Dagobert Duck, reichster Erpel der Welt, ist ein Automobilfan der ersten Stunde: „Ich war ja überhaupt einer der ersten, der sich ein Auto angeschafft hat. Noch von Gottlieb Daimler persönlich gebaut!“ So erinnert sich der Milliardär in der Comic-Geschichte „Das Autorennen“ von Carl Barks, übersetzt aus dem Amerikanischen von Dr. Erika Fuchs. Und Dagoberts Neffe Donald unternimmt in dem Comic „100 Jahre Automobil“ von Guido Scala und Bruno Concina sogar eine Fahrt in Daimlers Motorkutsche von 1886. Voll Vertrauen setzt sich der kleine Herr Duck ans Steuer des hundertjährigen Oldtimers: „Was ein echter Daimler ist, der schafft die 300 Kilometer mit links.“ Und tatsächlich kommt das kostbare Gefährt wohlbehalten am Ziel an.
Comic-Autoren haben sich immer wieder intensiv mit dem Thema Automobil beschäftigt, und das nicht nur zum Jubiläum der Erfindungen von Daimler und Benz. Technikbegeisterung und die Liebe zum automobilen Detail prägen vor allem europäische Serien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Denn auch wenn das Comic seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten von Amerika hat – seit „Tim und Struppi“ existiert insbesondere in Frankreich und Belgien, aber auch in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien eine höchst lebendige Comic-Kultur. Mercedes-Benz wird dabei zum Thema der Comic-Avantgarde (Matthias Schultheiss: „Night Taxi“), der linken Untergrund-Comix (Gerhard Seyfried: „Flucht aus Berlin“), vor allem dem breiten Feld der Abenteuerserien und Detektivcomics. Beispiele finden sich in fast allen Genres der modernen Bildgeschichte – sofern sie weder in der fernen Vergangenheit spielen, noch in der Zukunft.
Wer diese Abenteuer mit aufmerksamem Blick liest, der entdeckt auf den Seiten bald eine umfangreiche grafische Enzyklopädie der Automobilgeschichte. Und immer wieder stechen die Fahrzeuge der Stuttgarter Marke Mercedes-Benz hervor: Von der A-Klasse bis zum schweren Lastwagen und von den Anfängen im Jahre 1886 bis zur aktuellen Produktion reichen die Beispiele. Taxis mit dem Mercedes-Stern auf dem Kühler bringen die Passagiere in Europa gleichermaßen ans Ziel wie in den anderen Kontinenten des Erdballs. Wenigstens ebenso international ist die Begeisterung für die feinen SL-Sportwagen der Marke. In solcher Breite der Modelle und Baureihen, der Einsatzzwecke, Fahrzeuggenerationen und Länder wird wohl keine andere Automobilmarke im Comic dargestellt. Das fällt insbesondere im Vergleich zu anderen deutschen Marken auf. Eine Ausnahme ist lediglich der VW Käfer.
Vor allem die Modelle der Mercedes-Benz Personenwagen und Nutzfahrzeuge nach dem Zweiten Weltkrieg sind fast lückenlos in Comics dokumentiert. Vom Personenwagen Mercedes-Benz 170 V (Baureihe W 136) in einer düsteren Comic-Adaption von „Der Richter und sein Henker“ zieht sich die Entwicklungslinie bis zu aktuellen Modellen in gerade erschienenen Alben. So treten zum Beispiel in der Reihe „I.R.$.“ von Bernard Vrancken und Stephen Desberg Limousinen und Sportwagen von Mercedes-Benz ebenso prominent auf wie in den Alben der siebenbändigen Serie „Das geheime Dreieck“. Auch die Lastwagengeschichte der späten 1940er Jahre ist mit Langhauber-Gliederzügen dokumentiert, wie zum Beispiel Dupa sie in seiner Serie „Cubitus“ mit dem Album „Der Pedalosaurus“ zeigt. Der erste Mercedes-Benz in einem modernen europäischen Comic fährt jedoch schon 1929 über die Seiten des Magazins „Le Petit Vingtième“. Am Steuer sitzt ein junger Reporter, der zu einer der bekanntesten Comic-Figuren aller Zeit werden sollte: Tintin.