In den 1920er- und 1930er-Jahren bietet Mercedes-Benz diverse Fahrzeugtypen an, deren Bezeichnung vordergründig das Fahrgestell mit Motor charakterisiert; dafür sind dann ab Werk diverse Karosserievarianten im Programm, mitunter sogar zehn verschiedene und mehr. Es ist zugleich die Zeit der Karossiers im Automobilbau: Viele Kunden lassen sich ein Fahrgestell ganz nach eigenen Wünschen einkleiden.
Doch die sogenannte „Sindelfinger Karosserie“ aus der hauseigenen Fertigung setzt sich schließlich durch. Sie beweist Stilsicherheit – sowohl des Fahrzeugbesitzers als natürlich auch der Mercedes-Benz Stilisten, wie die Designer damals noch genannt werden. Sie schaffen Skulpturen von zeitloser Eleganz auf Rädern.
Coupés gibt es nicht in jeder Baureihe; meist ist aber zumindest eine Variante erhältlich, die auf einen ähnlichen Käuferkreis abzielt. So kommt zum Beispiel der Mercedes-Benz 290 (Baureihe W 18), gebaut Mitte der 1930er-Jahre, in der langen Ausführung mit Stromlinienkarosserie an das Bild eines Coupés heran – doch sind es vier Türen, die Zugang zum Innenraum bieten. Jahrzehnte später greift der CLS (Baureihe C 219, Markteinführung im Jahr 2004) ein ähnliches Prinzip wieder auf, wobei er aufgrund des niedrigen und gestreckt wirkenden Daches noch mehr wie ein Coupé wirkt.
Den Typus Sport-Limousine, gern in Wettbewerben eingesetzt, gibt es zum Beispiel in kleineren Baureihen wie dem Typ 130 (W 23) oder dem Typ 230 (W 153) – in beiden Fällen mit zwei Türen.
Gewissermaßen Starruhm mit Coupé-Genen genießt insbesondere in den 1930er-Jahren die Karosserieform des Autobahnkuriers, die für die luxuriösen Typen 500 K (W 29) und 540 K (W 29) geschaffen wird. Der Name wird aus den damals aufkommenden Schnellstraßen abgeleitet: In eine Stromlinienkarosserie eingekleidet, kann man den Autobahnkurier förmlich über die – im Vergleich zu heute noch äußerst leeren – Fernstraßen dahinfliegen sehen. Er ist der Inbegriff von Modernität, aber auch von Exklusivität. Denn wer sich damals solch ein Fahrzeug leistet, ist sicherlich ein Mensch, der den besonderen Auftritt schätzt und einen mobilen Lebensstil führt.
Gern wird ein Fahrgestell mit zurückversetztem Motor als Basis verwendet, der dann gestreckter wirkende Vorderwagen mit langer Motorhaube unterstreicht den Coupé-Charakter des Fahrzeugs. Meist sind auch die Hinterräder verkleidet.
Ein Autobahnkurier fasziniert, und das bis zum heutigen Tag. Weltweit bekannt ist beispielsweise der 540 K Autobahnkurier aus dem Jahr 1939 im Besitz von Arturo Keller, eines der wenigen Fahrzeuge einer ohnehin raren Spezies, das überlebt hat; Kellers perfektes Exemplar erfreut das Publikum auf Klassikveranstaltungen, und es heimst Trophäen ein wie etwa im Jahr 2006 beim Concours d’Élegance in Pebble Beach, Kalifornien/USA, wo es den Preis für das eleganteste geschlossene Fahrzeug gewinnt.
Zwei Türen geben übrigens Zugang zu vier Sitzen. Und ein Novum des Autobahnkuriers – heute ein Standardmerkmal eines Coupés –, das schon der direkte Vorgänger Typ 500 K Autobahnkurier gezeigt hat, sind die gebogenen hinteren Seitenscheiben, die das fließende Heck betonen. Den 540 K gibt es im Übrigen auch als klassisches Coupé mit zwei Sitzen. Sogar ein sogenanntes Kombinations-Coupé mit zwei auswechselbaren Dächern ist erhältlich.