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Benz Velo: Erstes Großserienfahrzeug der Automobilgeschichte
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Für den Benz 8/18 PS ist ein umfangreiches Karosserieprogramm erhältlich
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Mercedes 6/25/40 PS: Kompaktes Automobil mit neuartiger Motorentechnik
Im Jahr 1886 erfindet Carl Benz das Automobil. Sein Patent-Motorwagen ist der erste Schritt zur individuellen Mobilität, wie wir sie heute kennen. Nach der erfolgreichen
Einführung der Modelle Viktoria und Vis-à-Vis im Jahr 1892 macht er sich 1894 mit dem Benz Velo um die Popularisierung des neuartigen Gefährts verdient: Dieser
Kleinwagen ist bei 1200 gebauten Fahrzeugen das erste Großserienfahrzeug in der Automobilgeschichte.
Benz hat mit dem Motor-Velociped, kurz „Velo“ genannt, das Ziel, ein leichtes, aber unverwüstliches und zugleich preisgünstiges Gefährt zu bauen, das sich von den schweren motorisierten Kutschen jener Jahre abhebt – daher auch die Bezeichnung Velo, mit der Benz, selbst ein begeisterter Radfahrer, die Querverbindung zum Fahrrad herstellt. Entsprechend zierlich fällt das mit Drahtspeichenrädern ausgestattete
Fahrzeug auch aus, es ist gerade einmal 2,25 Meter lang und wiegt bei seinem Erscheinen 280 Kilogramm. Im Laufe der Modellgeschichte nimmt es freilich aufgrund diverser Modifikationen an Masse zu: Der Typ Comfortable aus dem Jahr 1902, am Ende der langen Modellgeschichte, wiegt 425 Kilogramm. Mit den Ansprüchen der Kunden steigt auch die Motorleistung. Aus den 1,1 kW des Ausgangsmodells werden im Laufe der Jahre bei unverändertem Hubraum 3,3 kW.
Preissteigernde Sonderausstattungen gibt es schon damals: Mit der Basismotorisierung von 1,1 kW kostet das Velo 2000 Mark. Mit 2 kW müssen 2200 Mark und damit 10 Prozent mehr bezahlt werden. Diese Leistung bietet auch das Velo Comfortable, das 500 Mark teurer als das Grundmodell ist. Von 1896 an kann das Velo gegen einen Aufpreis von 200 Mark auch mit einem Dreigang-Getriebe geordert werden. Als nützliches Zubehör offeriert Benz etwa Luftreifen (350 Mark), ein Halbverdeck mit Spritzleder (200 Mark) oder, gegen grelle Sonne, einen Parasol (100 Mark).
Das Velo wird in der Grundausführung bis 1900 gebaut, als Comfortable bis 1901. Es ist eine der wichtigsten Säulen des Fahrzeugprogramms von Benz & Cie. in der damaligen Zeit – und trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass Benz um die Jahrhundertwende der größte Automobilhersteller der Welt ist. Das zeigen auch die Produktionszahlen im Vergleich zur DMG: In den Jahren von 1894 bis 1900 baut Benz 2248 Fahrzeuge, denen 302 Fahrzeuge der DMG gegenüber stehen.
Benz 8/18 PS (1911)
Ein weiteres kleineres Fahrzeug ist der Benz 8/18 PS, den das Unternehmen 1911 vorstellt. Mit einem Preis von 8500 Mark für die Ausführung als Limousine ist er deutlich preisgünstiger als das 11.000 Mark kostende Vorgängermodell vom Typ 10/18 PS. Der Typ 8/18 PS verkauft sich überaus erfolgreich. Zugleich ist er ein frühes Beispiel für „Downsizing“. Denn im Vergleich beispielsweise zum Benz 18 PS von 1905 hat das Vierzylindermodell bei gleicher Leistung einen um fast rund 40 Prozent reduzierten Hubraum. Der Typ 8/18 PS ist damit effizienter und erhält eine günstigere Steuereinstufung – die 1906 eingeführte Luxussteuer für Automobile orientiert sich am Hubraum.
Der Typ 8/18 PS ist das Ergebnis eines unternehmensinternen Wettbewerbs, einen kleineren Wagen zu bauen, der preiswerter, robuster und billiger im Gebrauch ist als alle seine Vorgänger in dieser Klasse. Diese Voraussetzungen erfüllt am besten eine Konstruktion des Benz-Konstrukteurs Karl Ketterer. Er geht dabei arbeitsteilig vor: Die Herstellungs- und Materialkosten berechnet ein Kollege aus dem Einkauf, der in der späteren Geschichte der Daimler-Benz AG noch eine besondere Rolle spielen wird – Wilhelm Kissel. Ketterer gewinnt den Wettbewerb, und von 1911 bis 1921 wird der Typ 8/18 PS zur tragenden Säule des Personenwagenprogramms von Benz & Cie. Im Jahr 1912 erhält er eine Modellpflege und zugleich die Bezeichnung 8/20 PS.
Der Motor entwickelt aus einem Hubraum von 2 Litern eine Leistung von 13 kW bei 1800/min, die über ein Viergang-Getriebe an die Hinterräder abgegeben werden. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 62 km/h angegeben. Für den Typ 8/18 PS bietet Benz ein ungewöhnlich umfangreiches Karosserieprogramm an. Der Kunde hat die Wahl zwischen den Ausführungen Runabout in zwei
Ausstattungsvarianten, Sportwagen zweisitzig, Limousine und Landaulet. Die Werbung bringt es, im Sprachduktus der damaligen Zeit, auf den Punkt: „Vom Guten das Beste, wir sind bei unserem Wagen, dem 8/18 PS geräuschlos, dem von uns vertretenen Prinzip treu geblieben.“ Das Fahrzeug spricht viele bisherige Kunden an, zudem gewinnt das Unternehmen viele neue. Damit kann Benz in der Produktionsstückzahl seinen Abstand zur DMG deutlich vergrößern. So stehen den 9980 zwischen 1911 und 1914 von Benz produzierten Personenwagen 6327 Stück der DMG gegenüber.
Mercedes 8/18 PS (1911)
Die Daimler-Motoren-Gesellschaft reagiert genau wie der Konkurrent Benz & Cie. auf die verstärkte Nachfrage nach preiswerteren Qualitätsfahrzeugen im August 1911 mit einem neuen Modell. Der Mercedes 8/18 PS findet zwar nicht die gleiche Resonanz wie das Modell von Benz. Dennoch wird er für die DMG zum Erfolg, obwohl das Fahrgestell der Schwaben mit einem Preis von 7.000 Mark 11 Prozent teurer ist als das des Benz 8/18 PS. Der für die Produktion zuständige Vorstand Adolf Daimler berichtet seinen Kollegen, dass von den im Jahr 1911 von der DMG gebauten 1305 Fahrgestellen alleine 300 Stück dem „8/18 HP Cardan-Wagen zugerechnet werden müssen“. Zur Auswahl stehen die Aufbauten als Sport-Zweisitzer, Phaeton und Landaulet.
Wie die Mannheimer Konkurrenz erhöhen auch die Untertürkheimer 1912 die Leistung, und aus dem bisherigen 8/18 PS wird der 8/20 PS. Ein weiteres Jahr später erfolgt eine Hubraumerhöhung auf 2064 Kubikzentimeter, die mit einer Verlängerung des Radstands von 2760 Millimeter auf 2890 Millimeter einhergeht. Der nun 8/22 PS genannte Typ wird unverändert bis 1922 gebaut. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 60 km/h angegeben.
Beide Fahrzeuge haben ein ähnliches Fahrzeug- und Motorenkonzept. Gemeinsam sind ihnen der seitengesteuerte Vierzylindermotor, das Vierganggetriebe und der damals noch nicht selbstverständliche Kardanantrieb. Im Unterschied zum Benz-Motor mit seinen in einem Zylinderblock zusammengefassten Zylindern sowie Einlass- und Auslasskanälen hat der Daimler-Motor zwei Zylinderblöcke, die auf einem gemeinsamen Kurbelgehäuse sitzen und außen liegende Ein- und Auslasskanäle haben.
Detaillierte Produktionszahlen liegen für beide Modelle nicht vor. Sie sind aber zur damaligen Zeit die meistgebauten Automobile beider Hersteller: Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft haben rechtzeitig den Trend zum kleinen Qualitätsprodukt erkannt und marktgerecht darauf reagiert.
Mercedes 6/25 PS und Projekte der 1920er- und 1930er-Jahre
Ende 1921 überrascht die DMG in Berlin auf der ersten Automobil-Ausstellung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg mit dem kleinen Kompressortyp 6/20 PS. Unter der Bezeichnung 6/25 PS wird das neue Mercedes-Einsteigermodell zum ersten Serien-Pkw mit Kompressormotor – zusammen mit seinem Schwestermodell vom Typ 10/40 PS. Die innovative Motorentechnologie steht für Effizienz, ist aber auch anspruchsvoll und aufwendig. Dies verhindert größere Absatzzahlen, insbesondere für das Einsteigermodell vom Typ 6/25 PS, das von Ende 1922 bis 1924 in nur etwa 350 Exemplaren entsteht. Dennoch hat der Typ 6/25 PS seinen festen Platz in der Automobilgeschichte – bildet er doch die Grundlage für den einzigartigen Erfolg der Mercedes-Benz Kompressorwagen in den 1920er- und 1930er-Jahren.
Ein neuer Anlauf zu einem kleineren Fahrzeug erfolgt unmittelbar nach der Fusion von Benz & Cie. und der DMG zur Daimler-Benz AG. Unterhalb des ebenfalls neu entwickelten Sechszylindertyps Mercedes-Benz 8/38 PS (W 02, 1926 bis 1928) mit 2 Liter Hubraum ist ein Fahrzeug mit 1,4 Liter Hubraum vorgesehen, ebenfalls ein Sechszylinderwagen mit der unternehmensinternen Bezeichnung W 01. Von diesem werden acht Versuchswagen hergestellt, es kommt jedoch nicht zur Serienfertigung.
Ähnlich geht es beim zweiten Anlauf zu einem kleineren Mercedes-Benz aus. Vom Typ 5/25 PS mit Vierzylindermotor, der im Jahr 1928 projektiert wird, entstehen 28 Versuchswagen. Das Fahrzeug fällt allerdings, wegen fehlender Finanzmittel für die Erweiterung der Produktionsanlagen, dem Rotstift zum Opfer. Dieser kleine Mercedes ist zwar zeitgemäß, aber konservativ in seiner technischen Auslegung, vor allem im Hinblick auf das Fahrwerk mit Starrachsen vorn und hinten und einem Kastenrahmen.
Grundsätzlich lehnen sich diese für Mercedes-Benz kleinen Fahrzeuge konstruktiv eng an die bestehenden Sechszylinder-Typen mit 2 beziehungsweise 2,6 Liter Hubraum (von Ende 1928 an Typ Stuttgart genannt) sowie mit 3,1 beziehungsweise 3,5 Liter Hubraum (von Ende 1929 an Typ Mannheim genannt) an.
Von Beginn des Jahres 1929 an ist der von Benz kommende Hans Nibel alleiniger Chefingenieur. Mit ihm sind auch der Konstruktionschef Max Wagner und der Versuchschef Fritz Nallinger aus Mannheim gekommen. Nibel und Wagner hatten sich schon sehr früh mit fortschrittlichen Fahrwerkkonstruktionen vertraut gemacht. Erinnert sei an den Benz Mittelmotor-Rennwagen von 1923, der seiner Zeit weit voraus war. Nun setzen beide ihre Vorstellungen und Erfahrungen in die Praxis um.
Das erste Projekt ist die Baureihe W 17. Von diesem Versuchstyp entstehen 1931 zwölf Versuchsfahrzeuge. Er hat im Heck einen luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 18 kW und umreißt damit bereits die Eckdaten des späteren VW Käfers. Doch das Arbeitsgeräusch des Motors ist zu laut, und so wird dieses Konzept nicht weiter verfolgt. Interessant sind aus dieser Zeit sowohl der ganz frühe Prototyp mit Versuchskarosserie, der einem überdimensionalen Kohlenkasten mit Rädern zu großer Ehre gereichen würde, als auch ein sehr seriennaher und gefälliger Versuchswagen mit diversen formalen Ähnlichkeiten zum – viele Jahre später erscheinenden – VW Käfer.
Mercedes-Benz 170 (W 15, 1931 bis 1936)
Erfolgreich realisiert wird dagegen der Typ 170 (W 15). Das preisgünstige und technisch innovative Einstiegsmodell hat im Oktober 1931 auf dem Pariser Salon Premiere – und wird ein großer Verkaufserfolg. Im Jahr 1932 werden bereits 4438 Stück gebaut, mehr als die gesamte Produktionszahl aller Mercedes-Benz Pkw-Modelle des Vorjahres. So hat der W 15 großen Anteil daran, dass Daimler-Benz die wirtschaftlich schwierige Zeit der frühen 1930er-Jahre gut übersteht.
Als neueste technische Errungenschaft ist der Wagen vorn und hinten mit Schwingachsen, also einer Einzelradaufhängung, ausgerüstet. Die moderne Technik und die gefällige Form des Wagens finden ebenso Anklang wie der trotz des Sechszylindermotors niedrige Preis. Als viertürige Limousine kostet das Fahrzeug 4400 RM, also fast 1600 RM weniger als die günstigste Ausführung des Typ Stuttgart. Er steht somit als hubraumkleinstes und preisgünstigstes Fahrzeug am unteren Ende des Mercedes-Benz Pkw-Programms.
Im ersten Produktionsjahr wird der Typ 170 nur als viertürige Limousine und als viersitziges Cabriolet C angeboten. Bemerkenswert ist der zwar kleine, aber serienmäßige Außenkoffer, zunächst in freistehender Ausführung und von 1934 an direkt mit der Karosserie verbunden. Von April 1932 an wird auch das Fahrgestell zur Fremdkarossierung angeboten. Im September 1932 ergänzt ein zweisitziger „Roadster in Spezial-Ausführung“ die Modellpalette, ein Jahr später folgte das „Spezial-Cabriolet A“, das mit einem Preis von 7000 RM die teuerste Variante des Typ 170 wird. Im Februar 1934 kommt noch ein zweitüriger Tourenwagen mit vier Sitzen hinzu, der wahlweise mit Sindelfinger Karosserie oder Fremdkarosserie erhältlich ist. Die viertürige Limousine kann
vom gleichen Zeitpunkt an auf Wunsch mit einem Rolldach aus Sindelfinger Produktion ausgerüstet werden.
Im Februar 1935 debütiert außerdem eine zweitürige Limousine, die bereits das Karosseriedesign des Nachfolgemodells
Mercedes-Benz 170 V vorwegnimmt; gleichzeitig wird für alle Aufbauvarianten der seitherige Flachkühler durch einen Kühler mit flacher Keilform ersetzt.
Außer den genannten Karosserievarianten wird der Typ 170 in den Jahren 1932 bis 1935 auch als Kastenlieferwagen für 300 Kilogramm Nutzlast angeboten. Die Typenbezeichnung L 300 entspricht der Nomenklatur der Mercedes-Benz Lastwagenmodelle.
Der Typ 170 wird im Frühjahr 1936 vom Typ 170 V (W 136 – bis 1942) abgelöst, der mit seinem Vorgänger außer der Hubraumklasse nichts mehr gemein hat. Technisch vollkommen neu konzipiert, ist der Typ 170 V mit einem Vierzylindermotor ausgestattet. Vom Mercedes-Benz 170 werden insgesamt 13.775 Stück gebaut. Dazu kommen noch einmal 126 Exemplare der Lieferwagenvariante L 300.