Hauptkategorie:
>
>
Béla Barényi (1907 bis 1997)
Die Lösung des zentralen automobilen Sicherheitsproblems, die eine geradezu kopernikanische Wende in der Automobilkonstruktion einleitet, liefert Barényi mit seinem 1951 angemeldeten Patent 854 157, das „Fahrzeuge mit stabiler Fahrgastzelle und verformbarer Hinter- und Vorderfront“ beschreibt. Acht Jahre später präsentiert Daimler-Benz die Baureihe W 111 und damit das erste konsequent nach diesem Patent konstruierte Fahrzeug. Diese eine Erfindung hätte ein Konstrukteursleben allemal gerechtfertigt; bei Barényi waren es im Ganzen 2500 Innovationen.
Oft muss er seine Erfinderehre erkämpfen. Elf Prozesse hat er im Lauf seines Lebens geführt. Er hat keinen davon verloren, was ihn ganz besonders stolz macht.
Viele seiner Erfindungen kreisen um die Automobilsicherheit und begleiten uns tagtäglich. Dazu gehören beispielsweise das konkav gewölbte Sicherheits- und Mehrzweckdach, der Flankenschutz, das Sicherheitslenkrad und der Überrollbügel. Als Jahrhundert-Erfindung gilt vor allem die Sicherheitslenksäule. Mit dieser zweiteiligen Lenksäule, deren gegeneinander gekehrte Enden durch ein ungeführtes, allseits nachgiebiges, als knickschwacher Deformationskörper ausgebildetes Kupplungsglied verbunden sind, endet eine Epoche, in der „die Autos mit Spießen bewehrte rollende Käfige waren“ wie es der Heidelberger Unfallmediziner Prof. Gögler damals formuliert. Das zugehörige Patent wird 1963 erteilt und erstmals in der Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe W 116 im Jahr 1972 umgesetzt.
Béla Barényi, Kind der „k. und k.“ Monarchie („kaiserlich und königlich“), wird am
1. März 1907 in Hirtenberg bei Wien geboren. Der Vater fällt im ersten Weltkrieg. Die Mutter zieht mit Béla und seinen beiden Geschwistern nach Wien, wo dieser die Realschule besucht. Nach einem Praktikum bei der Automobil- und Maschinenfabrik Fischl, Trenkler, Weiser & Co., bei dem er als praktische Arbeit einen Rennschlitten mit Sicherheitslenkrad fertigt, beginnt er 1924 sein Studium am Technikum in Wien. Dort entwickelt er verschiedene Fahrzeugkonzepte, so auch eines für den kommenden Volkswagen mit Front- und Heckantriebsanordnung. Der Heck-Boxermotor mit liegenden Zylindern, alternativ als Vier- oder Sechszylinder, hat Luftkühlung und eine längs liegende Kurbelwelle. Der Motor liegt hinter, das Getriebe vor der Achse. Dieses Volkswagenkonzept von Barényi wird erstmals im Juni 1934 in der Pariser Automobilzeitschrift „Omnia“ im Artikel „Faisons le point...“ („Machen wir einen Punkt...“) veröffentlicht. Nicht zuletzt deshalb gilt er neben Hans Ledwinka als der Erfinder des Volkswagenkonzepts, wie es Ferdinand Porsche umsetzt. Seine Abschlussarbeit aber schreibt Barényi über einen Sechszylinder-Benzinmotor mit einer Leistung von 50 PS (37 kW) Leistung. Er arbeitet für die Steyr-Werke, Austro-Fiat und Adler, bis er 1934 zur Gesellschaft für technischen Fortschritt (Getefo) in Berlin stößt. Dort beschäftigt er sich mit der Chassiskonstruktion, Problemen der Schwingungs- und Geräuschisolierung und der Entwicklung von Fahrzeugfamilien in Modulbauweise, damals noch als Zellenfahrzeuge apostrophiert.
1939 kommt Barényi durch die Unterstützung seines ehemaligen Arbeitskollegen Karl Wilfert zu Daimler-Benz. Der damalige Vorstandsvorsitzende Haspel stellt ihn mit der Begründung ein: „Ein Haus wie Daimler-Benz kann nicht von der Hand in den Mund leben. Herr Barényi, Sie denken 15 bis 20 Jahre voraus. Sie kommen in Sindelfingen unter einen Glasstutz. Was Sie erfinden, geht direkt an die Patentabteilung.“ So hat er in der ansonsten recht rauen Welt einer industriellen Konstruktionsabteilung einen quasi universitären Status, der ihm ungestörtes Arbeiten ermöglicht. Diesen Umstand nutzt er weidlich. Schon 1955 hatte Barényi die Konstruktion eines sicheren Kleinwagens vorgelegt, die er in der ihm eigenen Art DVA („Das vernünftige Auto“) nennt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1972 arbeitet er bei Daimler-Benz in Sindelfingen.
Viele Ehrungen werden dem Automobilpionier in seinen letzten Lebensjahren zuteil, darunter 1987die Aufnahme in die Erfindergalerie des Deutschen Patentamts, 1994 die Aufnahme in die Automotive Hall of Fame, Dearborn, und 1995 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Béla Barényi stirbt am 30. Mai 1997 in Böblingen. 2007, pünktlich zu seinem 100. Geburtstag, erfährt der geniale Konstrukteur mit der Aufnahme in die European Automotive Hall of Fame, Genf, eine weitere große Ehrung.
Aktionen
Ihr Presse-Ansprechpartner
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 (0)711 17 49049
Fax: +49 (0)711 17 790 97310
© 2013 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten.
Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen