daimler

Während Benz & Cie. den Diesel-Lkw entwickeln, entsteht bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) in Berlin-Marienfelde ein fast gleich starker Lufteinblasdiesel zum Einbau in Lastwagen. Die Daimler-Ingenieure übertragen für diesen Motor ihre Erfahrungen aus dem Bau von U-Boot-Diesel-motoren mit Lufteinblasung. Das fertige Aggregat ist ein Vierzylindermotor mit 29 kW (40 PS) bei 1000/min. Auf verschiedenen Testfahrten beweist der Motor 1923 seine Praxistauglichkeit. Spektakulär ist damals vor allem die Fernfahrt zwischen zwei DMG-Werken: Vom 20. bis 30. September 1923 fährt ein Daimler-Diesel-Lkw von Berlin nach Stuttgart und zurück.
1927 – Der Vorkammer-Diesel setzt sich durch

Nach der Fusion von Benz & Cie. und der DMG im Jahr 1926 setzt sich jedoch das Vorkammer-Prinzip von Benz gegen den Lufteinblasdiesel durch. Erster Vorkammer-Dieselmotor aus gemeinsamer Entwicklung ist der Sechszylindermotor OM 5 von 1927 (55 kW/75 PS aus 8,6 Liter Hubraum). Die Abkürzung OM für Dieselmaschinen, von „Oelmotor“ kommend, erhält sich seither in der Nomenklatur von Mercedes-Benz.
Im Mercedes-Benz Lastwagen vom Typ L 5 arbeitet wahlweise der neue OM 5 (51 kW/70 PS bei 1300/min) oder ein Benzinmotor vom Typ M 36 (74 kW/100 PS bei 2000/min). Der Fünftonner (mit Niederrahmen als N 5 zu haben) ist im 1927 präsentierten, neuen Mercedes-Benz Nutzfahrzeugprogramm noch der einzige Typ, der überhaupt mit Dieselantrieb angeboten wird. Sowohl die 1,5-Tonner als auch der 3,5-Tonner sind zunächst nur mit Benzin-Vergasermotoren zu haben. Damit reagiert Mercedes-Benz auf die noch immer große Skepsis von Kunden gegenüber dem Dieselmotor.
Der OM 5, dessen Serienproduktion 1928 anläuft, ist bereits mit der neuen Bosch-Einspritzpumpe ausgerüstet. Robert Bosch beginnt 1922 mit der Arbeit an Diesel-Einspritzpumpen. Durch die 1927 vorgestellte, systematisch verbesserte Einspritztechnik trägt er zur Akzeptanz des Dieselantriebs bei. Persönlich ist Bosch sowieso vom Selbstzünder überzeugt: 1924 gehört er zu den ersten Kunden, die einen Diesel-Lkw von Benz & Cie. ordern.
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