Die leichte Muße bei den Nutzfahrzeugen: Die Geschichte der Mercedes-Benz Transporter
Stuttgart
31.03.2010
Neuer Einstieg bei den Transportern
  • Schnieker Renntransporter hie, grundsolider L 319 da
  • Kastenwagen, Pritschenwagen sowie Busse
  • Weit mehr als 100.000 Einheiten produziert
Etwas aus der Reihe tanzt in jeder Hinsicht der so genannte Rennwagen-Schnelltransporter, den Daimler-Benz anno 1955 vom Stapel laufen lässt. Als reines Spielzeug ist er nicht gedacht, hat aber keineswegs auch gewöhnliche Nutzfahrzeugkunden im Visier. Er dient strikt nur hauseigenen Interessen. Er soll die Silberpfeile von damals möglichst rasch zwischen Werk und Rennbahn hin und her kutschieren, um auf diese Weise möglichst viel Zeit fürs Schrauben zu schinden.
Da ist das Beste denn gerade gut genug. Als Fahrgestell gibt ihm das Werk ein modifiziertes Chassis des Typs 300 S mit auf den Weg, die treibende Kraft liefert ein 41 kW starker Benzinmotor des Typ 198, den Mercedes sonst im 300 SL verbaut. Windschnittige Rundungen verleihen dem 165 km/h schnellen Gefährt, das 25 Liter Super auf 100 Kilometer aus dem Tank schlürft, ein imposantes Aussehen.
Doch kann das kleine Juwel seine Talente in der Praxis nie unter Beweis stellen. Denn bereits im Oktober 1955 fällt das Fallbeil in Gestalt des Vorstandsbeschlusses, die Rennaktivitäten einzustellen. Der Rennwagen-Schnelltransporter landet sang- und klanglos in der Schrottpresse.
Debüt des L 319 im Jahr 1956
Im Jahr darauf macht Mercedes-Benz aber Ernst mit dem Einstieg bei den Transportern. Seit dem Auslaufen des L 1100 im Jahr 1941 liegt das leichte Segment brach. Und es scheint an der Zeit zu sein, sich dieses großen Marktes anzunehmen, der in der Nachkriegszeit entstanden ist. Als ersten waschechten Transporter stellt Daimler-Benz im Herbst 1955 auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung den neuen L 319 vor, der die Fachwelt skeptisch stimmt, die Kunden aber begeistert.
Ihnen ist die rustikal-robuste Machart gerade recht, über die manch Connaisseur die Nase rümpft: simples Fahrwerk mit Starrachsen und Blattfedern, dazu wahlweise ein 1,8-Liter-Diesel mit zurückhaltenden 32 kW oder ein 1,9-Liter Benziner, der immerhin 48 kW ins Feld führen kann. Grundsätzlich gibt es dazu ein Vierganggetriebe, das die treibende Kraft an die Hinterräder schickt. Die Starrachse vorn wie hinten ist mit sogenannten Halbfedern versehen, gebremst wird hydraulisch. Servounterstützung gibt es nur gegen Aufpreis.
Der Kastenwagen bietet 1.950 Kilogramm Nutzlast, bei Pritschenwagen (in zwei Radständen zu haben) und Tieflader-Pritschenwagen (jeweils mit extra Rahmen versehen) sind es 1.800 und 1.750 Kilogramm. Beim Kastenwagen erfüllt der Aufbau mittragende Funktion.
In bester alter Nutzfahrzeugtradition bringt Daimler-Benz auch eine Omnibusvariante, die auf der gleichen Basis fußt: Als O 319 kommt ein Omnibus, der in drei Ausführungen vorgesehen ist: Benziner, Diesel und Luxusbus – der Radstand beträgt jeweils wie beim Kastenwagen 2.850 Millimeter.
Lastesel aus Sindelfingen, Busse aus Mannheim
Doch baut Sindelfingen hier die Lastesel, während die Busse aus Mannheim stammen. Ab Herbst 1961 löst ein 37 kW starker Diesel mit zwei Liter Hubraum den schwächeren Premierenmotor ab, wenig später befindet sich die Produktion der Transporter und Busse unter einem Dach. Sie entstehen fortan in Düsseldorf. Die getrennten Produktionslinien in Sindelfingen und Mannheim enden 1962.
Anno 1963 tauft das Werk die Kleinen um: Aus dem L 319 D wird der L 405, während der L 319 mit Benziner in der Folge auf den Namen L 407 hört. Der Omnibus LO 319 hingegen bleibt bei dieser Bezeichnung. Im Zuge der Umbenennung erhöht sich die Zahl der Varianten; stärkere Federn und bessere Bremsen machen zum Beispiel eine Nutzlast von zwei Tonnen möglich, auch gibt es eine Doppelkabine, wie sie vor allem die Männer vom Bau so lieben.
Schon im September 1965 kann Daimler-Benz die Produktion des 100.000sten Exemplars dieser neuen Gattung feiern, die sich insgesamt 123.234 Mal verkauft. Fast 19.000 Teilesätze verschickt das Werk außerdem zur Montage nach Spanien, bis im Januar 1967 der Nachfolger T1 ins Rennen geht.
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
Fax: +49 711 1790-97310
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen