Gottlieb Daimler (1834 bis 1900)
Gottlieb Daimler ist der Erfinder des kleinen schnell laufenden Verbrennungsmotors und einer der Gründungsväter der heutigen Daimler AG, der ältesten Automobilfabrik der Welt. Er wird am 17. März 1834 in der 4000 Seelen umfassenden Gemeinde Schorndorf bei Stuttgart als Sohn eines Bäckermeisters geboren. Sein frühes technisches Interesse veranlasst seine Eltern, ihn zu einem Büchsenmacher in die Lehre zu geben. Als Schüler der Gewerblichen Fortbildungsschule in Stuttgart und später der Polytechnischen Schule wird er von Persönlichkeiten wie Ferdinand Steinbeis und Friedrich Messmer gefördert.
Sein erstes berufliches Engagement findet Daimler bei Straub & Sohn in Geislingen/Steige (Vorläufer der Württembergischen Metallwaren Fabrik, WMF) als Zeichner und im Anschluss daran 1863 beim Bruderhaus in Reutlingen. Dort trifft er auf Wilhelm Maybach, der von da an seinen Lebensweg begleiten wird.
Bei der Maschinenbau Gesellschaft Karlsruhe erhält Daimler 1869 erstmals eine leitende Position. In der Gasmotorenfabrik Deutz AG wird er dann 1872 technischer Direktor. 1882 macht er sich in Cannstatt zusammen mit Wilhelm Maybach daran, den von Nikolaus Otto erfundenen Viertakt-Motor zu verkleinern, um ihn für den mobilen Einsatz zu qualifizieren – ein langer und mühevoller Weg. Der von Daimler geschaffene kleine und schnell laufende Benzinmotor revolutioniert den Motorenbau und macht es erstmals möglich, Fahrzeuge aller Art anzutreiben: 1885 ein – aus Holz gefertigtes – Motorrad, 1886 ein Motorboot und eine Motorkutsche und 1887 eine Draisine, eine Miniaturstraßenbahn, einen Bahntriebwagen und 1888 einen Lenkballon.
Daimler beginnt, seine Idee in die Welt zu tragen. In Frankreich und England geben seine Aggregate den Anstoß für die dortige Motorisierung. In Amerika wird ein modifizierter Stahlradwagen das erste Auto, das eine Straße der Neuen Welt unter die Räder nimmt.
Daimlers erste bescheidene Fabrikationsstätte liegt auf dem Seelberg in Cannstatt. Er entschließt sich 1890, zusammen mit Max Duttenhofer und Wilhelm Lorenz eine Aktiengesellschaft zu gründen. Das Grundkapital der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) beträgt 600 000 Mark, wobei Lorenz und Duttenhofer je 200 000 Mark einzahlen und Daimlers Einlage aus den Fabrikationsanlagen und Erfindungen besteht, die ebenfalls als ein Drittel der Einlagen bewertet werden. Damit hat Daimler seine Sache unter Wert verkauft und sich darüber hinaus in die Hände seiner Kompagnons begeben, die ihn aufgrund der Verteilung des Aktienbesitzes jederzeit überstimmen können. Als verhängnisvoll erweist sich, dass Duttenhofer vor allem daran interessiert ist, die DMG mit den Deutzer Gasmotorenwerken zu einem großen Motorenhersteller zu fusionieren. Duttenhofer und Lorenz versuchen nun gezielt, Daimler aus der Gesellschaft zu drängen.
Als dieser die Absichten seiner Kompagnons durchschaut, initiiert er im stillgelegten Gartensaal des Hotels Hermann in Cannstatt zusammen mit Wilhelm Maybach einen aus privaten Mitteln finanzierten Versuchsbetrieb. Hier wird zwischen 1892 und 1895 an der Weiterentwicklung des Automobils und am schnell laufenden Benzinmotor gearbeitet, während man bei der DMG versucht, im Stationärmotorengeschäft Fuß zu fassen.
1894 nötigt man Daimler durch Androhung des Konkurses, seinen DMG-Aktienanteil zu einem Drittel des ursprünglichen Werts zu verkaufen. Daimlers Ausscheiden sollte dem Unternehmen kein Glück bringen: Die Entscheidung, sich auf den Boots- und Stationärmotorenmarkt zu konzentrieren, ist strategisch gesehen falsch gewesen. Als Duttenhofer erkennt, dass der Gesellschaft ein fähiger Konstrukteur fehlt, versucht er Maybach zurückzugewinnen, was dieser jedoch mit dem Hinweis ablehnt, dass eine Rückkehr nur zusammen mit Daimler möglich sei. Darauf hätte sich Duttenhofer wohl nie eingelassen, wäre nicht ein anderer Umstand hinzugekommen, der einen Sinneswandel in der Geschäftsleitung auslöst. Der von Wilhelm Maybach im Hotel Hermann konstruierte Phoenix-Motor ist eines der modernsten Aggregate seiner Zeit und sorgt weltweit für Furore. Der Name Daimler-Motor ist plötzlich in aller Munde. Eine Gruppe englischer Industrieller, deren Sprecher Frederick R. Simms ist, bietet für die Lizenzrechte an der Maschine den damals horrenden Betrag von 350 000 Mark. Allerdings macht man den Abschluss des Vertrags davon abhängig, dass Daimler wieder ins Unternehmen einsteigt. Sowohl Daimler als auch Maybach und mit ihnen auch die bis dato im Hotel Hermann arbeitende Mannschaft kehren in die DMG zurück und werden mit dieser verschmolzen. Nun schwenkt auch Duttenhofer auf Daimlers Linie ein. Bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens hat Daimler sich durchgesetzt. Er erhält seinen Anteil in Höhe von 200 000 Mark sowie den Genuss-Schein in Höhe von 100 000 Mark zurück und bekleidet nun die Position eines Sachverständigenbeirats und Generalinspektors.
Gottlieb Daimler stirbt am 6. März 1900. Sein Werk ist weit umfassender aufgegangen, als er dies selbst je zu ahnen vermochte: Die Motorisierung zu Wasser, zu Lande und in der Luft ist auf der ganzen Welt Wirklichkeit geworden. Posthum wird er 1978 in die Automotive Hall of Fame, Dearborn, und 2001 in die European Automotive Hall of Fame, Genf, aufgenommen.
In diesem Jahr wäre Gottlieb Daimler 175 Jahre alt geworden.
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