Begegnungen – die Frauen des Sterns
Stuttgart
30.11.2011
Bertha Benz & Co. – die Anfänge
Ouvertüre. Verführung zur Vorfahrt.
Im Jahr 1886 erfanden Carl Benz und Gottlieb Daimler unabhängig voneinander das Automobil. Doch die von Männern dominierte Welt war zunächst skeptisch und glaubte nicht an die Zukunft dieses selbstfahrenden Wagens. Für sie galt die Dampfeisenbahn als Monopol für die neue Mobilität zu Lande. Erst durch die Tatkraft von zwei willensstarken Frauen gelang der revolutionären Erfindung der Durchbruch. Und immer wieder waren es Frauen, die Pioniertaten mit dem Automobil unternahmen und damit den Lauf der Welt veränderten.
Die Frau, das zarte Geschlecht, das sich die Hände nicht schmutzig machen soll, das keine Ahnung vom Geschäft und erst recht nicht von Technik hat. Mit diesem gängigen Frauenbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatten Bertha Benz und Louise Sarazin nichts gemein. Im Gegenteil: Sie waren die Geburtshelferinnen der automobilen Revolution.
Bertha Benz und die erste automobile Fernfahrt
Bertha Benz glaubte fest an den Traum ihres Mannes Carl vom „pferdelosen Wagen“. Immer wieder bestärkte sie ihn und machte ihm Mut, wenn er bei scheinbar unlösbaren Problemen aufgeben wollte. Mehr noch: Die Tochter eines wohlhabenden Zimmermanns und Baumeisters setzte auch ihre Mitgift ein und arbeitete selbst in der Werkstatt mit. In mühevoller Handarbeit wickelte sie für die Zündung des Motors unzählige Induktionsspulen.
Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Doch der große Erfolg blieb zunächst aus. Niemand wollte das erste Automobil der Welt kaufen. Während der geniale Ingenieur von großen Selbstzweifeln geplagt wurde, glaubte seine visionäre Gattin weiter an die Zukunft des Automobils. In ihrem unerschütterlichen Mut und Tatendrang unternahm sie im August 1888 ohne Wissen ihres Mannes mit ihren Söhnen Eugen und Richard die erste Langstreckenfahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen von Mannheim nach Pforzheim und zurück.
Damit war sie der erste Mensch in der Automobilgeschichte, der eine Fernfahrt machte. Gleichzeitig war diese Fahrt der erste Dauerbelastungstest und die erste Werbereise für ein Automobil. Und Bertha Benz wurde notgedrungen zum ersten Kfz-Mechaniker der Welt. Mit einer Hutnadel machte sie unterwegs den verstopften Vergaser frei und mit einem Strumpfband isolierte sie ein durchgebranntes Kabel an der Nockenwelle. Nach der erfolgreichen Reise sagte sie ihrem Mann, dass der Wagen für die Berge einen Gang mehr brauche.
Bei so viel Frauenpower ist es nicht verwunderlich, dass auch einer der ersten Käufer eines „Benz“ eine Frau war – eine Lehrerin aus Ungarn. Da sie sich den Wagen allein nicht leisten konnte, übertrug sie ihre Begeisterung auf einen Kollegen, der sich dann beteiligte.
Louise Sarazin und der Durchbruch der Automotoren
Auch Gottlieb Daimler verdankte den Durchbruch seiner schnell laufenden Fahrzeugmotoren einer Frau – der Französin Louise Sarazin. Sie übernahm 1888 den Vertrieb der Daimler-Motoren in Frankreich. Ihr Mann war kurz zuvor gestorben und hatte sie gebeten, die Verbreitung von Daimlers Erfindung in Frankreich fortzusetzen. Gottlieb Daimler vertraute ihr und lag damit goldrichtig.
Louise Sarazin behauptete sich in der männlichen Geschäftswelt und leistete tatkräftige Überzeugungsarbeit für die neuen Motoren und deren Einsatzmöglichkeiten im Individualverkehr. Im Februar 1889 schlossen Daimler und Sarazin einen Vertrag, der letztendlich die Einführung des Automobils im technikbegeisterten Frankreich besiegelte. Die geschäftstüchtige Französin kurbelte die Serienproduktion der Daimler-Fahrzeugmotoren an. Und die deutsche Erfindung trat so von Frankreich aus ihren Siegeszug in die Welt an.
Mercedes und die Triumphe im Rennsport
Überzeugt vom selbstfahrenden Wagen, forderte die Männerwelt immer leistungsstärkere und schnellere Fahrzeuge und entwickelte ihre Liebe zu Autorennen. An der Spitze des aufkeimenden Rennsports triumphierte ein Frauenname: Mercedes. Auf Wunsch des in Nizza lebenden österreichischen Geschäftsmanns Emil Jellinek, der mit Daimler-Fahrzeugen handelte und sie zu Rennveranstaltungen anmeldete, führte die Daimler-Motoren-Gesellschaft im Jahr 1900 diesen Namen für ihre Automobile ein. Es war der Kosename von Jellineks ältester Tochter. Bis heute ist Mercedes-Benz die einzige Automobilmarke, die einen weiblichen Namen trägt.
Schon das erste Fahrzeug mit diesem wohlklingenden spanischen Namen, der Mercedes 35 PS, sorgte im März 1901 auf der Rennwoche von Nizza für Furore. Und das nicht nur, weil er dank fortschrittlichster Technik gleich mehrere Rennen haushoch gewann, sondern auch aufgrund seines außergewöhnlich eleganten Designs, mit dem er seinem Namen alle Ehre machte. Mercedes bedeutet im Spanischen „Anmut“ oder „Grazie“. Der Mercedes 35 PS gilt als Urtyp des modernen Automobils und entwickelte sich mit seiner fortschrittlichen Fahrzeugarchitektur zum Vorbild der gesamten Automobilindustrie. Paul Meyan, damaliger Generalsekretär des Automobilclubs von Frankreich, sagte nach der Rennwoche: „Wir sind
in die Ära Mercedes eingetreten.“
Seither ist der Markenname Mercedes, der nach der Fusion der Unternehmen von Daimler und Benz im Juni 1926 in Mercedes-Benz geändert wurde, Ausdruck und Verpflichtung zugleich. Wie kein anderes Automobilunternehmen versteht es Mercedes-Benz, die femininen Elemente Schönheit und Eleganz mit den maskulinen Elementen Leistung und Technik zu verbinden.
Der erste Führerschein und das erste Raser-„Knöllchen“
Auch jenseits von Benz und Daimler waren es Frauen, die als Pioniere Automobilgeschichte schrieben. Die erste Person, die eine Führerscheinprüfung ablegte, war 1898 die französische Herzogin Anne d’Uzès. Sie war auch der erste Mensch, der einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekam. Statt der erlaubten 12 km/h war sie mit 15 km/h im Bois de Boulogne bei Paris unterwegs. „Erst wollte ich keines dieser unsäglichen, krachmachenden Automobile haben. Aber dann hat mir das Fahren doch riesigen Spaß gemacht“, soll die Herzogin gesagt haben. Für die deutsche Führerscheinpremiere sorgte Amalie Hoeppner. 1909 absolvierte sie in Leipzig die Fahrprüfung.
Gegen Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch bereits die ersten Damen-Autoclubs gegründet. Hier trafen sich Frauen, um gemeinsame Autofahrten zu planen und darüber zu diskutieren, wie Fahrkomfort und Sicherheit der Autos verbessert werden können. Somit beeinflusste das zarte Geschlecht von Anfang an die Techniker und Karosseriebauer.
Clärenore Stinnes und die erste automobile Weltumrundung
Zur ersten Umrundung der Welt mit einem Automobil startete am 25. Mai 1927 in Frankfurt die Industriellentochter Clärenore Stinnes, die damals als erfolgreichste Rennfahrerin Europas galt. Begleitet wurde sie von ihrem späteren Ehemann, dem Fotografen Carl-Axel Söderström, einem Lastwagen und zwei Technikern. Nach zwei Jahren und einem Monat fuhr sie mit ihrem Adler Standard 6 auf der Avus in Berlin über die Zielgerade. Der Tachometer zeigte 46.758 Kilometer an.
Ihr Presse-Kontakt
Tobias
Müller
Marken-, Lifestyle- und Social-Media Kommunikation Mercedes-Benz Cars
Tel.: +49 711 17-77368
Fax: +49 711 17790-95378
Melanie
Graf
Marken-Kommunikation Mercedes-Benz Cars sowie Lifestyle-Kommunikation Maybach, AMG und Mercedes-Benz Design
Tel.: +49 711 17-76876
Fax: +49 711 17790-51944
Valerie
Dollinger
Human Resources/Diversity, Demografie
Tel.: +49 711 17-40654
Fax: +49 711 17790-80471
Download gesamter Text
Weitere Dokumente
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen