Begegnungen – die Frauen des Sterns
Stuttgart
30.11.2011
Daimler-Futurologin Sabine Engelhardt
Verheißung. Die Zukunft ist weiblich.
Welche Anforderungen muss das Automobil der Zukunft erfüllen? Wie werden wir in 20, 30 Jahren reisen? Wohin wird sich unsere Gesellschaft entwickeln und was bedeutet dann Lebensqualität? Fragen, mit denen sich Sabine Engelhardt Tag für Tag beschäftigt. Sie ist Futurologin in der „Forschung Gesellschaft und Technik“ bei der Daimler AG. Hier werden gesellschaftliche und technische Innovationen zu Zukunftskonzepten verbunden, die sich in Form von Forschungsfahrzeugen sogar anfassen lassen. Die Sterne deutet Engelhardt zwar nicht, aber die Zukunft für den Stern.
In ihren Job ist die gebürtige Wormserin eigentlich nur so reingerutscht. „Das hat mich kalt erwischt“, sagt Sabine Engelhardt, die zunächst eine Ausbildung zur wissenschaftlichen Diplombibliothekarin in Stuttgart absolvierte – und dann „etwas anderes machen“ wollte. Etwas Spannenderes, aber mit Büchern sollte es schon zu tun haben. „Meine Mutter war Buchhändlerin, daher gehörten Bücher schon immer zu meinem Leben.“
Engelhardt studierte Informationswissenschaften, Publizistik und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Als sie ihre Magisterarbeit über künstliche Intelligenz schrieb, gab ihr Professor ihr den Tipp, sich an Alexander Mankowsky, den Trend- und Zukunftsforscher der Daimler AG, zu wenden. Eine Empfehlung, die ihr Leben veränderte. „Ich ging zu ihm, wollte eigentlich nur einen Ansprechpartner für meine Arbeit und kam mit einem Arbeitsvertrag wieder raus.“
Eintauchen in die Metropolen dieser Welt
Seit 16 Jahren arbeitet sie nun in einer Position, auf die keine klassische Jobbeschreibung zutrifft. Eine Informationswissenschaftlerin und Philosophin, die die automobile Zukunft erforscht. Gemeinsam mit Mankowsky bereist sie die „Global Cities“, die Entstehungsorte von Innovation und Kreativität. Sozusagen mit einem „weiblichen“ und einem „männlichen“ Blick tauchen die beiden in die verschiedenen Lebenswelten ein und spüren den Entwicklungen des Zeitgeists nach.
Es geht um kulturelle Bewegungen und um gesellschaftlichen Wandel, um Werte und Sehnsüchte. Sie besuchen Ausstellungen und Messen, Museen, Modeschauen und Einkaufszentren. „Wir beobachten, welche Menschen was kaufen, worauf sie Wert legen, was sie bewegt und wie sie leben“, erklärt Sabine Engelhardt. Dabei ergänzen die beiden sich perfekt: Während Alexander Mankowsky mehr das große Ganze im Blick hat, achtet sie eher auf die vielen Details. „Ich bin detailverliebt, eher das, was man als weiblich vermutet.“
Das Weibliche an sich spielt in ihrer Zukunftsforschung eine wesentliche Rolle. Dabei geht es nicht um „die“ Frau, denn die gibt es nicht als globalen Welttyp. Im Fokus steht vielmehr das Feminine im Sinne von Lebensqualität, Sinnlichkeit, Schönheit und Luxus. „Die Marke Mercedes war schon bei ihrer Geburt von einem einzigartigen Verhältnis von Eleganz, Schönheit und Technik geprägt, daher haben wir das Feminine und dessen Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft und ihrer Kultur besonders im Blick“, sagt die 46-Jährige.
Und genau dieser Einfluss werde in Zukunft wieder wachsen. „Eine spannende Zeit steht bevor, denn die europäische Geschichte zeigt, dass eine Kultur immer dann reicher, feiner und produktiver war, wenn sie auch feminin sein durfte“, sagt die begeisterte Frühaufsteherin und Naturliebhaberin. Wenn sie nicht irgendwo in der Welt unterwegs ist, steht sie schon morgens um fünf Uhr auf und beginnt den Tag bei einem Ausritt mit ihren drei Ponys.
Das Zeitalter der Weiblichkeit beginnt
Ob Mode, Architektur oder Automobile – seit einigen Jahren beobachten Engelhardt und ihr Kollege in immer mehr Bereichen die Tendenz zu einer Neudefinition von Lebensqualität. „Die Menschen wollen nicht mehr ständig neuen Trends hinterherjagen, heute das Neueste und Glitzerndste besitzen und morgen wieder wegwerfen.“ Stattdessen wachse verstärkt die Suche nach dem Authentischen, dem Einzelstück, am liebsten handsigniert. Gütesiegel wie „Made in Germany“ oder „Made in USA“ gewännen wieder an Bedeutung.
„Das Anonyme der Globalisierung ist den Menschen unheimlich geworden“, sagt die Trendforscherin. „Sie misstrauen den Waren, die sie umgeben, und suchen wieder nach Halt, nach dauerhaften Werten und Sicherheit.“ Man will wissen, wo ein Produkt herkommt, von wem und unter welchen Arbeitsbedingungen es hergestellt wurde. Dieser Trend zeigt sich zum Beispiel in der Modebranche: „Kleidungsstücke so mancher Designer lassen sich im Internet bis zum Baumwollfeld zurückverfolgen oder Wolle aus Großbritannien wird zusammen mit einem Foto vom Schaf gezeigt.“ Auch in der Parfümbranche findet ein Wechsel statt. Parfümeure, die bislang eher zugunsten des Markennamens im Hintergrund standen, treten immer öfter namentlich
in Erscheinung.
Im Zusammenspiel mit vielen weiteren Beobachtungen ist dieser Trend für die beiden Zukunftsforscher ein klarer Hinweis darauf, dass die erste Phase der Globalisierung, die 1989 mit dem Berliner Mauerfall begann, zu Ende geht. Sabine Engelhardt: „Es war eine männlich dominierte Phase, die von Anonymität, Eroberung und Bereicherung gekennzeichnet ist.“
Als Gegenbewegung beginnt eine neue Epoche. „Und die“, so Engelhardt, „wird viel weiblicher sein.“ Denn: Lebensqualität in maßvoller Schönheit und die Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Familie und Vertrauen werden wieder stärker im Fokus stehen. Gewünscht seien Produkte, „die umweltverträglich, aber gleichzeitig auch zeitlos schön und qualitativ hochwertig sind“. Die europäische Kultur mit ihrem Verständnis von Genuss, Eleganz und Stil wird weltweit wieder als erstrebenwertes Lebensmodell angesehen.
Luxus wird neu definiert
Für Mercedes-Benz sei dieser gesellschaftliche Wandel ein gutes Omen. „Unsere Fahrzeuge erfüllen exakt die neuen Sehnsüchte der Menschen.“ Denn zum einen gilt Mercedes-Benz weltweit als Sinnbild für stilvolle Eleganz und hohe Sicherheit. Und zum anderen hat Daimler, nicht zuletzt dank Trendforschung, schon frühzeitig eine Nachhaltigkeitsstrategie mit unterschiedlichen Antriebskonzepten entwickelt.
Also die besten Voraussetzungen, um für die neue Epoche „Fahrzeuge zu entwickeln, die dem Aufbau von Lebensqualität in maßvoller Schönheit entgegenkommen“. Die Herausforderung, sagt die Forscherin, liegt in der Neubestimmung des europäischen Luxus als Lebensqualität in einer Welt, die „grün“ wird – eben Green Luxury. Das heißt für Mercedes-Benz: noch mehr Umweltverträglichkeit, noch mehr handwerkliche Perfektion, noch mehr Sicherheit und noch mehr zeitlose Eleganz. So ist beispielsweise die neue M-Klasse um bis zu 25 Prozent sparsamer als ihre Vorgängerin. Und im Innenraum wartet sie, wie auch die neue B-Klasse, mit einem neuen Komfortniveau auf. „In den nächsten beiden Jahren“, verrät Engelhardt, „werden wir im Interieur der neuen A-Klasse und der neuen S-Klasse in Qualität und Handwerkskunst eine völlige Neudefinition von Luxus erleben.“
Einen anderen Job kann Sabine Engelhardt sich heute nicht mehr vorstellen. „Hier will ich sein“, sagt sie voller Leidenschaft. Eine Frau mit Prinzipien, die sich nicht versteckt oder verkleidet. „Business-Kostüme sind nicht meine Welt“, lacht sie. Aber Mercedes-Benz, das ist ihre Welt – auch privat. In einer „Heckflosse“ aus den 1970er-Jahren hatte sie ihre ersten Fahrversuche gemacht. „Das hat mich geprägt.“ Ein Mercedes-Benz verkörpert für sie die perfekte Verbindung der männlichen Elemente „Leistung und Innovation“ mit den weiblichen Elementen „Schönheit und Eleganz“. Heute fährt sie ihren absoluten Traumwagen, eine G-Klasse von 1999. Ein Fahrzeug, das man nur noch selten sieht. Daher ist sie im Stuttgarter Raum bekannt wie ein bunter Hund – als „die Frau mit der G-Klasse“.
Der Duft der Trendforschung
Sabine Engelhardt arbeitet seit 1995 als Zukunftsforscherin in der „Society & Technology Research Group“ der Daimler AG, die sich mit sozialwissenschaftlichen Trends und Veränderungen beschäftigt. Ihr Arbeitsbereich ist „Kultur und Auto“, die Erforschung der Wechselwirkung von Zeitgeist und Mobilität. Mit wissenschaftlichen Methoden analysiert sie Zeitgeistströmungen und langfristige gesellschaftliche Trends. Die Forschungsergebnisse fließen in Strategien und Produkte für alle Marken – Mercedes-Benz, Maybach, smart und AMG – ein.
So hatte Daimler zum Beispiel frühzeitig den weltweiten Wandel vom „Öko des Verzichts“ zum „Greening“ im Sinne von Green Luxury erkannt und eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die auf die verschiedenen Lebensstile und Mobilitätsbedürfnisse der Menschen optimal eingeht. Sie zeichnet sich durch einen intelligenten Fahrzeugmix mit unterschiedlichen Antriebskonzepten aus – vom Elektro-Auto für die Stadt (smart fortwo electric drive und familientaugliche A-Klasse E-CELL) über ein Brennstoffzellenfahrzeug für größere Reichweiten (B-Klasse F-CELL) bis hin zur weltweit sparsamsten Luxuslimousine (S 250 CDI BlueEFFICIENCY) und einem Elektro-Supersportwagen (SLS AMG E-CELL), der 2013 in die Showrooms kommt.
Auf Basis ihrer Trendanalysen hat Sabine Engelhardt auch ein eigenes Produkt entwickelt – eine weltweit einzigartige Beduftungsanlage für Maybach. Auf Knopfdruck wird aus dem kugelförmigen Flakon Parfüm freigesetzt. Gemeinsam mit der international gefragten Pariser Parfümeurin Ursula Wandel hat sie zwei Düfte kreiert. „Natürlich kann auch jeder sein eigenes Parfüm einfüllen“, sagt die Forscherin. Binnen weniger Monate nach der Markteinführung im April 2010 avancierte die Duftkugel zu einem der meistverkauften Accessoires für die Luxuslimousinen.
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